Die Vernisage rund um Heimat und Dialog fand am 15. September in Groß Strehlitz statt. Vl. oben Jens Baumann vom Freistaat Sachsen, Organisatorin Beata Czech, vl unten Künstlerin Mauga Houba-Hausherr und Roland Schmidt vom Goethe-Institut Krakau.
Foto: Marie Baumgarten

Die Stabilität der deutsch-polnischen Beziehungen wurde besonders im vergangenen Jahr zum 25. Jubiläum des Nachbarschaftsvertrages von allen Seiten gelobt und bekräftigt. Dennoch ist seit dem politischen Wechsel in Polen der Ton zwischen beiden Staaten rauer geworden. Gerade jetzt ist Völkerverständigung wichtiger denn je. Das findet auch eine Berufsschule in Groß Strehlitz und setzt sich für grenzüberschreitende Projekte ein.

 

 

Sie sind Brückenbauer – die Schüler einer Berufsschule aus dem Kreis Groß Strehlitz. Sie haben unter den wachen Augen lokaler Künstler eine Ausstellung konzipiert, in deren Zentrum zwei Bänke stehen. Die eine befindet sich symbolisch auf deutscher Seite, die andere auf polnischer. Zwischen ihnen die Oder.

Die Idee dahinter: Es gilt die Grenze zu überwinden und miteinander in den Dialog zu treten. Eine besondere Rolle kommt dabei Schlesien zu – dem Schmelztigel der Kulturen. Es sind deshalb schlesische Bänke – man erkennt sie mühelos an dem traditionellen Muster. „Ich bin begeistert, dass die Schüler auf die Bank schlesische Muster aufgemalt haben. Auf alle beide. Sie hatten keine Lust auf Symbole. Das finde ich sehr spannend”, freut sich Mauga Houba-Hausherr, die die künstlerische Betreuung übernahm.

 

Heimat und Dialog

Schlesien ist aber nicht nur eine Brücke zwischen Polen und Deutschland. Für viele Menschen in beiden Ländern ist die Region etwas ganz Fundamentales – nämlich Heimat. Auch dafür steht die schlesische Bank.

Heimat und Dialog, das sind die Schlüsselwörter bei der Vernissage dieses Kunstprojektes am 15. September in Groß Strehlitz, bei der auch der Förderpartner aus Sachsen zu Gast war. Politik sei die eine Sache, findet Jens Baumann. Wichtiger sei, wie die Menschen in der Gesellschaft miteinander umgehen.

Der Freistaat Sachsen ist von der Idee des Projekts überzeugt und hat es deshalb finanziell unterstützt. In Kontakt kamen Baumann und die Groß Strehlitzer Berufsschule durch einen Schülerwettbewerb, den der Freistaat Sachsen ausgeschrieben hatte und bei dem die Berufsschüler den ersten Platz belegten. Thema war „Heimat im Spiegel von Flucht, Vertreibung und Integration“. Der Stoff – er ist alt bekannt und brandaktuell zugleich. Dabei ist unter anderem ein Kunstwerk entstanden, das aktuelle Bilder von Flüchtlingen zeigt, eingebettet in einen Holzrahmen. Über die Bilder zieht sich ein an dem Rahmen befestigter Stacheldraht. Für Jens Baumann eine herausragende Arbeit, die die aktuelle Flüchtlingskrise an die Flucht- und Vertreibungsgeschichte Schlesiens anknüpfen lässt. Den Flüchtlingen damals und heute erging es ähnlich. Sie suchen eine neue Heimat und müssen sich dann mit ihr identifizieren. Der Blick geht also nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in die Zukunft. Wie gehen wir miteinander um, mit der Heimat, aber auch mit den Menschen, die dahin kommen.”

 

Gegen nationale Gedanken

Für die Zukunft wünscht sich Jens Baumann noch mehr Austausch zwischen Deutschland und der Groß Strehlitzer Berufsschule – ganz im Sinne des europäischen Gedankens und des freundschaftlichen Miteinanders. Und das wünscht sich auch Beata Czech, Deutschlehrerin am Berufschulkomplex in Groß Strehlitz. Sie beobachte mit Sorge, dass Schüler national ausgerichtete Gedanken in den Unterricht tragen und immer wieder schwere deutsch-polnische Geschichte und die Kriegsschuld Deutschlands aufrollen. „Ich will ihnen Deutschland als ein Land zeigen, wo man Freunde findet“ , sagt sie. Deshalb plant Beata Czech schon jetzt den nächste grenzüberschreitende Austausch. Im kommenden Jahr will sie in Deutschland einen Designerworkshop mit schlesischen Mustern und abschließender Modenschau auf die Beine stellen.

Marie Baumgarten

 

Die Ausstellung ist bis zum 27. Oktober im Kulturhaus in Groß Strehlitz zu sehen. Die Bänke findet man dort allerdings nicht. Sie stehen in der Berufsschule und laden zum Dialog ein.