Hartmut Koschyk mit Vertretern der Selbstverwaltung aus Sopron. Foto: Büro Hartmut Koschyk

Nicht nur in Oberschlesien ist der Januar ein Monat des Gedenkens. Seit 2012 wird in Ungarn der 19. dieses Monats als offizieller und staatlicher Gedenktag, der den vertriebenen Ungarndeutschen gewidmet ist, begangen. Die zentrale Feierlichkeit fand dieses Mal in Sopron (Ödenburg) statt.

 

Den Gedenktag hatte das ungarische Parlament vor fünf Jahren einstimmig beschlossen. Mit der Entscheidung bekannte sich der Staat zu seiner Schuld und verurteilte zugleich die Vertreibungen und Verschleppungen der deutschen Bevölkerung als Unrecht der kommunistischen Zeit. Zum guten Brauch wurde dann eine offizielle Feierlichkeit, an der in den vergangen Jahren sogar Staatschef Viktor Orbán teilnahm.

 

Trotz der Abwesenheit wichtiger Persönlichkeiten war der Tag in diesem Jahr nicht weniger würdig. Gedacht wurde er in der Stadt Sopron, wo sich besonders Vertreter der Selbstverwaltung bei der Veranstaltung engagiert haben. Vor Ort waren beispielsweise der Bürgermeister von Sopron Tamás Fodor sowie Frank Spengler, der Vorsitzende der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen. Auch der Bundesbeauftragte Hartmut Koschyk war bei dem Gedenken dabei. „Nur wenn wir aus der Geschichte lernen, können wir eine Wiederholung derartiger Gräueltaten verhindern“, sagte Koschyk bei der Kranzniederlegung am Denkmal, das den Vertriebenen in Sopron gewidmet wurde.

 

Die Wahl des Ortes, in der man dieses Mal den offiziellen Teil des Gedenktages abhielt, war kein Zufall. Aus Sopron wurden 1946 Hunderte Deutsche vertrieben und in die Sowjetunion zur Zwangsarbeit verschleppt, weil sie sich mit besonderer Entschlossenheit zur deutschen Nationalität und Sprache bekannt haben, war doch  der Anteil der deutschen Bevölkerung bis 1945/46 hier besonders hoch und lag bei rund 50 Prozent. Obwohl die Vertreibungen Hunderttausende Deutsche betraf, hatten es einige Deutsche – ähnlich wie in Polen – doch geschafft zu blieben. Die Offenheit, mit der die Ungarn heute mit diesem Thema umgehen, sei nach Meinung von Hartmut Koschyk auch der heutigen deutschen Minderheit zu verdanken: „Gerade die unmittelbar vom Unrecht der Verschleppung und der Vertreibung Betroffenen, haben sich nicht von Hass und Rache leiten lassen. In Ungarn selbst fügten sie sich in die Gesellschaft ein und wirkten beim beschwerlichen Aufbau des Landes nach dem Zweiten Weltkrieg mit“, so Koschyk. Neben der Kranzniederlegung wurde auch ein Gottesdienst in der Soproner evangelischen Kirche gehalten.

 

Parallel zu der Veranstaltung fand in Sopron auch ein Gedenksymposium zum Thema „Die Deutschen in Westungarn“ statt. Veranstalter waren die Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen sowie die Konrad Adenauer Stiftung.

 

Łukasz Biły