Walter Meckauer Quelle: „Der Baum mit den goldenen Früchten“ (Bergstadtverlag 1964)

Walter Meckauer
Quelle: „Der Baum mit den goldenen Früchten“ (Bergstadtverlag 1964)

Vor 50 Jahren starb der aus Breslau stammende Schriftsteller Walter Meckauer. Als Jude verfolgt, fand er nach Jahren des Exils seine geistige Heimat im Wangener Kreis.

 

Walter Meckauer wurde am 13. April 1889 in Breslau als Sohn eines Versicherungsdirektors geboren. Nach dem Abitur war er als Angestellter der Deutschen Überseebank 1910-11 in Peking (China) tätig und studierte dann Philosophie und Germanistik in Breslau. 1916 wurde Meckauer mit der Dissertation „Der Intuitionismus und seine Elemente bei Henri Bergson“ promoviert. Bereits zu dieser Zeit begann er mit der schriftstellerischen Tätigkeit. 1922 übersiedelte Meckauer nach München und 1926 nach Berlin, wo er Leiter der schlesischen Ullstein-Redaktion sowie als Dozent an der Schauspielschule des Deutschen Theaters tätig war. 1933 musste er mit seiner Frau Lotte (1894–1971) emigrieren und ließ sich in Italien nieder, von wo er jedoch 1938 ausbürgert wurde. 1939 ging Meckauers Familie nach Südfrankreich. Nach Kriegsausbruch wurde Meckauer zwischenzeitlich interniert, doch nach einer abenteuerlichen Flucht erreichte die Familie 1942 die Schweiz, wo Meckauer zunächst Schreibverbot bekam. 1947 ging Meckauers Familie in die Vereinigten Staaten und lebte bis 1952 in New York. Dort arbeitete Meckauer als Schriftsteller und hielt zahlreiche Gastvorträge. Als sein 1952 abgeschlossener Roman „Die Sterne fallen herab“ preisgekrönt wurde (Verlag Langen-Müller), erhielt er eine Einladung zu einer Lesereise durch Westdeutschland. Von dieser Reise kehrte er nicht mehr in die USA zurück und lebte bis zu seinem Tode am 6. Februar 1966 als freier Schriftsteller in München.

 

Das Frühwerk Meckauers stand der Dichterschule des Breslauer Heimatdichters Karl Biberfeld nahe. Bereits während des Ersten Weltkrieges tritt jedoch sein Werk zum Expressionismus und zeitkritischer Avantgarde über. Im Kreise von Hermann Stehr sowie Carl und Gerhart Hauptmann setzte er sich als einziger „provokatorisch für den Liberalismus der Republik ein“ (nach Arno Lubos). Gegen Ende seines Lebens kehrte Meckauer mit dem 1957 erschienenen Roman „Viel Wasser floß den Strom hinab“ sowie der Erzählung „Der Baum mit den goldenen Früchten“ (1964) zur Heimatdichtung zurück.

 

Meckauers Werk ist jedoch auch in zahlreichen Erzählungen und Gedichten durch seine Chinaerlebnisse gekennzeichnet: „Die Bücher des Kaisers Wutai“ (1928) und „Die Sterne fallen herab“. Der autobiographische Roman „Gassen in fremden Städten“ (1959), mit seinen Erinnerungen an die Exiljahre in Italien und Frankreich, zeugt von der Verwurzelung und geistiger Tradition schlesischer Juden in Deutschland. Im „Das Reich hat schon begonnen“ (1959) wird die Verbundenheit mit der eigenen deutschen Herkunft, die Rückbesinnung auf das Judentum und die gleichzeitige Ratlosigkeit über die Verfolgung deutlich. Vor allem mit diesen Werken leistete Meckauer einen großen Beitrag zur Versöhnung zwischen Juden und Deutschen.

 

In Anerkennung für besondere Bemühungen um die Werke verfolgter und vergessener Autoren wird seit 1989 vom Walter-Meckauer-Kreis e.V. in Köln, der von der Tochter Brigitte und dem Schwiegersohn Meckauers Rolf Kralovitz geleitet wurde, eine Walter-Meckauer-Medaille verliehen. Zu Ehren von Walter Meckauer und dem Journalisten Max Lippmann (geboren 1906 in Posen, ehemals Rundfunkkommentator beim Breslauer Rundfunk und ebenfalls jüdischer Herkunft) stiftete der Freundeskreis um den Wangener Kreis die sog. „Lippmann-Meckauer-Gedenkmünze” für Verdienste um Menschlichkeit, Versöhnung und Frieden – anlässlich der 18. Wangener Gespräche 1969 wurde sie erstmals an den aus Beuthen O/S stammenden Schriftsteller, Lektor und Verleger Max Tau vergeben. Walter Meckauer wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem erhielt er 1955 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse wegen seiner Verdienste um die deutsche Literatur. Im Münchner Stadtteil Daglfing ist der Walter-Meckauer-Weg und in Nürnberg die Walter-Meckauer-Straße nach ihm benannt.

 

Johannes Rasim