Christine Schlagbauer (li.) und Patrycja Długosz-Jakubowska (re.) beim Treffen mit der deutschen Konsulin in Oppeln Sabine Haake.
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Während ihres Praktikums im Oppelner Rathaus sprach Christine Schlagbauer auch mit dem Stadtpräsidenten Arkadiusz Wisniewski.
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Seit 2005 gibt es einen offiziellen Partnerschaftsvertrag zwischen Oppeln und Ingolstadt (Bayern). In mehreren Bereichen arbeiten beide Städte zusammen u.a. auch beim Austausch von Erfahrungen aus dem Verwaltungsbereich. Christine Schlagbauer aus der Ingolstädter Stadtverwaltung lernte in den letzten vier Wochen wie das Oppelner Rathaus funktioniert.

Das Ganze nennt sich Traineeprogramm und soll Nachwuchskräften der Ingolstädter Verwaltung die Möglichkeit geben, sich weiterzubilden und neue Erfahrungen zu sammeln. In diesem Rahmen können dann auch die Teilnehmer eine der Partnerstädte von Ingolstadt besuchen und in den dortigen Rathäusern ein Praktikum absolvieren. Christine Schlagbauer hat es eher zufällig für vier Wochen nach Oppeln verschlagen.

Standesamt

Als Standesbeamtin war für sie dieser Bereich der Oppelner Stadtverwaltung besonders interessant und sie hat neben positiven Eindrücken vor allem eines mitgenommen: „In Polen gibt es ein elektronisches Personenstandswesen, d.h. alles wird über die PESEL-Nummer zentral erfasst, was ich sehr gut finde. Man kann dadurch sehr schnell auf alle Urkunden zugreifen, die Sachen abarbeiten oder Fälle beurkunden. Wir haben zwar auch ein ähnliches elektronisches System, das aber nur in Bayern funktioniert und erst ausgebaut wird. Deutschland generell hinkt da ein bisschen hinterher“, sagt Christine Schlagbauer.

Doch sie hat nicht nur das elektronische Urkundensystem kennengelernt, sondern konnte auch als Standesbeamtin einer Eheschließung in Polen zuschauen. „Es ist zwar nicht viel anders als in Deutschland, aber es ist immer wieder interessant für mich, wie es in anderen Ländern funktioniert“, meint Christine Schlagbauer.

Bürgerservice und andere

Neben dem Standesamt absolvierte Christine Schlagbauer auch ein Praktikum im Bürgerservice und war in der Abteilung für Investorenberatung tätig. „Hier hat sie uns vor allem bei den Vorbereitungen für unseren 6. Nationalen Lebensmittelkongress geholfen. Und wir hoffen, dass auch durch Christines Arbeit bei uns vielleicht einige Lebensmittelproduzenten aus Ingolstadt oder generell aus Bayern an diesem Kongress teilnehmen werden“, sagt Patrycja Długosz-Jakubowska von der Abteilung für Investorenberatung im Oppelner Rathaus.

Außerdem besuchte sie den Oppelner Stadtpräsidenten Arkadiusz Wisniewski und traf sich mit der deutschen Konsulin in Oppeln Sabine Haake.

Was nun?

Das vierwöchige Praktikum nutzte Christine Schlagbauer aber nicht nur für die Arbeit. „Ich habe an den Abenden die Stadt erkundet und an den Wochenenden habe ich auch andere Städte wir Breslau und Krakau besucht“, sagt Christine Schlagbauer.

Polnisch spricht sie nicht und kennt „nur die Basics“, wie sie sagt. Doch das war kein Problem in Oppeln. „Ich habe viele Menschen getroffen, die Deutsch sprechen. Und wenn das nicht klappte, konnte man sich ja noch auf Englisch unterhalten. Schlimmstenfalls nahm man dann ja auch noch Hände und Füße zur Hilfe“, sagt Christine Schlagbauer, die sich daneben auch gefreut hatte, dass es in den regionalen Medien deutschsprachige Sendungen gibt. „So konnte ich auf Deutsch etwas mehr über die Region und die Menschen erfahren“, sagt sie.

Nach vier Wochen Oppeln hieß es nun allerdings Abschied nehmen. Doch schon bald könnte ein Kollege oder eine Kollegin von Christine Schlagbauer nach Oppeln kommen, denn das Traineeprogramm läuft zwar in diesem Jahr aus, wird wohl aber in Zukunft fortgesetzt. „Dann wird vielleicht in einem oder zwei Jahren wieder jemand aus Ingolstadt ein Praktikum im Oppelner Rathaus machen“, meint Christine Schlagbauer.

Rudolf Urban