Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, November 29, 2021

Heimatverbundenheit seit Generationen

Mit Mattheus Czellnik aus Guttentag, Jugendaktivist in der Deutschen Minderheit, sprach Andrea Polański über seine große Leidenschaft für das Erforschen seiner kleinen Heimat.

Das Erforschen und Kennenlernen der Geschichte Deiner kleinen Heimat ist Deine Leidenschaft. Woher kommt dieses Interesse?
Mein Interesse an der Geschichte meiner Heimat hängt ein wenig mit dem Umgang meiner Familie mit diesen Themen zusammen. Ich spreche oft mit meinen Großeltern und höre mir ihre Geschichten mit großem Interesse an. An dieser Stelle muss auch erwähnt werden, dass ich mich als kleines Kind immer für alte Fotos interessiert und mich oft gefragt habe, wer auf dem jeweiligen Bild zu sehen ist. Das Bewusstsein für unsere Familiengeschichte und Heimat ist sehr lebendig und in unserem Alltag präsent. Dank dieses Bewusstseins wissen wir, wer wir sind.

Was treibt Dich in deinem Engagement an, was motiviert Dich?

Besonders motiviert bin ich von anderen Menschen, die man glücklich machen kann, indem man verschiedene Projekte organisiert oder etwas schafft, das ihnen und der Gesellschaft, in der sie leben, dient. Vieles von dem, was ich tue, hat zum Beispiel mit der Popularisierung der Geschichte meiner Heimat zu tun, sei es durch Projekte und Aktivitäten im DFK Guttentag oder im Regionalverband Guttentag-Zembowitz (Międzygminne Towarzystwo Regionalne Dobrodzień-Zębowice).

 

Die Czellniks wurden von dem berühmten Oppelner Photographen Max Glauer fotografiert.
Quelle: privat

Gibt es eine Entdeckung, die Du gemacht hast, auf die Du besonders stolz bist?
Meine erste Entdeckung oder Errungenschaft war die Erstellung eines Stammbaums meiner Familie. Es gelang mir, 7 Generationen zurückzugehen und so Vorfahren aus dem 18. Jahrhundert zu finden. Auf diese Weise weiß ich, dass meine Vorfahren schon vor 250 Jahren hier in Guttentag gelebt haben. Ich kann sagen, dass die Arbeit am Stammbaum weitergeht. Ein weiterer wichtiger Fund waren die Negative des herausragenden Fotografen Max Glauer. Diese Negative sind aus mehreren Gründen ein sehr wertvolles Objekt, unter anderem wegen der eingravierten Inschrift “FAM. CZELLNIK GUTTENTAG O/S PHOTO MAX GLAUER OPPELN”. Der zweite Grund ist, dass ein Cousin und eine Tante meines Opas auf diesen Negativen sind, die er wiedererkannt hat. Drittens zeugen sie von einem hohen technischen Niveau, denn diese Negative sind bereits in Farbe, und ich möchte daran erinnern, dass solche Negative von Max Glauer wahrscheinlich ab 1932 verwendet wurden.

In einem Gespräch mit „Antidotum“ erwähnst Du, dass Dein Großvater Josef sich schon als junger Mann für die Gemeinde Makowtschütz, aus der er auch stammt, eingesetzt hat. Du bist jetzt auch in der Gemeinde Guttentag tätig. Glaubst Du, dass dieser Handlungswille in Deinen Genen steckt?
Ich denke, man kann sagen, dass ich nach meinem Großvater komme. Mein Großvater war von 1976 bis 1998 Dorfvorsteher von Makowtschütz, und das will was heißen. Obwohl mein Großvater nicht mehr Ortsvorsteher ist, hat er es geschafft, das historische Feuerwehrhaus aus dem Jahr 1928 zwischen 2018 und 2020 zu revitalisieren. Natürlich mit finanzieller Unterstützung der Gemeinde und Mitteln der Europäischen Union. Ich bewundere ihn für seine Entschlossenheit, sein Ziel zu verfolgen und für sein Engagement für die Gemeinde Makowtschütz sowie die gesamte Gemeinde Guttentag. Er ist eine große Autorität und ein Vorbild für mich.

 

Mattheus Czellnik
Quelle: privat

Du hast erwähnt, dass Du von klein auf von der Geschichte Deiner Familie und Deiner Stadt fasziniert warst und es auch bis heute bist. Was empfindest Du im Zusammenhang damit?
Ich bin immer ganz aufgeregt, wenn ich alte Dokumente oder Fotos und neuerdings auch Fundstücke durchstöbere. Man empfindet ein Gefühl der Zufriedenheit und des Stolzes auf die eigene Familie, die seit mehreren Jahrhunderten auf diesem besonderen Stück Land lebt. Das wiederum beweist, dass wir sehr heimatverbunden sind, als Schlesier und Deutsche zugleich.

Was genau ist für Dich “Identität”?
Ich würde Identität als das Bewusstsein definieren, wer man ist, vor allem als Mensch – und dann gibt es die Tatsache, dass man ein Schlesier und ein Deutscher ist. Identität kann auf unterschiedliche Weise verstanden werden, aber für mich ist sie ein Blick auf meine Eltern und Vorfahren, darauf, wer sie waren und was sie taten, was ihnen wichtig war und wie stark sie über die Jahrhunderte hinweg mit ihrer Heimat verbunden waren, trotz Kriegen und anderer Ereignisse, die sie beeinflussten.

Du bist auch in den Jugendstrukturen der deutschen Minderheit aktiv – im Bund der Jugend der deutschen Minderheit sowie in “Jugend Aktiv”, einer vom DFK-Kreis Guttentag gegründeten Gruppe. Welche Überzeugungen vertrittst Du selbst und welche Werte möchtest Du der Jugend weitergeben?
Vor allem möchte ich den Jugendlichen zeigen, dass es sich lohnt, sich zu treffen und miteinander zu reden und nicht nur “online” zu sein, vor allem jetzt, wo die meisten Einrichtungen und Schulen aufgrund der Pandemie in diese Richtung gehen. Die verschiedenen Aktivitäten, die ich mit den Jugendlichen durchführe, sollen sie integrieren, ihnen aber auch zeigen, wer sie sind, ihre Identität und was sie ausmacht. Ich glaube, dass es funktioniert, weil junge Menschen sich gerne treffen und interessante Aktionen oder Projekte durchführen. Alle Aktivitäten, die ich mit jungen Menschen unternehme, sollen auch eine pro-soziale Haltung entwickeln und auch hier sieht man, dass junge Menschen aktiv beteiligt sind. Dafür sind der BJDM und die lokale Jugendgruppe „Jugend Aktiv“ gute Beispiele.

 

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