Der neue OMV-Budnesvorsitzende Egon Primas (2.v.l.) u.a. mit VdG-Chef Bernard Gaida (3.v.l.).
Foto: Stephan Rauhut/facebook.com

 

Vor über einer Woche wurde in Berlin der neue Bundesvorstand der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU gewählt, die Vertriebene und Aussiedler, die sich bei den Christdemokraten engagieren, vereinigt. Mit dem neuen Vorsitzenden der OMV Egon Primas, MdL, sprach Rudolf Urban.

 

 

Sie sind nicht erst seit gestern in der OMV, treten aber als neuer Bundesvorsitzender eine schwierige Nachfolge an. Sie beerben nämlich Helmut Sauer, der seit 1989 dieses Amt innehatte. Hatten Sie Bedenken bei der Kandidatur zum Bundesvorsitzenden?

Respekt hatte und habe ich vor dem Amt – und auch vor den Fußstapfen, die Helmut Sauer hinterlassen hat. Von Bedenken würde ich nicht sprechen. Wie Sie richtig bemerken, bin ich auch kein Neuling in der Arbeit. Als Landtagsabgeordneter in Thüringen und stellvertretender Fraktionsvorsitzender, als OMV- sowie Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen stehe ich politisch und inhaltlich im Thema. Auch im grenzüberschreitenden Bereich habe ich einige Erfahrungen. Der VdG hat mich 2012 dafür mit der Ehrennadel des Verbandes geehrt, wofür ich dankbar bin.

 

Was werden Ihre wichtigsten Anliegen sein, die Sie als OMV-Vorsitzender realisieren wollen?

Zunächst einmal möchte ich betonen, dass sich die Anliegen der OMV vielleicht in ihrer Gewichtung, aber nicht grundsätzlich ändern werden. Aus erinnerungspolitischer Sicht ist es wichtig, dass der Transfer von der Erlebnisgeneration von Flucht und Vertreibung hin zur sogenannten Bekenntnisgeneration gelingt. Die Siedlungsgeschichte der Deutschen im östlichen Europa, die Geschichte der ehemaligen Ostgebiete, Flucht und Vertreibung nach dem Zweiten Weltkrieg und die Nachwirkungen, aber auch das Leben in den kommunistischen Unrechtsregimen – das sind Themen, die im Gedächtnis der Nation festgeschrieben werden müssen. Ebenso gilt es, das ostdeutsche Kulturerbe zu erhalten und die damit verbundene Arbeit zu fördern. Nach wie vor gibt es soziale Probleme, wie etwa die Rentensituation, in der sich unsere Spätaussiedler befinden. Darüber hinaus will ich dazu beitragen, dass wir unsere Kräfte noch stärker bündeln und in den Unionsparteien, aber auch mit den Verbänden der Vertriebenen und Spätaussiedler gemeinsam auf unsere Ziele hinarbeiten.

 

Welche Rolle spielt die Deutsche Minderheit in Polen bei der OMV? Sehen Sie sich als Anwalt der Anliegen der Deutschen in Polen in der deutschen Politik, vor allem aber innerhalb der CDU?

Ich dachte mir schon, dass Sie danach gesondert fragen würden. Die OMV war unter Helmut Sauer und auch schon unter Herbert Hupka ein Anwalt der deutschen Volksgruppen. Im Austausch mit den jeweiligen Verbänden haben wir uns in der Vergangenheit mit dafür engagiert, dass deren Anliegen in die programmatische, aber auch in die konkrete politische Arbeit von CDU und CSU eingeflossen sind. Das möchte ich beibehalten und habe die Situation in Polen gerade wegen der derzeitigen politischen Lage natürlich besonders im Blick.

 

Ist denn die OMV als Vereinigung überhaupt noch zeitgemäß? Der volle Name lautet ja „Ost- und Mitteldeutsche Vereinigung der CDU/CSU – Union der Vertriebenen und Flüchtlinge“. Dabei wird aber die Anzahl der eigentlichen Vertriebenen und Flüchtlinge immer kleiner und deren Nachkommen haben nicht immer einen Bezug zu der alten Heimat der Eltern und Großeltern.

Zu den Anliegen der OMV habe ich ja schon etwas gesagt. Unser Vereinigungsname widerspiegelt längst nicht alles, wofür wir uns heute engagieren. Und ich sehe ihn auch als Chance, ins Gespräch zu kommen. Zuallererst werde ich nämlich oft gefragt, wofür „OMV“ eigentlich steht.

 

In Ihrer Rolle als Bundesvorsitzender der OMV werden Sie gewiss auch die Deutschen in Polen besuchen. Wissen Sie denn schon, wann es soweit ist?

Auch in meinen Funktionen in Thüringen habe ich die Deutschen in Polen schon oft besucht – und werde dies weiterhin tun. Der direkte Einblick in die Arbeit und das offene Gespräch vor Ort liegen mir am Herzen. In Abstimmung mit dem VdG oder der jeweils zuständigen SKGD würde ich als OMV-Bundesvorsitzender gern einmal gemeinsam mit dem Bundesvorstand in Oppeln oder Breslau tagen. Termine dafür gibt es aber noch nicht.