Die Kreis Freiwaldau (Jesenik) in Tschechien ist unter den Bewohnern der Woiwodschaft Oppeln als populäre Wintersportregion bekannt. Ein Ausflug in diese Region ist aber auch denjenigen zu empfehlen, die das Wandern lieben und dabei Spuren der deutschen Geschichte entdecken möchten.

Der Ausblick von den Riesenfelsen ist atemberaubend, man bekommt einen großen Teil der Ostsudeten zu sehen
Foto: Łukasz Malkusz

 

 

Unsere Wanderung beginnen wir in Ramsau (Ramzová), das direkt an der Landesststraße liegt, die Freiwaldau und Hannsdorf (Hanusovice) verbindet. Aus denselben Orten kann man hierhin auch mit der Bahn kommen. Die Bahnstrecke nach Ramsau wurde im Jahre 1888 von der Österreichischen Lokal-Eisenbahn Gesellschaft erbaut, und der Bahnhof ist heute der am höchsten gelegene in der Tschechischen Republik. Wegen der zahlreichen Gebäude kann man das Dorf nicht verpassen, das meiste ist jedoch rein touristische Infrastruktur – nur weniger Häuser sind bewohnt und die Einwohnerzahl von Ramsau beträgt kein Dutzend. Parkplätze sind hier gar kein Problem, denn diese finden wir unter anderem an der Landesstraße, am Skilift, sowie an den zahlreichen Hotels und Pensionen.

 

 

Ein gemütlicher Beginn

Wir befinden uns auf dem Ramsauer Pass, auf 762 Metern Höhe – es wird jedoch noch viel weiter nach oben gehen. Der Pass bildet seit dem Mittelalter die historische Grenze zwischen Schlesien und Mähren. Direkt am Hauptparkplatz beginnt der grüne Wanderweg, der uns zunächst am Skilift und einigen Hotels vorbeiführt, und nach links in den Wald abbiegt. Die ersten dreiviertel Stunden sind keine anstrengende Wanderung. Wir benutzen einen bequemen Waldweg, der uns an einem Rastplatz in ein Bergbachtal führt. An Höhe gewinnen wir in dieser Zeit kaum, das ist aber auf dem nächsten Teilstück der Fall. Uns erwartet ein Anstieg über 350 Meter, der eineinhalb Stunden in Anspruch nehmen kann. Es ist keine leichte Strecke und man sollte schon eine gewisse Grundausdauer auf diesen Ausflug mitbringen. In der Zwischenzeit kann man sich jedoch eine kurze Verschnaufpause leisten, denn etwa 15 Minuten lang ist man auf einer Asphaltstraße unterwegs.

 

 

Die Riesenfelsen erstrecken sich über einige hundert Meter und sind bis zu 16 Meter hoch Foto: Łukasz Malkusz

 

Über dem Land der Breslauer Bischöfe

 

Diese Anstrengung lohnt sich jedoch auf jeden Fall. Nach etwas über zwei Stunden kommen wir an den Riesenfelsen an. Es ist eine große und interessante Felsformation, die Brocken erstrecken sich über einige hundert Meter und sind bis zu 16 Meter hoch. Bei schönem Wetter werden sie aber von der Aussicht in den Hintergrund gedrängt, denn wir sehen weite Teile des Reichenberger Gebirges, des Patschkauer Berglandes, des Oppagebirges und des Altvatergebirges. Zu sehen sind Gipfel, die wir während unserer Ausflüge schon besucht haben, wie die Bischoffskoppe, die Goldkoppe und den Gottesberg. Gut sichtbar sind auch mehrere Städte, darunter Freiwaldau und Friedeberg (Zulova), sowie die Stauseen bei Ottmachau (Otmuchów) und Neisse (Nysa). Eigentlich ist von hier aus das ganze Gebiet des Neisser Fürstentums zu sehen, das über 500 Jahre lang von den Breslauer Bischöfen regiert wurde. Auch erfahrenen Touristen raten wir, bei den Riesenfelsen eine längere Pause einzuplanen. Direkt an den Felsen, auf circa 1088 Metern Höhe, befindet sich ein geeigneter Platz dafür. Uns erwartet nämlich das bei weitem schwierigste und steilste Teilstück der ganzen Wanderung. Dieses werden wir aber erst in der kommenden Woche besteigen.

 

 

Łukasz Malkusz