Harry Thürk (stehend) bei einer Pressekonferenz am 4.12.1967 in Berlin (Ost) Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-F1204-0028-001

Harry Thürk (stehend) bei einer Pressekonferenz am 4.12.1967 in Berlin (Ost)
Quelle: Bundesarchiv, Bild 183-F1204-0028-001

Seine Motive, thematische Gestaltungen und spannende Erzählweise machten ihn vor allem in der DDR populär. Mit einer Gesamtauflage von neun Millionen Exemplaren verkaufter Bücher, die in 13 Sprachen übersetzt wurden, gehört er zu den meistgelesenen und populärsten deutschen Nachkriegsautoren. Vor zehn Jahren starb Harry Thürk.

 

Harry Thürk wurde am 8. März 1927 als Lothar Rudolf Thürk in Zülz (Biała) geboren. 1934 zog er mit seiner Familie nach Neustadt/OS (Prudnik) um. Wie viele junge Männer seiner Generation musste er 1944 in den Krieg ziehen. Nach Kriegsende floh er aus Oberschlesien nach Thüringen. Dort war er von 1946 bis 1948 hauptberuflicher Funktionär der Freien Deutschen Jugend (FDJ). Nach einigen Gelegenheitsjobs arbeitete er als Journalist für verschiedene Zeitungen und war u.a. in Korea und in den Vietnamkriegen als Reporter tätig, wo er sich eine schwere Vergiftung mit dem dort eingesetzten Entlaubungsmittel „Agent Orange“ zuzog. Nach weiteren Südostasienreisen kehrte er 1980 in die DDR zurück und lebte fortan in Weimar. Harry Thürk veröffentlichte insgesamt 60 Bücher (Romane, Dokumentationen, Reportagen, Krimis, Kinderbücher) und schrieb 15 Drehbücher. Die meisten seiner Romane und Dokumentationen spielen in Südostasien und in Oberschlesien.

 

Thürk, ein überzeugtes Mitglied der SED, war ein höchst umstrittener Schriftsteller. Im Westen wurde er als ein linientreuer SED-Schriftsteller kritisiert. Andererseits hatte er auch Schwierigkeiten mit dem DDR-Regime: Einige Dokumentationen und Bücher konnten erst nach der politischen Wende erscheinen. Dazu gehörte auch der Roman „Der Sommer der toten Träume“ (1993), der Anfang dieses Jahres auch dem polnischen Leser vorstellt werden konnte (Lato Umarłych Snów). Der Roman schildert das Leben in Oberschlesien kurz nach Kriegsende.

 

Zeit seines Lebens sehnte er sich nach seiner oberschlesischen Heimat und blieb ein gläubiger Christ, wie Prälat Wolfgang Globisch bestätigt, der ihn kurz vor seinem Tod besuchte: „Er gab mir einen Rosenkranz seiner Mutter und bat mich, dass ich diesen Rosenkranz an einer Muttergottesfigur Oberschlesien aufhänge. Das war eine Art Vermächtnis von ihm.“

 

Harry Thürk starb am 24. November 2005 in Weimar.

 

Johannes Rasim