Die Einweihung des Denkmals

Nach Tschechien und Ungarn schließt sich nun auch Serbien den Staaten an, die offiziell Verantwortung für die Verbrechen an der deutschen Bevölkerung übernehmen. Anfang Mai hat der serbische Premierminister Aleksandar Vucic eine Gedenkstätte eingeweiht, die an die tragischen Ereignisse erinnern soll.

 

Die neue Gedenkstätte sowie die Tatsache, dass sie gerade vom Regierungschef enthüllt wurde, hat in vielerlei Hinsicht eine symbolische Bedeutung. Zunächst ist es eine Geste auf der höchsten politischen Ebene, was mit einer staatlichen Übernahme der Verantwortung für die Verbrechen an deutscher Bevölkerung gleichzustellen ist. Zweitens war das Schicksal von Serbiens Deutschen  jahrelang ein Tabuthema, da die eigene Gewalt wegen den Schulden der Nationalsozialisten an der serbischen Bevölkerung verharmlost wurde.

 

Mehr als eine halbe Million Donauschwaben sind in die heute serbischen Gebiete zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert eingewandert und lebten dort noch bis zur Hälfte des 20. Jahrhunderts. Von all diesen Menschen gibt es heute im Land keine 4000 mehr. Einige der ursprünglichen Bewohner nahmen zwar an Gewaltakten der deutschen Wehrmacht an der serbischen Bevölkerung teil, doch rund 150.000 wurden als unschuldige im Rahmen von Racheakten der Serben bestraft. Ähnlich wie in Polen gab es auch dort Nachkriegslager für Deutsche, in denen Hunderte an Krankheit, Hunger oder Folter starben. Weitere Zehntausende wurden aus ihrer Heimat vertrieben und enteignet.

 

Nach den Zeiten des Kommunismus in Serbien, als die oben genannten Ereignisse gar nicht erwähnt werden durften, begann der mühsame Prozess der Aufarbeitung der Wahrheit. Erst ließ ein Gesetzt die Antragstellung auf Entschädigungen für die Deutschen zu, deren Hab und Gut im Rahmen der Enteignungen weggenommen wurde, danach setzte sich Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich für eine Gedenkstätte ein, die schließlich am 6. Mai nahe der Stadt Novi Sad eingeweiht wurde. Das Denkmal besteht aus einem Kreuz und zwei zweisprachigen Tafeln, welche die Verbrechen an Serbiens Deutschen beschreiben. Aleksandar Vucic legte persönlich einen Kranz im Zentrum des Denkmals nieder.

 

Serbien ist mit der historischen Geste ein weiteres Land, dass seine eigene Schuld gegenüber den Deutschen gesteht. Seit einigen Jahren gibt es beispielsweise in Ungarn einen offiziellen Gedenktag für die vertriebene deutsche Bevölkerung. Vor einiger Zeit hat sich auch der tschechische Premierminister für die Verbrechen an den dortigen Deutschen entschuldigt.

 

Łukasz Biły