Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, January 25, 2022

„Hilfeleistung braucht Strukturen“

Agata Baron. Foto: Łukasz Biły.
Agata Baron. Foto: Łukasz Biły.

In diesem Jahr feiert die Wohltätigkeitsgesellschaft der Deutschen in Schlesien ihr 20. Jubiläum und hielt u.a. zu diesem Thema letzten Samstag ihre Jahresversammlung ab. Łukasz Biły sprach mit der Büroleiterin Agata Baron über die Geschichte und die jetzige Tätigkeit.

 

Am 7. Mai hatte die Wohltätigkeitsgesellschaft in Groß Stein ihre Delegiertenversammlung. Was stand auf dem Programm?

 

Da wir in diesem Jahr das Jubiläum unserer Gesellschaft feiern, haben wir viel über die Form dieses Jubiläums gesprochen. Klar ist, dass wir eine Feierlichkeit im Oktober machen. Ansonsten wie üblich gab es einen Bericht des Vorstandes, einen Finanzbericht und eine Diskussion über die Pläne.

 

Wie ist die Gesellschaft 2015 in Zahlen zu erfassen? Wie vielen Menschen habt ihr geholfen?

 

Wir haben dieses Jahr Geld von der „Stiftung für die Entwicklung Schlesiens“ bekommen, das wir vor allem für die soziale Hilfe genutzt haben. Dieses Geld ist für Menschen gedacht, die unter dem sozialen Minimum leben. Damit haben wir es geschafft 387 Personen zu helfen. Traditionell haben wir auch Seniorenfreizeiten veranstaltet. Dank Zuschüssen und der Eigenbeteiligung der Senioren konnten insgesamt 10 Freizeiten veranstaltet werden, hauptsächlich in Ziegenhals und Groß Stein. Außerdem gab es auch eine sogenannte Medikamentenhilfe oder individuelle Hilfe für Menschen, die zum Beispiel Katastrophen erlebt haben.

 

Auch beim Kulturfestival gab es aber eine Aktion.

 

Das stimmt. Gemeinsam mit dem Verband der deutschen Gesellschaften (VdG) haben wir eine Sammelaktion für zwei behinderte Jungen durchgeführt. Dieses Geld haben Teilnehmer des Kulturfestivals gespendet sowie der Gewinner des literarischen Wettbewerbs des VdG. Wir haben es geschafft über 9000 Złoty zu sammeln und das Geld wurde von unserem Vorstandsmitglied sowie dem VdG-Vorsitzenden persönlich übergeben.

 

Sie haben das 20-jährige Jubiläum der Gesellschaft angesprochen. Die Wohltätigkeitsgesellschaft ist mittlerweile in Schlesien gut bekannt, doch trotz langer Tradition denken viele, es gibt nur die Geschäftsstelle in Oppeln.

 

Das stimmt natürlich nicht. Ähnlich wie die Sozial-Kulturelle Gesellschaft der Deutschen in Schlesien, beruht auch unsere Tätigkeit auf Strukturen. Überall, wo es die deutsche Minderheit in Polen gib, gibt es auch Filialen der Wohltätigkeitsgesellschaft. Angefangen haben wir in der Woiwodschaft Oppeln, dann kamen andere Regionen hinzu wie die Woiwodschaft Niederschlesien oder Nordpolen. Im Moment haben wir 50 Filialen, in denen insgesamt 2000 Menschen aktiv sind. Das sind eben die Personen, die ihre lokale Umgebung am besten kennen und die wissen, wer Hilfe braucht. Die Hilfeleistung ist ein Prozess, der solche Strukturen braucht.

 

Sie sind seit sehr vielen Jahren in der Gesellschaft aktiv. Gibt es etwas, an das sie sich besonders gut erinnern?

 

Im Gedächtnis ist mir besonders das Jahr 1997 geblieben und das aus zwei Gründen. Erstens weil wir in den Startlöchern unserer Tätigkeit standen, da wir ja erst ein Jahr als offiziell registrierte Gesellschaft gewirkt haben. Zweitens aber, weil es das Jahr der sogenannten „Jahrtausendflut“ in Polen war. Ein großer Teil Schlesiens wurde damals von heftigen Regenfällen und somit auch Überschwemmungen heimgesucht. Von diesen Ereignissen war besonders die Oppelner Region betroffen. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, dass im Rahmen der Solidarität damals sehr viel Geld aus Deutschland für die Menschen hier in Schlesien gespendet wurde. Diese Gelder gingen eben durch die Wohltätigkeitsgesellschaft und das waren wirklich große Summen. Außerdem gab es auch Sach- oder Lebensmittelhilfe für die Menschen hier. Dieses Jahr war nicht nur eine schöne caritative Geste, sondern auch ein Test für uns, den wir zum Glück bestanden haben.

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