Der Widderberg ist vor allem dadurch bekannt, dass sich nicht weit von seinem Gipfel die Quelle der Weichsel befindet. Die zweithöchste Spitze der Schlesischen Beskiden ist darüber hinaus auch mit der Geschichte eines der bekanntesten deutschen Adelsgeschlechter verbunden.

 

Auf dem Weg zur Spitze begleitet uns die Weichsel Foto: Łukasz Malkusz

 

Unsere Wanderung beginnen wir in der Stadt Weichsel (Wisła). Im Viertel Czarne befindet sich eine Hauptstraße, an der wir neben einer Grundschule und einer Feuerwehrwache auch einen Parkplatz finden. Dieser ist kaum zu verpassen, denn kurz dahinter ist die Straße gesperrt und dient neben den Einwohnern der am höchsten gelegenen Häuser nur Wanderern. Hier finden wir auch problemlos den blauen Wanderweg, der uns bis auf den Gipfel führen wird.

 

 

An die Quelle der Weichsel

Es erwartet uns eine relativ lange Wanderung, die je nach Tempo zwischen zwei und drei Stunden dauern wird. Das einzige Problem kann die Länge darstellen, ansonsten ist der Weg nicht schwierig. Einen etwas steileren Anstieg müssen wir erst kurz vor dem Ziel bezwingen. Bis dahin begleitet uns die Weichsel. Der längste Fluss Polens ist hier nur ein Bergbach, den wir nach etwa eineinhalb bis zwei Stunden mehrmals überqueren, und das mit einem Schritt. Die Weichsel einfach zu überschreiten – wie viele können schon behaupten, dass sie das geschafft haben?
Auf dem Gipfel befindet sich ein Aussichtsturm aus Stahl, von dem sich wunderschöne Aussichten auf hunderte Berggipfel erstrecken. Die interessantesten davon sind der Rauhkogel, der Weiberberg und der Pilsko.

 

Aussicht vom Widderberg auf den Rauhkogel Foto: Łukasz Malkusz

 

 

Jagdschloss der österreichischen Dynastie

 

Die Wälder rund um den Gipfel des Widderberges waren im 19. Jahrhundert der Lieblingsjagdgrund der Habsburger. Laut einem Bericht aus dem Jahr 1853 hat der Graf Braidl hier eine erfolgreiche Jagt auf Auerhühner organisiert. Das hat das Interesse von Erzherzog Albrecht Habsburg geweckt. Insofern, das der Herzog eine Waldwirtschaft begann, die ganz der Erhaltung der Auerhuhnpopulation gewidmet war. Mitglieder des Hauses Habsburg kamen in den nächsten Jahren immer öfter auf den Widderberg, um zu jagen. Schließlich wurde 1898 am Westhang des Widderbergs ein Jagdschloss gebaut, der den Habsburgern bis 1916 diente. In dieser Zeit waren hier unter anderem Kaiser Wilhelm II, Feldmarschall Paul von Hindenburg und der österreichische Kaiser Karl I zu Gast.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurde das Gebäude zu einer Berghütte umfunktioniert und diente 50 Jahre lang in dieser Funktion. Den Gipfel besuchten jedoch immer mehr Touristen, sodass neben dem Jagdschloss in den 70er-Jahren des 20. Jh. ein großes Berghotel gebaut wurde. Das alte Gebäude wurde jedoch vor dem Abriss gerettet. 1985 wurde es ins Stadtzentrum von Weichsel gebracht, wo es bis heute als Sitz des Polnischen Touristenvereins (PTTK) genutzt wird.

 

 

Łukasz Malkusz