Bundeskanzlerin Merkel mit BdV-Präsident Fabritius (re.) und Kulturstaatsministerin Grütters beim Jahresempfang des Bundes der Vertriebenen
Foto: BdV-Archiv/Bildkraftwerk

Traditionell lädt der Bund der Vertriebenen zum Jahresempfang seine Mitglieder, Partner, Freunde und Vertreter der deutschen Minderheiten aus Europa nach Berlin ein, um dort, wie BdV-Präsident Dr. Bernd Fabritius sagt, keine politischen Streitthemen anzusprechen, sondern sich gemeinsam auszutauschen. Beim Empfang am vergangenen Dienstag spielte auch die deutsche Minderheit in Polen und die deutsch-polnischen Beziehungen eine wichtige Rolle.

 

So ganz ohne Politik geht es dann also nicht, wenn Vertreter aus Politik und Gesellschaft beim Jahresempfang aufeinandertreffen. Im Vordergrund stand hier natürlich der BdV, deshlab wurde auch mehrmals in den Festreden betont, wie wichtig die Vertriebenen und die deutschen Minderheiten für die Bundesregierung sind. Dies sei auch ein grund gewesen sie ausdrücklich im neuen Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD zu nennen. “Jede Bundesregierung hat eine besondere Verantwortung gegenüber deutschen Heimatvertriebenen und gegenüber den deutschen Heimatverbliebenen, die als deutsche Minderheiten in ihren Heimatregionen leben. Deren Anliegen zu einem Anliegen der Bundesregierung zu machen, und zwar nicht nur auf dem Papier, sondern ganz praktisch: Wer könnte das besser als der BdV-Präsident selbst?“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel und spielte auf die jüngste Ernennung von Bernd Fabritius zum Bundesbeauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten an.

 

Entschädigungszahlungen ein Erfolg

Er selbst dagegen unterstrich in seiner Funktion als BdV-Präsident, dass die Annerkennungsleistung für Deutsche, die während des Zweiten Weltkrieges und nach seinem Ende Zwangsarbeit leisten mussten, noch von so vielen Menschen genutzt werden konnte. Zur Erinnerung: Der Bundestag hat im Jahr 2016 beschlossen Deutsche, die für andere Staaten Zwangsarbeit leisten mussten, mit einer einmaligen Zahlung zu entschädigen, für die man bis Ende 2017 einen Antrag stellen musste. “Es wurden über 46.000 Anträge gestellt, das ist ein ausgesprochen positives Zeichen, das belegt: Wir waren zwar spät dran, aber zum Glück noch nicht zu spät. Gerade viele Deutsche aus Russland, die besonders unter den Folgen des Zweiten Weltkrieges zu leiden hatten und häufig Opfer ethnisch bedingter Zwangsarbeit geworden sind, konnten diese Anerkennung ihres Schicksals durch die Bundesrepublik Deutschland noch erfahren”, sagte bernd Fabritius und Bundeskanzlerin Merkel meinte in ihrer Rede: “Es freut mich, dass so viele diese Anerkennung annehmen wollen. Die Bundesregierung – das darf ich Ihnen versichern – wird alles dafür tun, dass so rasch wie möglich über die Anträge entschieden wird“.

 

Der Jahresempfang bot auch Gelegenheit zum persönlichen Austausch. Bildmitte VdG-Vorsitzender Bernard Gaida
Foto: BdV-Archiv/Bildkraftwerk

Deutsche in Polen

Aber auch die deutsche Minderheit in Polen und vor allem die seit Jahren brach liegenden Gespräche des deutsch-polnischen Runden Tisches wurden angesprochen. Besonders Bundeskanzlerin Merkel hat die Wichtigkeit dieser Gespräche unterstrichen: “Auch deshalb habe ich gleich nach meiner Wiederwahl bei meinem jüngsten Besuch in Warschau dafür geworben, wieder am Runden Tisch zusammenzukommen. Ich würde das sehr begrüßen. Denn dieser Runde Tisch soll über, wie es wörtlich heißt, „Fragen der Förderung sowohl der deutschen Minderheit in Polen als auch der polnischstämmigen Bürger und Polen in Deutschland“ beraten. Das liegt mir und uns sehr am Herzen“.

Der Vorsitzende des Verbandes deutscher Gesellschaften Bernard Gaida, der zusammen mit der Chefin der Breslauer deutschen Minderhiet Renata Zajczkowska sowie Martin Lippa und Bernard Swierczek von der SKGD im Bezirk Schlesien die Deutschen aus Polen in Berlin vertraten freute sich dagegen über ein persönliches Gespräch mit der Bundeskanzlerin, bei dem er an ihr letztes Treffen in Warschau im Februar erinnert hatte. “Damals sprachen wir u.a. über die Situation des Bildungswesens der duetschen Minderheit und Frau Merkel hat mir jetzt auch zugesichert, dass sowohl das Auswärtige Amt als aus das BUndesinnenministerim an einer gemeinsamen Lösung arbeiten”, berichtet Bernard Gaida.

In der Katholischen Akademie in Berlin, wo der Jahresempfang des BdV stattfand, sprachen die Deutschen aus Polen aber auch mit Dr. Gundula Bavendamm, der Direktorin der Stiftung “Flucht, Vertreibung,Versöhnung” über die Darstellung des Schicksals der heimatverbliebenen Deutschen in der geplanten Dauerausstellung. Mit Bundeskulturstaatsministerin Prof. Monika Grütters tauschte sich Bernard Gaida über die Fördermöglichkeiten für die deutsche Minderheit aus Mitteln des BKM aus.

 

Flüchtlinge und Vertriebene

Aber auch die Flüchtlingspolitik der Bundesregierung, für die Angela Merkel auch in eigenen Reihen kritisiert wird, wurde angesprochen und das mit einem klaren Verweis darauf, dass es zwischen den Flüchtlingen von heute und den vertriebenen Deutschen aus der unmittelbaren Nachkriegszeit durchaus Paralellen gäbe. “Denn Vertriebene wissen aus ihrer eigenen Geschichte, wie wichtig Heimat für den Menschen ist. Sie wissen, was es bedeutet, seine Heimat zu verlieren, und wie schwierig es sein kann, sich ein neues Zuhause aufzubauen. Ihre Erinnerung an die Vergangenheit prägt in besonderer Weise auch ihr Verantwortungsbewusstsein für die Gestaltung der Zukunft. Das sage ich nicht einfach nur so dahin. Wir sehen ja, dass sich ihre Erfahrung und ihr Wertebewusstsein in einem vielfältigen Engagement als Brückenbauer in unseren Ländern und auch zwischen Ländern widerspiegeln. Das macht Vertriebene und Spätaussiedler zu Partnern einer Politik, die nicht abgrenzt, die nicht ausgrenzt, sondern auf gesellschaftlichen Zusammenhalt und ein gutes Zusammenleben in Europa abzielt”, sagte Angela Merkel.

Und auch der BdV selbst erwägt gut 60 Jahre nach seiner Gründung, seinen Namen zu ändern. „Der Name Bund der Vertriebenen ist, wenn er die Vertreibung als einzige Klammer der Zusammengehörigkeit darstellt, nicht mehr vollständig“, sagte BdV-Präsident Bernd Fabritius der Tageszeitung WELT. Deshalb habe er während der Jahrestagung des BdV, die vor dem Empfang stattgefunden hatte, eine interne Debatte darüber angestoßen, wie der Verbandsname erweitert werden könne. Die Vertreibung gehöre zur Identität des Verbandes, so Fabritius weiter gegenüber der WELT. Allerdings seien inzwischen sehr viele Menschen im BdV vereint, die nie vertrieben wurden. Außerdem hätten sich die Aufgaben weiterentwickelt. „Das, was wir abdecken, ist inzwischen viel mehr, als nur diesen historischen Moment Vertreibung zu thematisieren“, sagte Fabritius.

Rudolf Urban