Eine Gruppe beim Sachsentreffen.

Auch die deutsche Minderheit in Rumänien hat ihr eigenes Kulturfestival. Vom 4. bis 6. August fand in Hermannstadt nämlich das traditionelle Sachsentreffen statt, das von mehreren Vereinen der deutschen Minderheit in Rumänien veranstaltet wird. Im Hinblick auf die Teilnahme des rumänischen Staatspräsidenten musste man sich um prominente Schirmherrschaft keine Sorgen machen.

 

„Ich freue mich, dass ich neben der älteren Generation hier auch viele Kinder und Jugendlichen sehe. Es ist der Beweis dafür, dass sie in Zukunft Siebenbürgen nicht nur als eine Region sehen, aus der ihre Eltern stammen, sondern auch als einen Ort, der ihr Interesse weckt, da ihre Wurzeln hier sind“, sagte während der Eröffnung des Sachsentreffens Rumäniens Staatspräsident Klaus Iohannis, der selber ein Vertreter der deutschen Minderheit ist. Seit Jahren wird das Sachsentreffen – ein Fest aller Vereine der Minderheiten – in Hermannstadt abgehalten. Dabei ist der Ort kein Zufall, denn es ist die Stadt, die auch zahlreiche Vertreter der deutschen Minderheit bewohnen und die Klaus Iohannis als  Bürgermeister zu einem boomendem Kultur- und Industriezentrum machte.

 

Beim Sachsentreffen geht es vor allem um eines: Die deutsche Kultur Rumäniens der deutschen Minderheit und der Mehrheit zu präsentieren. Untereinander, weil die Volksgruppe ähnlich wie in Polen auch in einer starken Diaspora lebt. Nach Außen, weil auch in der rumänischen Bevölkerung antideutsche Ressentiments immer wieder vorkommen. Um zu zeigen, dass die Kultur schön und die Menschen freundlich sind, fanden über das ganze Wochenende hinweg Ausstellungen, Konzerte und andere Begleitveranstaltungen statt. Trachtenträger, sächsische Volkstänze oder Blaskapellen sind der Stolz der Minderheit und zeigen sich beim Treffen schon seit mehr als 25 Jahren. Wie jedes Jahr hat das Treffen auch ein entsprechendes Motto, das diesmal „In der Welt zuhause, in Siebenbürgen daheim” lautete. Dies sollte eine Anspielung auf die Wurzeln der Mitglieder der Volksgruppe sein, die trotz zahlreicher Ausreisen immer eine wichtige Rolle spielen sollten. Präsident Iohannis brachte aber auch eine weitere wichtige Botschaft des Treffens auf den Punkt: „Die traditionelle Tracht aus Siebenbürgen zum Beispiel sieht man immer seltener, oft nur als Museumsstück“. Damit meinte das Staatsoberhaupt die Entfremdung von der Kultur der Vorfahren, die immer mehr in Vergessenheit gerät. Gerade deswegen seien Veranstaltungen wie das Sachsentreffen wichtig, um die Erinnerung an diese Kultur zu bewahren.

 

Für dieses Engagement gab es für die Deutschen aus Rumänien auch Gratulationen aus Deutschland, die in einem Grußwort des Bundesbeauftragten Hartmut Koschyk sichtbar wurden: „Jedes Mal, wenn ich die Gelegenheit habe, nach Siebenbürgen zu reisen, bin ich tief beeindruckt von dem Engagement und dem aktiven Gemeinschaftsleben derjenigen, die die traditionelle Heimat der Siebenbürger Sachsen nicht verlassen haben. Es gelingt Ihnen, alte Traditionen mit Leben zu füllen und die deutsche Kultur und Sprache zu pflegen und zu erhalten. Hierfür gilt Ihnen ein herzliches Dankeschön“, schrieb Koschyk.

 

Das Sachsentreffen besuchten insgesamt einige Tausend Menschen. Auch medial war es ein Erfolg, denn zahlreiche Zeitungen wie auch Fernsehsender berichteten darüber.

 

Łukasz Biły