Für die Teilnehmer des Workshops war die lokale Geschichte ein besonders Erlebniss.

Einen halben Tag verbrachten über ein Dutzend engagierte Lehrerinnen im Sitz des Verbandes der deutschen Gesellschaften am 12. Dezember in Oppeln. Dort fand nämlich ein Workshop des Hauses der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit statt. Ziel war es, sie für die lokale Geschichte im Unterricht zu begeistern.

 

Der Workshop war vor allem für Lehrer vorgesehen, die täglich mit jugendlichen arbeiten, die einen Minderheitenhintergrund und diesbezüglich spezifische Bedürfnisse haben, wenn es um die Bildung ihrer nationalen Identität geht. Hauptleiter des Projektes war der beliebte Gesellschaftspsychologe Tomasz Grzyb. Grzyb versuchte die Teilnehmer darauf aufmerksam zu machen, dass man für attraktiven Unterricht der Minderheitensprache gar nicht neue Wege gehen und teure Lehrmaterialien haben muss. Wie er sagt, lohnt es sich manchmal in die Trickkiste dessen zu schauen, was schon vorhanden ist: „Im Unterricht mit Jugendlichen muss man sich sehr oft die Frage stellen, wie begeistere ich die Schüler für die Geschichte? Meiner Meinung nach gibt es keine bessere Möglichkeit als ihnen zu zeigen, dass diese Geschichte sie unmittelbar betrifft. Am besten sieht man das anhand des Projektes des HDPZ ‘Archiv der gesprochenen Geschichte’.“ Wie der Psychologe meint, seien die heutigen Jugendlichen relativ wenig an der Geschichte interessiert, vor allem wenn es eben um die lokale Geschichte geht: „Sie haben heutzutage einen Eindruck, dass die Geschichten ihrer Großeltern und Eltern sie nicht betreffen, weil die Zeiten andere waren, die Rolle des Lehrers ist ihnen zu zeigen, dass es anders ist“, so Grzyb. Diese Auffassung versuchte man während des Workshops zu vermitteln.

 

Wie jedoch die Teilnehmer des Projektes schnell erfuhren, geht es im Unterricht der lokalen Geschichte aber nicht nur um die persönliche Bindung, sondern auch um das, was für jeden Menschen und besonders für die Jugendlichen wichtig ist. Das Schlüsselwort lautet hier nämlich Emotionen: „Es geht darum, dass man den Jugendlichen zeigt, dass die Geschichte nicht nur trockene Tatsachen bedeutet“, sagt Tomasz Grzyb. Nach dem Gesellschaftspsychologen könne man dazu zum Beispiel lokale Artefakte wie Denkmäler oder Grabsteine nutzten, um diese Emotionen anhand von privaten Geschichten hervorzubringen.

 

Wie die Teilnehmerinnen erfuhren, sei ein weitere Möglichkeit für einen attraktiveren Unterricht auch ein sogenanntes Stadtspiel. Dabei können Schüler gegeneinander antreten, um zu sehen, wer das größere Wissen rund um die lokalen Besonderheiten hat. Dies sei nach Tomasz Grzyb eine Anregung, um selber dem Wissen um die lokale Geschichte auf den Grund zu gehen.

 

Łukasz Biły