Wie ist meine Identität und was hat Einfluss auf sie? Auf solche Fragen suchten Schülerinnen und Schüler aus fünf Schulen in der Oppelner Region, die zur deutschen Minderheit gehören, eine Antwort und zwar im Rahmen eines Filmprojektes, das von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen initiiert wurde. Im Mittelpunkt der 40minütigen Dokumentation steht der Schriftsteller und Wissenschaftler Dr. Matthias Kneip.

 

 

Matthias Kneip hat den Film schon vorab gesehen und doch ist es für ihn immer wieder ein neues Erlebnis. Foto: R.Urban

 

 

Die Eltern von Matthias Kneipp stammen aus der Oppelner Region, er selbst wurde in Bayern geboren. Und doch fühlt er sich mit der Heimat seiner Eltern sehr verbunden und besucht, nachdem er Mitte der 90er-Jahre an der Oppelner Universität Gastdozent gewesen ist, regelmäßig die Stadt.

 

 

Zwischen Regensburg und Oppeln

“Mein Vater sagte immer, Heimat hat man nicht, Heimat baut man sich. Das war ein Satz, mit dem ich mich immer auseinandergesetzt habe, ob ich selber verantwortlich für meine Identität bin, oder ist es etwas, was man automatisch z.B. durch Geburt bekommt. Und ich kann keine eindeutige Antwort geben, denn natürlich ist mir Regensburg nahe, weil ich da geboren und aufgewachsen bin, aber wenn ich in Oppeln bin, merke ich: Hoppla, so einfach ist das mit der Identität nicht, denn auch hier fühle ich mich zumindest teilweise zuhause.”

 

So ist der Mitarbeiter des Deutschen Poleninstituts ein gutes Beispiel für die 16 Teilnehmer des Filmprojekts für eine komplexe Identität. Vor allem eines seiner ersten Bücher “Grundsteine im Gepäck” wurde die Vorlage für die Arbeit der Schülerinnen und Schüler. Darin zeigt Matthias Kneip, welche deutschen und polnischen “Grundsteine” er auf seinen Lebensweg mitbekommen hat. “Die Idee war, dass die Schüler die Fragen aus der Literatur heraus vorbereiten. Matthias Kneip war sofort begeistert und wir bekamen auch die Möglichkeit seine Eltern zu interviewen, sodass die Projektteilnehmer auch mehrere Generationen der Familie Kneip kennenlernen konnten, bis hin zu seinen Kindern”, sagt eine der Projektbetreuerinnen Nina Diehl von der ZfA.

 

 

 

Ziel erreicht

Auch die Schülerinnen und Schüler konnten für sich so einiges aus dem Projekt mitnehmen. Małgorzata Mulorz aus Krappitz und Alicja Zyper aus Groß Strehlitz z.B. fanden es vor allem spannend den Buchautor persönlich zu treffen. “Wir konnten ihn in Regensburg besuchen, mit ihm zusammensitzen und viele Fragen stellen. Es war ein cooles Projekt”, sagt Małgorzata Mulorz. Paulina Watroba aus Groß Strehlitz dagegen freute sich vor allem über den Austausch in der Gruppe selbst: “Nach den Aufnahmen, nach dem ganzen Tag Arbeit war es schön als Gruppe, als Projektfamilie zusammenzusitzen, miteinander zu reden und gemeinsam stolz zu sein darauf, was wir erreicht haben.”
Das Erreichte zeigten die jungen Filmemacher vor einer Woche in der Caritas-Bibliothek in Oppeln und zur Premiere des 40minütigen Dokuments über die Kneips – denn neben Matthias lernten die Schüler auch seine Eltern und Kinder kennen – kam Matthias Kneip auch selbst. “Es ist ein Zeitdokument und ich freue mich, wenn ich in 30 Jahren noch einmal sehen kann, wie die Eltern oder ich zu diesem Zeitpunkt den Film gemacht haben. Also ich sehe das mehr über eine längere Zeit hinaus und finde es toll, ein Dokument über die eigene Familiengeschichte zu haben”, sagt Matthias Kneip. Nun wird der Film an all den Schulen gezeigt, aus denen die Teilnehmer des Projektes stammten, also in Groß Strehlitz, Krappitz, Oppeln, Rosenberg und Groß Döbern. Außerdem soll er auch auf der Internetseite des Auswärtigen Amtes, das neben der Sanddorf-Stiftung aus Regensburg die Finanzierung übernommen hatte, verlinkt werden.

 

Rudolf Urban