Besonders wichtig war es für Pfarrer Joachim Mierzwa, sich zum schlesischen Kulturgut zu bekennen. Foto: Johannes Golawski

Besonders wichtig war es für Pfarrer Joachim Mierzwa, sich zum schlesischen Kulturgut zu bekennen.
Foto: Johannes Golawski

Pfarrer Joachim Mierzwa, ehemaliger Diözesanseelsorger für Flüchtlinge und Vertriebene, ist Landsleuten aus dem Erzbistum Köln durch die Wallfahrt der Schlesier im Hohen Dom zu Köln bekannt.

 

Die Wallfahrten werden seit Jahren zum Fest der Heiligen Hedwig im Oktober begangen und wurden über viele Jahre von Pfarrer Mierzwa feierlich vorbereitet und gestaltet. Auch als Pensionär war er in der Seelsorge für die vielen Oberschlesier weiter sehr aktiv.

 

Joachim Mierzwa wurde am 2. August 1935 in Gleiwitz-Sosnitza (Gliwice Sośnica) geboren. Hier wuchs er im neugebauten Elternhaus mit drei Geschwistern auf. Bis Weihnachten 1944 besuchte er die örtliche deutsche Volksschule. Dann konnte er, wie alle anderen in Oberschlesien gebliebenen deutschen Kinder nur Polnisch weiter lernen. Nach der Volksschule und dem Abitur am Gymnasium in Gleiwitz, studierte er Theologie am Priesterseminar in Neisse und in Oppeln. 1958 durfte er mit den Eltern und den Geschwistern nach Deutschland ausreisen. Zuerst im Übergangslager in Ostfriesland untergebracht, konnten sie erst später ins Rheinland umziehen. In Köln wurde er vom damaligen Erzbischof Josef Kardinal Frings empfangen, der ihm zuerst ein Philosophie- und Theologiekurzstudium an der Universität Bonn, dann noch vier Semester im Priesterseminar Köln empfohlen hatte. 1961 wurde Joachim Mierzwa im Hohen Dom zu Köln von Josef Kardinal Frings zum Priester geweiht. Nach Jahren als Kaplan in Köln- Junkersdorf, Wuppertal-Elberfeld oder als Schulpfarrer, hatte er 1975 die katholische Seelsorge im Städtischen Klinikum Solingen übernommen und 35 Jahre lang ausgeübt. „Rein rechnerisch gesehen, müsste Pfarrer Mierzwa in den 35 Jahren jeden Solinger im Klinikum besucht haben. Es gibt unzählige Nächte, in denen er aus dem Bett gerufen wurde, um Kranken, Sterbenden und deren Angehörigen beizustehen und Menschen in Krisen zuzuhören. Die Nacht wurde oft zum Tag“, erinnerte Gisela Frommann, Seelsorgerin am Städtischen Klinikum Solingen anlässlich des 75. Geburtstages von Pfarrer Mierzwa.1992 berief ihn der Erzbischof, Joachim Kardinal Meisner, für die zusätzliche Aufgabe als Diözesanseelsorger für Flüchtlinge und Vertriebene im Erzbistum Köln, die er bis ins 75. Lebensjahr innehatte. Die Nähe zu seinen Landsleuten gab er bis zu seinem Tode nicht auf. Besonders für viele Spätaussiedler war es eine Erleichterung, bei ihm auch polnisch beichten zu können, da sie in der alten Heimat keinen deutschen Beichtunterricht erhalten hatten.

 

Besonders wichtig war ihm, dass: „Wir keine Rache erwägen sollen, aber trotz allen staatlichen Verzichterklärungen sich zu unserem heimischen Kulturgut bekennen. Unsere Wurzeln sind immer noch in Schlesien, denn wer seine Heimat aufgibt, kann nie eine neue finden. Recht auf Heimat ist christlich und menschlich. Darum Glückauf für unsere gesamte schlesische Heimat.“ Pfr. Joachim Mierzwa starb plötzlich und unerwartet am 5. Juli in Solingen. Das Seelenamt fand am 12. Juli in der Pfarrkirche St. Joseph in Solingen-Ohligs statt. Anschließend erfolgte auf dem katholischen Friedhof die Beerdigung.

 

Johannes Golawski/Klaudia Kandzia