Teilnehmer der Gespräche des Deutsch-Polnischen Runden Tisches
Foto: facebook.com/Bernd Fabritius

 

Heute tagte zum ersten Mal seit fast vier Jahren der Deutsch-Polnische Runde Tisch. Während der fünfstündigen Gespräche kam es offensichtlich zu keinem Durchbruch, betont wird aber die konstruktive Atmosphäre des Treffens.

 

Im Vorfeld der sog. Rundtischgespräche war die Stimmung aufseiten der Deutschen Minderheit durchwachsen. Zwischenzeitlich war sogar zu spüren, dass die Deutschen in Polen keine großen Hoffnungen mit der Wiederaufnahme der deutsch-polnischen Gespräche verbinden, stehen doch die für die Minderheit wichtigen Erwartungen wie Verbesserung des Bildungswesens und der Aufbau eines Dokumentations- und Aussstellungszentrums der Deutschen in Polen still. (Mehr dazu finden Sie HIER)

 

Nach den heutigen Gesprächen sieht die deutsche Minderheit wohl aber nicht nur ein kleines Licht am Ende des Tunnels. Wie wir aus der Delegation der Deutschen Minderheit, die aus Vertretern des Verbandes deutscher Gesellschaften, dem Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit und der Deutschen Bildungsgesellschaft bestand, erfahren haben, wurde der heutige Termin in Berlin genutzt, um nochmals die Erwartungen der Minderheit und der Polonia in Deutschland konkret zu benennen. Nun liege es an den beiden Regierungen, die auf deutscher Seite von Staatssekretär im Bundesinnenministerium Stephan Mayer und dem Bundesbeuaftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Prof. Bernd Fabritius sowie auf polnischer Seite von Staatssekretär im Außenministerium Szymon Szynkowski vel Sęk und seinem Amtskollegen im Innenministerium Paweł Szefernaker vertreten wurden, die Erwartungen der Minderheit und der Polonia zu analysieren und weitere Schritte vorzubereiten.

Die Gespräche des Deutsch-Polnischen Runden Tisches sollen konstruktiv gewesen sein.
Foto: facebook.com/Bernd Fabritius

Eine gemeinsame Erklärung aller Gesprächsparteien gab es zum Ende des Treffens in Berlin nicht. Auf Twitter erklärte der polnische Vize-Außenminister Szynkowski vel Sęk, die Gespräche seien nicht leicht, da der deutsch-polnische Nachbarschaftsvertrag immernoch nicht in gleicher Weise auf beiden Seiten ausgeführt werde. Es gehe aber darum, die Dinge klar und offen anzusprechen. Bundesbeauftragter Fabritius schrieb dagegen auf seiner Facebook-Seite: „Die fünf Stunden dauernden Gespräche waren von einem offenen und konstruktiven Dialog geprägt. Beide Regierungen betonten die Entschlossenheit, die deutsche Minderheit in Polen und die in Deutschland lebenden Polen im Geiste des Vertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Polen über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit sowie der gemeinsamen Partnerschaftserklärung von 2011 weiter zu fördern“.

 

Eine nächste Runde der Gespräche des Deutsch-Polnischen Runden Tisches sollen im November dieses Jahres folgen, schrieb Staatsekretär Szynkowski vel Sęk auf seinem Twitter-Account.

 

Zur Erinnerung der Deutsch-Polnische Runde Tisch wurde als Gesprächplattform vor dem 20. Jubiläum des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrages einberufen. Ziel war es die in diesem Vertrag festgeschriebenen Verpflichtungen der Regierungen gegenüber der deutschen Minderheit in Polen und den Polen in Deutschland zu analysieren und konkrete Punkte für die Zukunft festzuschreiben. Im Jahr 2011 wurde eine Gemeinsame Erklärung unterzeichnet, in der beide Regierungen den jeweiligen Gruppen konkrete Zusicherungen machten. Zum letzten Mal kam der Runde Tisch im Jahr 2015 zusammen.

 

Rudolf Urban