Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Saturday, September 18, 2021

In den Neustädter Wald

Der erste Teil unseres Spaziergangs führte uns vom Neustädter Stadtpark auf den Kapellenberg. Nun machen wir uns auf den weiteren Weg, um die Natur und Geschichte des Neustädter Waldes zu erkunden.

Von der Spitze des Kapellenberges führt uns der blaue Wanderweg ganz sanft herunter. Nach etwa fünf Minuten erreichen wir eine kleine Lichtung, die sich in einem flachen Bergpass befindet. Von hieraus beginnen wir den schwierigsten Anstieg des Tages. In den kommenden 20 Minuten geht es genau 88 Meter nach oben. Es ist also wieder eine Kletterei, die man ohne große Ausdauer bewältigen kann. Auch erfahrene Wanderer werden hier auf keinen Fall Langweile haben.

Das Innere des Grauwacketagebaus Eichhäusel ist auf jeden Fall einen Blick wert.
Foto: Łukasz Malkusz

 

Berg der Ritter und Soldaten

Auf den Hängen des Schanzenberges befinden sich Überreste von gleich drei Militärbauten, an zwei davon führt uns der blaue Wanderweg vorbei. Die ersten, etwa auf halbem Weg zur Spitze gelegen, sind wahrscheinlich Walle eines Militärlagers aus dem Dreißigjährigen Krieg oder der Preußisch-Österreichischen Kriege. Auf dem Gipfel selbst sind Reste eines Grabens und Walle einer mittelalterlichen Burg zu sehen. Bei Ausgrabungen im Jahre 1905 wurden hier auch verkohlte Baumstämme, verbrannte Knochen, Lehmgefäße und Spuren eines steinernen Gebäudes gefunden.
Der Schanzenberg wurde als einer der ersten in der Region zum Touristenziel. 1883 wurde hier durch den Mährisch-Schlesischen Sudetengebirgsverein ein hölzerner Aussichtsturm erbaut. Es war der erste Turm, der durch die Organisation in den Sudeten errichtet wurde. Auf den Hängen des Hügels befand sich auch das populäre Gasthaus und Hotel „Schwedische Schanze“, das in manchen Quellen als Sanatorium bezeichnet wird. Nach dem Ersten Weltkrieg befanden sich in seinem Gebäude ein Exerzitienhaus und eine evangelische Schule, und nach dem Zweiten Weltkrieg – ein Munitionslager. Heute sind nur noch Spuren des alten Gasthauses zu finden – gekachelte Keller und ein Brunnen.

 

Ein Berg ohne Gipfel
Vom Schanzenberg führt uns der blaue Wanderweg kurz und steil abwärts. Es ist somit das letzte etwas schwerere Teilstück unseres Ausflugs – weiter wird es kaum noch Möglichkeiten geben, um sich anzustrengen. Nach wenigen Minuten sind wir an der Waldstraße zwischen Neustadt und Eichhäusel (Dębowiec) angelangt. Wir biegen nach links ab und gewinnen etwas an Höhe.

In einer Viertelstunde sind wir somit am Gipfel eines Hügels, der eigentlich… nicht mehr existiert. Dieser wird Hasenbüschel genannt und wurde im größten Teil durch den Grauwacketagebau Eichhäusel aufgegraben. Die mehrere dutzend Meter tiefe Grube befindet sich hinter einen Erdwall, gleich neben dem Wanderweg. Sie ist auf jeden Fall einen Blick wert, man sollte aber äußerst vorsichtig sein und alle Warnschilder beachten. Ein Fall könnte hier tragisch enden, außerdem werden hier fast täglich Felsen gesprengt und es besteht die Gefahr, von Splittern getroffen zu werden. An der Route befinden sich Schilder, die konkrete Warnsignale vor den Sprengungen beschreiben. Hält man sich an die Anweisungen, ist man auf jeden Fall sicher.

Um zurück nach Neustadt zu kommen, muss man sich eigentlich nur umdrehen. Eine Waldstraße führt uns ganz gemütlich innerhalb von 45 Minuten zum Stadtpark. Dabei kann man sich schon ausruhen, denn jetzt geht es die ganze Zeit, bis zum Ziel, bergab.

Łukasz Malkusz

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