Marcin Worbs. Foto: Łukasz Biły.e

Selten wird im Theologischen Institut der Universität Oppeln (UO) so viel Platz den nationalen Minderheiten gewidmet. Noch vor Weihnachten hielt der Pfarrer und Professor der UO Marcin Worbs dort einen Vortrag zur Thematik „Besorgnis der Kirche über die Seelsorge nationaler Minderheiten“.

 

Bei dem Vortragenden handelte es sich um Pfarrer Professor Marcin Worbs. Dieser ist nicht nur ein bekannter Oppelner Akademiker, sondern er war auch ein Schüler von Erzbischof Alfons Nossol. Worbs studierte außer Theologie auch Germanistik, er ist viel in der Welt herumgekommen, besonders in Deutschland. Des Weiteren ist er Autor vieler Publikationen zum christlichen Vermächtnis Schlesiens, von denen auch zahlreiche in deutscher Sprache erschienen sind. Kein Wunder also, dass er sich auch zur Seelsorge der nationalen Minderheiten hingezogen fühlt und sie deswegen zum Gegenstand seines Vortrags wählte.

Schon im Mittelalter wichtig

 

Bereits am Anfang des Vortrages unterstrich Pfarrer Worbs, dass die Seelsorge der nationalen Minderheiten, insbesondere auch der deutschen Minderheit, keine Idee unserer heutigen Zeit ist. Schon im Mittelalter wurden nach Osteuropa von polnischen Fürsten deutsche Siedler eingeladen, die nach und nach eine immer größere Gruppe bildeten. Diese musste dann auf ihre Art und Weise, und vor allem in ihrer Sprache, christlich betreut werden. Dadurch wurden erste gute Beispiele von einer für die Minderheiten wirkende Seelsorge geschaffen. Dies war aber nicht die einzige geistige Wohltat, die die Zuwanderer mit ihre neue Heimat brachten: „Diese deutschen Siedler brachten gleichzeitig neue Ideen und Methoden mit, wenn es um die Entwicklung der neuen Heimat ging. Es ist eben halt so, dass aus dem Westen der Fortschritt kam“, so Pfarrer Worbs. Sehr interessant waren auch Berichte darüber, wie die einzelnen Kulturen Einfluss aufeinander hatten. Während sich die polnische Kirche schon damals entschied, viele Sitten der Neuankömmlinge beizubehalten, wie zum Beispiel die unterschiedliche Zeitdauer der Fastenzeit, wurden andere Sitten und Rituale von der hiesigen Bevölkerung sogar übernommen.

 

Zweisprachigkeit ist der Schlüssel

 

Ein anderer wichtiger Aspekt der Seelsorge war nach Pfarrer Worbs natürlich die Zweisprachigkeit. Die Beweise, dass man „immer die Zweisprachigkeit in der Kirche respektiert hat“ seien etwa die heutigen Oppelner Kirchen. Selbst die große Kreuzkirche (heutige Kathedrale) in Oppeln hatte besonders in der Vergangenheit viele deutsche, wie auch polnische Elemente, da beide Gruppen seit Jahrhunderten die Region bewohnt haben. Besonders sichtbar sei dies auch bei feierlichen Anlässen gewesen wie etwa bei Hochzeiten oder Begräbnissen. Bis heute sind viele Berichte darüber erhalten, wie die Gottesdienste in der deutschen Sprache im Oppelner Land schon damals gehalten wurden. Ein solches Entgegenkommen für die Minderheiten sei nach Pfarrer Worbs untrennbar mit den Aufgaben der Kirche verbunden: „Die Mission der Kirche ist es den kleineren und den schwächeren Gliedern zu helfen. Damit sind natürlich auch die nationalen Minderheiten gemeint. Diesbezüglich ist die Seelsorge dieser Minderheiten eine der Grundaufgaben der Kirche.“

 

Polnischer Papst war ein Meilenstein im Aufklärungsprozess

 

Die positive Einstellung der Kirche zu den Minderheiten bedeutet aber nicht, dass ihre Seelsorge nicht einen weiten Weg gehen musste. Für Pfarrer Worbs sei es kein Geheimnis, dass beispielsweise deutsche Messen heute im Oppelner Land nicht von jedem gerne gesehen werden. Ein Meilenstein im Aufklärungsprozess diesbezüglich war vor allem der Brief des polnischen Papstes Johannes Pauls II.: „Um Frieden zu schaffen, Minderheiten achten!“ In dieser Botschaft vermittelte der Papst der Welt, dass die Achtung der nationalen Minderheiten vor allem in der Kirche eines der Grundprinzipien in deren Leben sein sollte. Nach Pfarrer Worbs seien die Regeln, die Johannes Paul II. aufgestellt hat, eigentlich ganz simpel: „Es geht darum, dass man die Minderheiten nicht aus dem öffentlichen Leben ausschließt, sondern ihre Bedürfnisse erkundet, pflegt und achtet.“ Diese Botschaft half auch Erzbischof Alfons Nossol bei seiner Mission, deutschsprachige Messen in Schlesien zu gestatten. Mehrfach erinnerte sich auch Marcin Worbs daran, dass der Erzbischof immer betont hat, dass „so die Lehre des Papstes ist und dies solle man auch so umsetzten“.

 

Łukasz Biły