Der Hauptbahnhof in Breslau ist ein Werk von Grapow Foto: Jednozgloskowiec/Wikimedia Commons.

Der Hauptbahnhof in Breslau ist ein Werk von Grapow Foto: Jednozgloskowiec/Wikimedia Commons.

Lange schien es so, als hätten sich deutsch-polnische Ressentiments auch in der so weltoffenen ehemalig deutschen Stadt Breslau wiedergefunden. Vor einiger Zeit tauchte die Idee auf, eine Straße nach dem Deutschen Wilhelm Grapow zu benennen. Nun ist die positive Entscheidung gefallen, doch leicht war der Weg dazu nicht.

 

Er gilt als eines der schönsten Gebäude Breslaus und ganz Schlesiens – der vor einigen Jahren renovierte Hauptbahnhof präsentiert sich besonders nachts imposant. Der Bau des Bahnhofs begann noch im 19. Jahrhundert. Schon zu Anfang war es ein ehrgeiziges Bauprojekt, doch durch spätere Modernisierungen wurde er zu einer architektonischen Perle des neogotischen Stils, die an die Bauten der englischen Tudor-Könige erinnern sollte. Darüber wie das Projekt einzuschätzen ist, zeugt die Tatsache, dass es seinerzeit das größte  Bahnhofsgebäude im ganzen Königreich Preußen war. Entworfen hat den Bahnhof der deutsche Niederschlesier Wilhelm Grapow, der von 1854 bis 1870 in Breslau tätig war.

 

Trotzdem, dass Grapow sich sicherlich nicht in der Größenordnung z.B. von Schinkel befindet, so sind seine Verdienste rund um den Breslauer Bahnhof offenbar sogar den Polen, denen heute die Stadt gehört, eine symbolische Ehrung wert. Mitte Mai haben die Mitglieder des Bürgervereins „Schönes Breslau“ einen Antrag auf Benennung einer Straße nach Grapow gestellt. Namensspender sollte der Architekt für eine bisher noch unbenannte Straße sein, die sich an der Kreuzung mit der heutigen ulica Parowozowa (Dampflokomotiven Straße) und der ulica Sygnałowa (Signal Straße) befindet. Damit würde man nicht nur einen großen Architekten ehren, sondern ein Puzzlestück in ein Straßenbild legen, dass sich sehr gut in das Eisenbahnkonzept einfügen lässt.

 

Lobesworte gab es nicht nur von den Ideengebern für Grapow reichlich: „Grapow ist ein Teil der Geschichte Breslaus. Wir dürfen nicht vergessen, dass dies einmal eine deutsche Stadt war. Dieser Mensch hat dazu geführt, dass wir hier heute einen der schönsten Bahnhöfe in Polen haben“, sagte noch im Mai das Breslauer Stadtratsmitglied Dorota Galant. Die Lokalpolitiker rund um Galant unterstützen die Initiative, doch nicht alle schienen von der Idee begeistert. Der Stadtratsausschuss für Kultur und Wissenschaft von Breslau stellte sich gegen die Benennung einer Straße nach Grapow. Einen besonderen Gegner fand die Initiative in Gestalt des Stadtratsmitglieds Tomasz Małek: „Die deutsche Politik ist heute gegenüber Polen widerwillig, deswegen bin ich der Meinung, dass wir einen deutschen Architekten nicht ehren sollten. Breslau ist heute eine polnische Stadt und wir sollten alles dafür tun, um die Stadt auch polnisch zu gestalten“, so Małek. Marek Karabon aus der Bürgerinitiative „Schönes Breslau“ konterte die Äußerung des Ratsmitglieds mit der Aussage, das seine Einstellung wie die eines kommunistischen Politikers sei, der meint, dass „in Breslau jeder Stein polnisch sprechen sollte“. Eine Straße habe Grapow in Breslau verdient, da man ja „schon 160 Jahre das nutzt, was er aufgebaut hat“, meint Karabon.

 

Trotz des negativen Gutachtens durch den Ausschuss der Kultur und Wissenschaft, ist der Antrag auf Benennung der Straße nach Grapow doch auf die Tagesordnung der Sitzung des Stadtrates gelangt. In deren Rahmen hatte selbst der frühere Gegner Tomasz Małek die Verdienste des Deutschen zugegeben: „Grapow war ein bedeutender Architekt, doch er arbeitete hier, als sich die Stadt in den Grenzen des Deutschen Kaiserreiches befand“, unterstrich Małek. Der Lokalpolitiker stellte ebenfalls eine Liste von 44 polnischen Architekten zusammen, nach denen man die Straße benennen könnte. Letztendlich siegte aber der Wille Grapow zu ehren. Mit 20 gegen 12 Stimmen wurde der Antrag auf Benennung der Straße in Breslau nach Wilhelm Grapow angenommen.

 

Mit der Straße für Grapow ist aber die Diskussion rund um deutsche Benennungen in Breslau nicht beendet. Tomasz Małek soll auch plädiert haben, sich Gedanken rund um den Namen der Jahrhunderthalle zu machen. Diese erinnert zu sehr an den preußischen König Friedrich Wilhelm III, meint Tomasz Małek. Er selber würde die Halle eher nach dem polnischen Monarchen Józef Poniatowski benennen.

 

Łukasz Biły