Die Ruinen der deutschen Schlösser in Niederschlesien sind ein trauriger Beweis dafür, dass Polen auch heute noch mit dem deutschen Kulturerbe nicht wirklich umgehen kann. Doch es gibt auch positive Beispiele, wie die Veranstaltung „Daisy Days“ in Pless, die an die Fürstin Daisy von Pless erinnert und nun auch das Wandgemälde zu Ehren der deutschen Schriftstellerin Christa Wolf in Landsberg an der Warthe.

Das Wandgemälde mit den Kräutern aus Christa Wolfs Buch wurde von der jungen Landsberger Malerin Magdalena Bramborg gemalt.Foto: www.echogorzowa.pl

 

„Schafgarbe, Wiesenschaumkraut, Johanniskraut, blaue Wegwarte, Huflattich, Beifuß, Wegerich und Hirtentäschelkraut. Wie es eben überall vorkommt, behauptete H. (…) Da sei auch nicht die Spur von etwas Besonderem. Du sahst aber, und jeder musste es doch sehen, dass auf diese Weise, in dieser botanischen Zusammensetzung, nur ein Straßengraben jenseits – oder vielmehr diesseits – also jedenfalls östlich der Oder gewachsen sein kann.“, schrieb Christa Wolf 1976 in ihrem Buch „Kindheitsmuster“, in dem sie ihre Kindheit in Landsberg an der Warthe beschreibt. Die von der Schriftstellerin erwähnten Kräuter wurden nun überdimensional groß auf die Giebelwand eines Mietshauses an der Allee des 11. November (früher Küstriner-Straße) in Landsberg gemalt. In der Nähe befand sich das Geburtshaus von Christa Wolf. Das Wandgemälde beinhaltet auch das angeführte Zitat auf Deutsch und Polnisch und eine kurze Biographie der Schriftstellerin mit einem Bild.

 

„Ich hing an dieser Umgebung“

Christa Wolf wurde 1929 in Landsberg an der Warthe als Tochter der Kaufleute Otto und Herta Ihlenfeld geboren. Noch kurz bis Kriegsende besuchte sie hier die Schule. Nach der Flucht vor der Roten Armee fand die Familie 1945 Zuflucht in Mecklenburg. Dort beendete Christa Wolf die Oberschule und machte ihr Abitur. Später studierte sie Germanistik in Jena und Leipzig. Ihr erste Veröffentlichung 1961 hieß „Moskauer Novelle“. Sie sprach und schrieb oft über ihre Heimat Landsberg. Das war nämlich ihre erste und einzige richtige Heimat. Danach ist sie nochmal neun Mal umgezogen. „Ich war in einer mittelgroßen, eigentlich eher kleinen Stadt jenseits der Oder aufgewachsen. Ich hing an dieser Umgebung, an dem Blick aus dem Fenster über die ganze Stadt und den Fluss, an den Seen, an den Kiefernwäldern, an dieser im ganzen vielleicht etwas kargen Landschaft. Ich konnte mir keinen anderen Hintergrund vorstellen”, schrieb sie 1965 in ihrem Buch „Hintergrund“. 2002 wurde Christa Wolf für ihr Lebenswerk mit dem erstmals verliehenen Deutschen Bücherpreis geehrt. Auch in ihrer Geburtstag Landsberg hat man die Schriftstellerin nicht vergessen. Schon 2015 wurde in der Stadt eine Nelly-Bank eingeweiht. Nelly war die Figur aus Christa Wolfs „Kindheitsmustern“.

 

Weitere Gedenken

Das Wandgemälde mit den Kräutern aus Christa Wolfs Buch, das letzte Woche in Landsberg feierlich enthüllt wurde, wurde von der jungen Landsberger Malerin Magdalena Bramborg gemalt. „Die Pflanzen wuchsen hier auf diesem Rasen neben dem Haus noch vor einem Monat, bevor der Rasen gemäht wurde“, sagte sie. Insofern schaffen sie eine metaphorische Brücke zwischen der Welt aus Christa Wolfs Kindheit und der heutigen, in der es sie immer noch in der Stadt gibt. Der Verein der Liebhaber der Stadt Landsberg an der Warthe, der hinter der Idee für das Wandgemälde steht, kündigt schon weitere Pläne, die mit der berühmten Schriftstellerin verbunden sind. Im September soll eine weitere Bank neben der Bushaltestelle an der ul. Chrobrego gegenüber dem Dom aufgestellt werden. Als erster wird sich der Ehemann der 2012 verstorbenen Autorin, Gerhart, auf die Bank setzen, der vom Verein bereits nach Landsberg eingeladen wurde. Später wird auf der Bank die Figur eines Mädchens installiert, die Christa Wolf als junges Mädchen darstellen soll.

 

Anna Durecka