Sabrina Janesch

Es war ein Experiment: Schüler aus Breslau übersetzten Fragmente des Buches „Katzenberge“ von Sabrina Janesch aus dem Deutschen ins Polnische. Das Ergebnis überraschte die Autorin.

 

Die Autorin Sabrina Janesch setzt gerade alle Hebel in Bewegung, damit ihr Roman „Katzenberge“ in polnischer Sprache erscheint. Letzte Woche in Breslau bekam sie einen kleinen Vorgeschmack.

 

Die Schüler des 13. Lyzeums in Breslau übertrugen während einer zweimonatigen Übersetzerwerkstatt Teile von „Katzenberge“ ins Polnische. „Es war schwer, hat aber auch viel Spaß gemacht. Wir haben die Geschichte Schlesiens dabei kennengelernt “, sagt Aleksandra Mazuszkiewicz. „Meiner Familie ging es ähnlich wie der Familie im Buch“, ergänzt ihre Freundin Aleksandra Jaworska.

 

Eine persönliche Geschichte

 

Der Roman „Katzenberge“ entstand bereits vor zehn Jahren und war das Debüt von Autorin Sabrina Janesch. Für sie ein sehr persönliches Buch. Es stützt sich auf die Vertreibungsgeschichte ihres Großvaters, der von Galizien nach Schlesien kam, auf seine vielen Erzählungen und Anekdoten. „Die Geschichte, die mich schon als Kind erschüttert hat, war die, als mein Großvater nach seiner Ankunft in Niederschlesien zum ersten Mal den Hof betreten hat. Alle waren verschwunden, der Hof war komplett leer. Aber er hat gesehen, dass ein Lebewesen geblieben ist: die Katze des Besitzers. Es war ein großer schwarzer Kater. Von ihm fühlte sich mein Großvater verfolgt.“ Es zeige den Schrecken des Krieges, das Unheimliche, plötzlich in einen so verlassenen Landstrich hineingehen zu müssen, so Janesch.

 

Gemeinsame Lesung in Breslau

 

Am 2. Februar war Sabrina Janesch nach Breslau gereist, um sich mit den Schülern, die die Fragmente ihres Buches übersetzt haben, zu einer gemeinsamen öffentlichen Lesung zu treffen. Von dem Ergebnis der polnischen Übersetzung zeigte sich Janesch überrascht: „Plötzlich habe ich mich daran erinnert, dass mir all die Geschichten nicht auf Deutsch berichtet wurden, sondern auf Polnisch von meinem polnischen Großvater – aber geschrieben habe ich sie auf Deutsch. Und als ich die polnische Übersetzung der Schüler hörte, habe ich mich an diesen Moment erinnert, als er sie mir erzählt hat. Da hatte ich wieder seine Sprache im Ohr. Er hatte eine mystische Art zu erzählen und hat die Geschichten aufgeladen mit etwas Märchenhaftem, sehr Saftigem, Slawischem.“

 

Experiment für den Schulunterricht

 

Die Übersetzungswerkstatt für die Schüler war eine Initiative des deutschen Generalkonsulats in Breslau. „Es war ein Versuch, ein Experiment, um neben dem regulären Schulunterricht das Interesse für Literatur, die deutsche Sprache und das Übersetzen zu wecken“, erklärt  Marion Ramackers von der Kulturabteilung. Dabei fiel die Wahl auf Sabrina Janesch nicht zufällig. Das Generalkonsulat haben immer wieder positive Kritiken über das Buch erreicht, sowohl von deutscher als auch von polnischer Seite, so Ramackers.

 

Sabrina Janesch, die sich als deutsch-polnische Autorin versteht, hatte bereits einige Versuche unternommen, ihr Buch in polnischer Sprache zu veröffentlichen. Bisher ohne Erfolg. „Die polnischen Verlage waren bisher sehr zurückhaltend. Vielleicht war die Tatsache, dass ich eine polnische Geschichte auf Deutsch erzähle eine Spur zu kurios“, rätselt Janesch.

 

Doch nun soll ihr Buch voraussichtlich schon im kommenden Jahr in polnischer Sprache erscheinen. „Wenn das klappt, wäre das für mich wirklich eine große Ehre“, sagt Janesch voller Vorfreude.

 

Marie Baumgarten