Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, May 24, 2022

„Ich wollte die Bewohner nicht enttäuschen“

Nach fünf Jahren konnte Krystyna Pietrek aufatmen. Patryk Jaki wurde durch ein Gerichtsurteil gezwungen, sich für die Verbreitung von Lügen zu entschuldigen, wonach die deutsche Minderheit bei den Konsultationen über die Erweiterung Oppelns gegen die Grundsätze der Selbstverwaltung und der Demokratie verstoßen habe. „Ich finde es ermutigend, dass das Gericht an unsere Wahrheit geglaubt hat. Jetzt will ich einfach nur meine Ruhe haben“, sagt Krystyna Pietrek.

 

Im August 2020 erfuhr Frau Krystyna, dass sie den Prozess gewonnen hatte. Doch Patryk Jaki legte Berufung ein. „Vor drei Wochen erhielt ich einen Anruf von meinem Anwalt, der mir mitteilte, dass der Fall gewonnen wurde. Das Appellationsgericht wies die Berufung zurück. Ich bin erleichtert und zufrieden, dass wir bewiesen haben, dass er damals gelogen hat“, sagt Krystyna Pietrek. Sie bereue nicht, dass sie sich auf die Sache eingelassen hat, auch wenn es für sie sehr nervenaufreibend gewesen sei. „Ich habe es für die Menschen getan, die mir vertraut haben, indem sie mich zur Dorfvorsteherin gewählt haben“, betonte Frau Pietrek.

 

Jahrzehntelange gesellschaftliche Aktivität

Krystyna Pietrek engagierte sich im sozialen Bereich, als ihre Kinder zur Schule gingen. „Damals wurde ich im Elternbeirat tätig. Und so bin ich dann 25 Jahre in der Schule dabei gewesen, denn meine Kinder wurden in unterschiedlichen Abständen eingeschult und wieder ausgeschult“, erinnert sich Frau Pietrek. Ihr Mann war derweil im Dorfrat aktiv. Als er nach Deutschland ging, um dort zu arbeiten, vereinbarten die Eheleute, dass die Ehefrau die Tätigkeit ihres Mannes übernehmen würde. „Und so wurde ich mitten in seiner Amtszeit Mitglied des Dorfrats. Mit dem einen Dorfvorsteher habe ich elf Jahre lang zusammengearbeitet, mit dem anderen acht Jahre lang. Und ich war eineinhalb Amtszeiten lang Dorfvorsteherin. Alles in allem war ich 25 Jahre lang gemeinschaftlich aktiv“, resümiert Frau Pietrek. Ihre Amtszeit als Dorfvorsteherin endete mit der Eingemeindung Czarnowanz’ nach Oppeln. Auch mit der Minderheit war Frau Pietrek von Anfang an verbunden. Bereits während ihrer ersten Amtszeit war sie im DFK-Vorstand. Aktuell ist sie stellvertretende Vorsitzende des DFKs. In den Jahren 2006 bis 2011 war sie auch Schatzmeisterin des Sportklubs LZS Swornica Czarnowanz. Es war nicht immer einfach. Zuerst half ihre Mutter, dann ihre erwachsenen Kinder. Manchmal hat dabei auch ihre Gesundheit gestreikt. „Als mir mein Rücken zu schaffen machte, war ich wie gerädert und konnte die Arbeit nur von einem Stuhl aus dirigieren. Ich kam mir albern vor, aber wenn man Dorfvorsteherin ist, gibt es nun mal immer etwas zu tun“, sagt Krystyna Pietrek.

 

Krystyna Pietrek
Foto: Anna Durecka

 

„Die Menschen haben mir vertraut“

Ihre Zeit als Dorfvorsteherin endete zwar, als Czarnowanz nach Oppeln eingemeindet wurde, doch Frau Pietrek hat ihren Ort nicht im Stich gelassen. „In den ersten beiden Jahren war ich auch Mitglied im Stadtteilrat. Ich wollte alles weitergeben und zeigen, was das Dorf alles vom Amt braucht. Zum Beispiel so etwas Einfaches wie das Mähen des Hauptgrabens, der durch Czarnowanz verläuft. Dieser muss zweimal im Jahr gemäht werden, damit sich das Wasser dort nicht staut und uns überflutet. Die Stadt hat ja keine Ahnung, was das Dorf braucht. Als ich Dorfvorsteherin war, bin ich immer wieder mit dem Fahrrad durch das Dorf gefahren. Ich wusste, wo es ein Loch in der Straße gab und wo eine Lampe nicht brannte. Ich kannte mein Dorf und die Bedürfnisse der Bewohner“, sagt Krystyna Pietrek. Daher war die Nachricht über die Pläne zur Eingliederung Czarnowanz’ in Oppeln für sie zunächst ein Schock. Und deshalb gab es auch sofort Widerstand. „Ich möchte jedoch betonen, dass dieser nicht von mir kam. Menschen riefen mich an, sie erwarteten, dass ich etwas tue. Denn sie waren es ja, die mich zur Dorfvorsteherin gewählt haben, und ich wollte ihre Hoffnungen nicht enttäuschen. Die Menschen haben mir vertraut“, erklärt Krystyna Pietrek. Es gab Treffen mit Einwohnern, dann Proteste, zwei Reisen mit Transparenten nach Warschau. Und natürlich Konsultationen. Dieselben, an denen Patryk Jaki später herummäkelte. „Herr Jaki sagte, dass die Volontäre nur Häuser der Minderheit besuchten und dass die Minderheit die Ergebnisse der Konsultationen gefälscht habe, die eindeutig zeigten, dass die Menschen nicht nach Oppeln wollten. Als ich von diesen Vorwürfen hörte, wollten wir zunächst eine Sammelklage einreichen, aber ein Anwalt warnte, dass dies möglicherweise nicht effektiv sein würde. In Absprache mit meinem Mann beschloss ich also, es unter meinem eigenen Namen zu tun. Ich fühlte mich damals furchtbar gehetzt und wollte dagegen ankämpfen, gegen den Hass, der sich gegen die Minderheit richtete. Ich fühlte mich damals furchtbar gehetzt. Man hat uns, der den Mitgliedern der Minderheit, die Flügel genommen. Ich fühlte mich, als wolle mir jemand etwas wegnehmen, unsere kleine Heimat. Ich wollte dagegen ankämpfen, gegen den Hass, der sich gegen die Minderheit richtete“, sagt Frau Pietrek. Und sie hat gewonnen. Jaki musste sich entschuldigen.

Was Frau Pietrek früher mit dem Dorfrat gemacht hat, macht sie nun mit dem DFK. „Das genügt mir jetzt völlig. Gemeinsam mit der SKGD kann ich noch viel für die Menschen und mein Dorf tun, auch wenn es jetzt Teil der Stadt ist“, sagt Krystyna Pietrek.

Anna Durecka

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