Joachim Kardinal Meisner (Mitte) im Gespräch mit Pilgern Foto: Damian Spielvogel

Joachim Kardinal Meisner (Mitte) im Gespräch mit Pilgern
Foto: Damian Spielvogel

Auch wenn das Wetter am letzten Julisonntag wenig einladend war, kamen erneut Tausende Pilger zur traditionellen schlesischen Mutter-Anna-Wallfahrt nach Velbert-Neviges.

 

Diese seit 1995 stattfindende Wallfahrt entwickelte sich nicht nur zu einer der größten Wallfahrten in Neviges, sondern stellt mit Abstand die größte schlesische Veranstaltung in Nordrhein-Westfalen dar, zu der mittlerweile auch zahlreiche Besucher aus anderen Bundesländern kommen.

 

Hauptzelebrant und Prediger war der emeritierte Erzbischof von Köln, Joachim Kardinal Meisner, der aus  Deutsch Lissa bei Breslau stammt. Er bot eine Katechese, bei der die Verbindung des christlichen Glaubens und des gesellschaftlichen Lebens im Mittelpunkt stand. Der „Ferne“ im zwischenmenschlichen Umgang setzte er das Beispiel der Heiligen Anna, der Mutter Marias und Großmutter Jesu, entgegen. Die Heilige Anna, die auf dem oberschlesischen Sankt Annaberg seit Jahrhunderten verehrt wird, bildet für die Schlesier und ihre Nachkommen nach der Vertreibung ein Sinnbild der Treue zu den Tugenden ihrer Herkunft und des eigenen Glaubens, sagte Kardinal Meisner. Sie hat stets die Nähe gelebt, so wird sie meist als Anna selbdritt gezeigt, bei dem sie ihre Tochter Maria und deren Sohn Jesus auf dem Schoß hält. Kardinal Meisner erweiterte dieses Bild zu einem selbviert, indem er „Dich und mich“ dazu nahm.

 

Wie jedes Jahr sorgte die Ausschmückung des sonst so karg wirkenden Gotteshauses mit schlesischen Fahnen und dem Bild des oberschlesischen Annaberges für ein heimatliches Gefühl. Bei Klängen des Oberschlesischen Blasorchesters, dem Gesang der Oberschlesischen Bergmänner und der Anwesenheit zahlreicher Frauen und Männer in nieder- und oberschlesischen Trachten verwandelte sich der Mariendom zu einer großen schlesischen Heimatkirche. Marc-David Schwarz als Organist kennt die Gemütslage der Gottesdienstbesucher und entsprechend gekonnt begleitete er die inbrünstig gesungenen alten schlesischen Kirchenlieder.

 

Da zu einer Wallfahrt auch ein Kirmesfest gehört, waren auf dem Parkplatz wie in den Vorjahren Stände aufgebaut. Beim Platzkonzert des Oberschlesischen Blasorchesters und dem Gesang der Oberschlesischen Bergmänner sowie den tänzerischen Darbietungen der Trachtengruppe „Der Fröhliche Kreis“ schmeckten die schlesischen Spezialitäten, seien es Wurst- und Fleischwaren oder Backwaren, noch besser. Kardinal Meisner begnügte sich mit einer „echten Pilgermahlzeit“, einer Knoblauchwurst mit Semmel, nachdem er bereits zum Abschluss der Messe eher auf die Spezialitäten als auf weitere schlesische Lieder hoffte.

 

Damian Spielvogel/kan