Jahresversammlung der SKGD 2019 in Sakrau
Foto: R.Urban/Wochenblatt.pl

Nach vier Jahren tagen die Delegierten der Sozial-Kulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien wieder in Sakrau (Gemeinde Groß Nuekirch) und wählen heute einen neuen Vorstand. Die Delegierten sollen auch eine Reihe von Appellen annehmen sowohl zur Geschichte als auch der aktuellen politischen Lage in Polen.

 

Die Delegierten sehen zwar mit Spannung der Wahl des Vorstandes entgegen, sehen allerdings auch daneben eine Reihe von Themen, die angesprochen werden sollten. „Wir müssen uns noch mehr auf die deutsche Sprache besinnen und sie lebendig halten“, sagt Rudolf Lawa, Delegierter aus der Gemeinde Murow und Paul Ryborz aus der Gemeinde Czissek setzt neben der Lösung der aktuellen Probleme mit dem Deutschunterricht in den Klassen 7 und 8 der Grundschulen (das Wochenblatt.pl berichtete ausführlich) auf die kommenden Parlamentswahlen. „Wir müssen uns da aktiv zeigen und unseren Beitrag zur Demokratie leisten“, sagt Paul Ryborz.

Zu diesen Themen sollen im Lauf der Sitzung Beschlüsse getroffen werden.

 

Bericht

Rafał Bartek stellt den Bericht des Vorstandes vor.
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Zunächst berichtete aber Rafał Bartek, Vorsitzender der SKGD, über das vergangene Jahr und die letzte Wahlperiode. „Ich kann mich noch erinnern, wie es hier an dieser Stelle vor vier Jahren gewesen ist, als ich letztendlich gewählt wurde“, sagte Bartek zu Beginn seines Berichtes, in dem er u.a. über die vergangenen Wahlen berichtete, die als Erfolg der Deutschen Minderheit zu werten sind. Aber auch die Kinder- und Jugendprojekte (z.B. Märchennächte, Jugendfreizeiten), sowie Aktivitäten für Erwachsene sind ein Beispiel für eine breite Tätigkeit der Deutschen in der Woiwodschaft Schlesien. „Als SKGD haben wir es auch geschafft aus unterschiedlichen Geldquellen zu schöpfen, wie dem Bürgerbudget der Wowiodschaft Oppeln oder den EU-Fördermittel“, sagte Rafał Bartek, der

Gleichzeitig stellte er fest, dass die Deutsche Minderheit sich auch auf verschiedene schwierige Situationen einstellen musste, die man vor vier Jahren so nicht erwartet hätte. „Wir mussten uns mit der Stadtvergrößung Oppelns messen, die einen beispiellosen Bruch der Minderheitenrechte darstellt. Und seit dem letzten Jahr kämpfen wir dagegen an, die Anzahl der Deutschstunden auf dem heutigen Niveau zu halten, was durch eine Interpretation seitens des Bildungsministerium beanstandet wird“, zählte Rafał Bartek auf und endete seinen Bericht mit der Aufforderung noch aktiver zu sein und die Ziele und Wünsche der Deutschen klar zu formulieren. „Dann erst geht es bei uns weiterhin voran“, meint Bartek.

 

Vorbild sein

Die Deutschen in der Woiwodschaft Oppeln müssten sich auch ihrer Vorbildfunktion bewusst werden, meinte in seinem Grußwort an die Delegierten Bernard Gaida, Vorsitzender des Verbandes deutscher Gesellschaften. „Wir sind die Visitenkarte aller Deutschen in Polen, weil wir die größte, die aktivste Organisation sind. Das sollten wir immer bedenken und eine Verbundenheit mit den Deutschen in Niederschlesien oder Pommern fühlen“, sagte Gaida und fügte als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft deutscher Minderheiten bei der FUEN hinzu: „Unsere Lage europaweit ist nicht die schlechteste. Wir können uns zwar mit den Deutschen in Rumänien nicht messen, die z.B. ein ausgebautes deutsches Schulwesen haben. Aber wenn wir andererseits auf die Deutschen in Moldau schauen, die sich ihrer Zukunft gar nicht sicher sein können, müssen wir über die Stabilität froh sein. Das gibt uns trotz aktueller politischer Probleme Sicherheit“.

 

Wahlen mit Überraschungen?

Die Delegierten wählen ihren neuen Vorstand.
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Nach weiteren Ansprachen von Gästen und Abstimmungen über das letzte Jahr des Vorstandes der SKGD, die betont einstimig und ohne große Diskussion verlaufen ist, kamen die Delegierten zur Wahl. Bei der Bestimmung der Kandidaten für den Posten des Vorsitzenden gab es keine Überraschungen. Rafał Bartek wurde als einziger Kandidat genannt und erhielt nach einer geheimen Wahl 119 von 120 Stimmen. Damit hat die Oppelner SKGD einen neuen/alten Vorsitzenden. 

Überraschend dagegen ist, dass der zum Vorstand vorgeschlagene Bernard Gaida, Vorsitzender des VdG, nicht kandidiert. “Wir sollten doch gerade die Bank verlängern und nicht verkürzen. Wir sollten die Posten auch besser auf mehr Menschen verteilen, deshalb kann ich die Kandidatur nicht annehmen”, sagte Bernard Gaida. Auch der Groß Strehlitzer Landrat Józef Swaczyna wird nicht mehr Mitglied des Woiwodschaftsvorstandes sein. Diese Entscheidung fiel allerdings bereits vor einigen Wochen bei der Gemeindeversammlung der SKGD in Himmelwitz, wo Swaczyna nicht mehr als Delegierten gewählt wurde.

Von den insgesamt 13 Kandidaten haben es in geheimer Wahl folgende Personen in den Vorstand geschafft: Kryspin Cieplik, Zuzanna Donath-Kasiura, Waldemar Gajda, Edyta Gisman, Joanna Hassa, Roman Kolek, Sylwia Kus, Norbert Rasch, Róża Zgorzelska, Krzysztof Wysdak.

Zum Abschluss der Jahresversammlung haben die Delegierten drei Appelle angenommen, und zwar bzgl. des Deutschunterrichts in den Schulen, des 75. Jahrestages des Kriegsendes 2020 sowie der diesjährigen Parlamentswahlen in Polen, die im Herbst stattfinden sollen.

 

Rudolf Urban