Diese Wanderroute ist eine der gefährlichsten in den Sudeten, im Winter ist sie wegen Lawinengefahr sogar geschlossen.
Foto: Łukasz Malkusz

Das Schlesierhaus wird von tausenden Touristen täglich besucht. Im Hintergrund der Gipfel der Schneekoppe.
Foto: Łukasz Malkusz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In den vergangenen Monaten haben wir zusammen viele interessante Berggipfel besucht. Meistens waren die Wanderungen nicht schwer und dauerten unter einer Stunde, manchmal ging es aber etwas weiter nach oben, zum Beispiel auf den Altvater. Bevor nun unsere touristische Artikelserie in den Winterurlaub geht, wollen wir noch einen ganz besonderen Abstecher wagen. Es geht auf die Schneekoppe (Śnieżka), den höchsten Berg des Riesengebirges (Karkonosze) und ganz Schlesiens.

 

 

Der Ausgangspunkt unserer Wanderung ist Krummhübel (Karpacz). An Parkplätzen mangelt es hier nicht, wer aber spät kommt, kann besonders an Wochenenden und Feiertagen doch Probleme haben, einen Platz zu finden. Aus der Gegend der Skisprungschanze Orlinek starten die meisten Ausflüge auf den Gipfel. Die Mehrheit der Touristen benutzt den Sessellift, um ans Ziel zu kommen. Und ehrlich gesagt, wer hat das nicht schon mal selber gemacht? Auch ich bin bei meinem ersten Besuch auf der Schneekoppe vor über 15 Jahren, mit Hilfe des Sesselliftes 530 Meter nach oben gekommen.

 

Eine Strecke für Ehrgeizige

Das machen wir aber diesmal nicht. Im Gegenteil – wir folgen der wohl anspruchsvollsten Strecke auf den Gipfel, der roten Wanderroute. Die scheint erst einmal ziemlich harmlos. Abhängig vom Startpunkt und unserer Kondition, fängt sie mit einem ein- bis eineinhalbstündigen Aufstieg zur Melzengrundbaude an (Schronisko PTTK nad Łomniczką). Auf diese Weise kommen wir zu einer der interessantesten Berghütten in den Sudeten und dabei zu einer der wenigen, die ganz ohne Strom auskommt. Von hier aus wird die Strecke viel schwieriger. Ein steinerner Weg führt uns durch das Tal der Kleinen Lomnitz (Łomniczka). Es geht nicht nur steil nach Oben, gelegentlich haben wir auch links und rechts Hänge, die steil nach Unten führen.

Auf dem Weg gehen wir auch am symbolischen Friedhof der Opfer der Berge vorbei. Dieser Standort wurde nicht durch Zufall ausgewählt, denn diese Wanderroute ist eine der gefährlichsten in den Sudeten, im Winter ist sie wegen Lawinengefahr sogar geschlossen. Mit etwas Vernunft und Geduld ist sie aber in den Sommermonaten problemlos zu bezwingen. Keine spezielle Ausrüstung ist hier nötig, mit den Händen muss man sich auch nicht zu oft helfen.

 

Eine einmalige Aussicht

Nach mindestens einer Stunde klettern ist man dann am Schlesierhaus (Schronisko Dom Śląski) angekommen. Das Gebäude ist fast das absolute Gegenteil der Melzengrundbaude. 1922 fertiggestellt, ist es massiv, ähnelt einem Berghotel und wird sogar von tausenden Touristen täglich besucht – denn hierhin führt auch der Weg von der Oberstation des Sesselliftes auf die Schneekoppe. Der Gipfel scheint schon zum Greifen nahe, aber es ist noch eine halbe Stunde bis ganz nach Oben. Beim Schlesierhaus kann man sich kurz ausruhen, denn der Weg wird wieder steil.

Nach 2,5 bis vier Stunden Wanderung ist man dann endlich auf 1602 Meter angekommen. Auf dem Gipfel befinden sich eine Wetterstation, eine Kapelle und eine tschechische Poststation. Die Gebäude rücken aber eindeutig in den Hintergrund, denn es sind die Ausblicke von hier, die lange in Erinnerung bleiben. Normalerweise zählen wir auf, was vom jeweiligen Gipfel zu sehen ist, was die Schneekoppe angeht, macht dies aber nicht viel Sinn. Man sieht nämlich bei gutem Wetter dutzende Bergketten, hunderte Orte und tausende Gipfel. Man muss einfach selber herkommen und das Panorama bewundern, denn von wo sieht man gleichzeitig Breslau, das Kraftwerk Oppeln, das Tatragebirge, das Erzgebirge und Prag?

Łukasz Malkusz