Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Saturday, May 28, 2022

Ich bin ein Mensch des Dialogs

Mit Zuzanna Donath-Kasiura, der heute gewählten Vizemarschallin der Woiwodschaft Oppeln im Auftrag der deutschen Minderheit, sprach Rudolf Urban über ihre neue Aufgabe.

 

Sie lösen nun Roman Kolek u. a. in Fragen der Gesundheitsvorsorge ab. Dies ist kein einfacher Bereich in einer schwierigen Zeit. Mit welchen Gefühlen betreten Sie diese neue berufliche Etappe?

 

Ich übernehme die Aufsicht über die Abteilungen Gesundheit und Sozialpolitik, Bildung und Arbeitsmarkt, über Fragen der Prävention und Lösung von Suchtproblemen sowie Multikulturalität, aber auch die Aufsicht über zahlreiche Selbstverwaltungseinheiten, die mit diesen Bereichen zusammenhängen.

Diese Bereiche sind einzigartig, weil sie von den Menschen, die in ihnen tätig sind, nicht nur fachliche Kompetenz, sondern auch persönliches Engagement verlangen. Ähnlich wie die Arbeit als Ratsmitglied erfordert die Arbeit im Bildungs- und Gesundheitswesen Offenheit und Sensibilität für die Bedürfnisse anderer Menschen, aber auch das Bewusstsein, dass wir an einem bestimmten Ort und in einer bestimmten Zeit leben, dass uns bestimmte Werkzeuge zur Verfügung stehen und unsere Fähigkeiten nicht immer unseren Erwartungen entsprechen. Sowohl das Bildungs-, als auch das Gesundheitswesen werden hauptsächlich aus dem Staatshaushalt finanziert, d. h. aus den Subventionen für das Bildungswesen und dem Nationalen Gesundheitsfonds. Die staatlichen Mittel reichen zwar leider nicht aus, aber dank der effizienten Verwaltung, der Nutzung von EU-Geldern und der Erschließung zusätzlicher Finanzierungsquellen sind die Woiwodschaftseinheiten in guter Verfassung, was zweifellos das Verdienst ihrer Leiter und des Vorstands der Woiwodschaft Oppeln ist.

Die Zeit, in der wir uns befinden, ist schwierig, und das nicht nur für unsere Region. Die Corona-Pandemie hat sich auf der ganzen Welt ausgebreitet und wir alle lernen, wie wir in der neuen Situation funktionieren können. Wir sehen nicht nur, wie wichtig es ist, schnell und effizient informiert zu werden, d. h. zu wissen, wo man Hilfe bekommt, eine Diagnose zu stellen und eine auf den Zustand des Patienten zugeschnittene Hilfe zu leisten, sondern wir werden uns auch zunehmend der Bedeutung der Prävention bewusst.

Im Bereich der Bildung und des Arbeitsmarktes ist mir bewusst, wie wichtig es ist, diese beiden Bereiche miteinander zu verknüpfen und die Einzigartigkeit unserer Region und die besonderen Kompetenzen der hier lebenden Menschen zu nutzen. Ich denke dabei insbesondere an die Offenheit gegenüber anderen Kulturen, an die Bedeutung und Rolle der deutschen Kultur und Sprache, an das sehr hohe Niveau der landwirtschaftlichen Kultur, aber auch an die unverzichtbare Ausbildung von Ärzten und medizinischem Personal.

 

Zuzanna Donath-Kasiura
Foto: SKGD

 

Sie werden jetzt die erste Frau in diesem Vorstand der Woiwodschaft sein. Lassen Sie mich das bildlich fragen: Betreten Sie die Höhle der Löwen oder müssen Ihre Kollegen mit der Ankunft einer Löwin rechnen?

 

Ich bin mir bewusst, dass ich mich in ein männerdominiertes Umfeld begebe, aber ich bin ein Mensch des Dialogs und des konkreten Handelns und, was wichtig ist, ich bevorzuge ein Management, das auf dem Aufbau von Gemeinschaft und nicht auf Wettbewerb basiert. Ich bin überzeugt, dass ich meine Kollegen im Woiwodschaftsvorstand für meine – unsere – Argumente überzeugen kann.

 

Und wie wird sich Ihr Privatleben jetzt verändern?

 

Das Wichtigste für mich ist, dass ich die volle Unterstützung sowohl meines Mannes als auch meiner Kinder habe, von denen zwei bereits studieren. Wir beide engagieren uns seit Jahren im gesellschaftlichen und politischen Leben – mein Mann Andrzej war von 2002 bis 2010 Mitglied des Vorstands der Woiwodschaft und derzeit ist er Bürgermeister von Krappitz. Ich wiederum engagiere mich seit Jahren ehrenamtlich und beruflich für die deutsche Minderheit. Ich kann mir mein Leben nicht vorstellen ohne die soziale Arbeit und das Engagement, die Welt um uns herum zum Besseren zu verändern.

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