Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Sunday, November 28, 2021

Kraft der Kräuter

Mit der Heilkräutersammlerin, Phytotherapeutin und Diätassistentin Dominika Krajczy aus Deschowitz sprach Manuela Leibig


Seit wann interessieren Sie sich für Kräuter?
Ich wollte eigentlich Tierärztin werden, aber dann fing ich an mich für Kräuter zu interessieren. Meine Tante interessierte sich für Kräuter, sie baute selbst welche an. Und sie hat mich ein bisschen dazu inspiriert. Im Gymnasium habe ich angefangen Bücher über Kräuter zu lesen. Dann habe ich einige Entgiftungskuren gemacht. Natürlich waren nicht alle klug gedacht oder gut, aber da hatte ich noch nicht das Wissen, das ich heute habe. Danach habe ich Lebensmitteltechnologie studiert, Gesundheit hat mich sehr interessiert. Als Kind habe ich alle Arzneimittel, die wir zu Hause hatten, in ein Heft aufgeschrieben und dazu vermerkt, wofür das gebraucht werden sollen. Und der Wunsch anderen Menschen zu helfen wurde immer stärker. Als ich ein Stipendium bekommen habe, dann habe immer das ganze Geld für Bücher zum Thema Gesundheit und Heilpflanzen ausgegeben. Während meines Masterstudiums habe ich einen Kurs besucht, den der Naturwissenschaftler und Biologe Doktor Różański geleitet hat. Das war ein Wendepunkt in meinem Leben. Die Möglichkeit, am Heilkräuterkurs teilzunehmen, war eines der schönsten und entwicklungsreichsten Ereignisse in meinem Leben. So viel praktisches und so konzentriertes Wissen zu bekommen, das im Leben genutzt werden kann und womit man gleichzeitig die Lebensqualität anderer verbessern kann, passiert nicht so oft. Ich bin dankbar und glücklich, dass ich es absolvieren konnte. Es hat mir viele Möglichkeiten eröffnet und meinen Blick auf die Pflanzenwelt auch erweitert.

Das Wissen zum Thema Kräuter gibt Dominika Krajczy gerne weiter.
Foto: Manuela Leibig

Wie kam es von der Theorie zur Praxis?
Da ich eine Zeit lang schwere Verdauungsprobleme hatte, wandte ich die gelernten Methoden an mir selbst an. Wo ich noch nichts wusste, habe ich Magentropfen genommen, und da wurde es mir ein bisschen besser für den Moment, aber die Probleme kamen immer wieder. Also habe ich verschiedene Lösungen ausprobiert. Es war ein langer Weg. Aber nun bin ich gesund, und zudem weiß ich, was wirksam ist, und welche Methoden eher nicht funktionieren. Je mehr ich gelesen habe, desto mehr Sachen konnte ich zusammenzählen. Wenn Du Effekte siehst, dann weißt Du, dass das auch wirkt. Natürlich wollte ich Leuten helfen, die ähnliche Probleme haben und ihnen die Hoffnung geben, dass es immer eine Lösung gibt, egal wie hoffnungslos es aussieht. Ich sehe es als meine Berufung und Pflicht zu gleich an.
Das Wissen, dass mir beigebracht wurde, praktiziere ich selbst und empfehle es auch weiter an Patienten, die zu mir kommen.

Neben dem Kräuterkurs habe ich an verschiedenen diätetischen und gesundheitsbezogenen Schulungen teilgenommen. Außerdem lese ich regelmäßig aktuelle Gesundheitsliteratur. Ich beschäftige mich insbesondere mit dem Thema Diäten und Therapieprotokolle bei Erkrankungen des Darms, des Verdauungssystems, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Allergien, Hirnfunktionsstörungen, Depressionen und Schilddrüse. Seit zwei Jahren beschäftige ich mich auch intensiv mit psychologischem Wissen und therapeutischen Methoden wie: One Brain-Methode, Lowen-Methode oder TRE-Methode. Es gibt heutzutage sehr viele Patienten, die emotionale und stressbedingte Probleme aufweisen. Ernährungsumstellung ist sehr wichtig, um gesund zu sein, aber oft ist es zu wenig. Man muss noch den Lebensstil, die Schlafqualität, Umgang mit Stress, Bewegung, Toxine in der Umgebung, Lebenseinstellung berücksichtigen um jemanden aus seinem Tief rauszuholen.

 

Haben Behandlungen mit Kräutern in Schlesien eine lange Tradition?
Natürlich, sonst wäre die Kräuterheilkunde längst vergessen. Es hing natürlich von der Familie ab. Meine Familie hatte immer einen Bauernhof, es sind also Menschen, die nahe der Natur leben. Meine Eltern haben einen riesigen Garten mit Gemüse, da habe ich mir verschiedene Kräuter, aber auch das was wir als Unkraut bezeichnen, genau angeschaut. Dann ging es ab in die Bibliothek um Kräuterführer auszuleihen, ich habe gesucht für was diese Pflanze gut ist. Es gibt immer was zu entdecken, ich habe nie genug von diesem Wissen.

Wie ist das mit dem Kräutersammeln? Wo sollte man am besten sammeln?
Kräutersammeln ist eine tolle Beschäftigung bei der man mehr Zeit in der Natur verbringen kann. Es ist eine Möglichkeit, die Geheimnisse der Flora und Fauna kennenzulernen ,aber auch zur inneren Ruhe wiederzufinden. Kräuter sind natürliche Arzneimittel, die man bei allerlei Beschwerden einsetzen kann. Damit diese Pflanzen uns ihr gesundheitliches Potenzial aufweisen können und uns nicht schaden, ist es wichtig bei der Kräutersammlung auf ein paar Dinge Acht zu geben.

Dazu zählt: Die Pflanzenkenntnis und das Wissen des Sammlers, die Wachstumsphase der Pflanze, die Sammelzeit, Sammelort, Verarbeitung des Pflanzenteils und später seine Aufbewahrung.
Die besten Heilpflanzen sind solche, die wild wachsen, wo es ihnen passt, in Gebieten, wo es wenige Menscheneingriffe gibt (welche heutzutage immer schwieriger aufzufinden sind) – also keine Industriegebiete, weit weg von Fabriken und Straßen aber auch von Feldern. Die Agrarpolitik ist momentan sehr aggressiv, es werden sehr viele Gifte und künstlicher Dünger verwendet. Viele Bauern benutzen Pestizide, die Glyphosat beinhalten, der sich im Boden für einige Zeit anlagert und Prozesse in der Erde stört.

 

Kann jeder von uns Pflanzen sammeln?
Ja, aber man sollte nur die Pflanzen sammeln, die man auch wirklich kennt – einige Pflanzen sind auch giftig – oder man benutzt einen Pflanzenführer mit dessen Hilfe man die Pflanzen gut identifizieren kann, wo dieser die Elemente der Flora detailliert aufgezeigt und sie beschrieben werden. Man sammelt nur gesunde Pflanzenteile ohne Verunreinigungen sowie Schäden von Insekten.

 

Worauf sollte man noch achten?
Pflanzen anderer Farbe oder mit Flecken sollten wir auch meiden. Es ist verboten, seltene, unter Naturschutz stehende oder die vom Aussterben bedrohte Pflanzen zu sammeln. Man sollte auch nicht alles aus einem Ort pflücken und dabei die Pflanzen auch nicht zerstören, also mit Wurzeln herausziehen oder sie zu stark schädigen, wenn wir diese nicht brauchen oder auch nicht verwenden können.

 

Wann sammelt man am besten?
Der richtige Zeitpunkt zum Sammeln ist der Zeitraum, in dem die meiste Anzahl von gesundheitsfördernden Stoffen sich in der Pflanze befindet. Verschiedene Pflanzenteile werden zur unterschiedlichen Jahreszeit erworben, z.B. die Wurzeln später im Herbst oder am Anfang des Frühlings, die Blätter vor dem Blühen oder der Fruchternte. Sehr zur Nutze kann uns dabei ein Sammelkalender für Heilpflanzen sein. Natürlich muss man dabei auch die Wetterbedingungen und das Wachstumsstadium der Pflanze in Betracht ziehen. Die Kräuter sollte man während sonniger und trockener Tage sammeln, wenn es wenig Feuchtigkeit in der Luft gibt, damit sie nicht verderben. Die beste Zeit zum Sammeln von Blättern, Blüten und ganzen grünen Pflanzenteilen ist von den späten Morgenstunden bis zu frühen Nachmittagsstunden , also von 10:00 bis 16 :00 Uhr. Zusätzlich wäre es gut, wenn man bei der Kräutersammlung die Mondphasen auch berücksichtigen würde.

 

Was eignet sich am besten zum Sammeln?
Holunder. Holunderblüten sammelt man Ende Mai, Holunderfrüchte im Spätsommer. Die Holunderblüte ist wirklich so ein Alleskönner. Die Blüten besitzen viele wertvolle Inhaltsstoffe – besonders Flavonoide und A. Quercitin, Rutin und Phenolsäuren z. B. Kaffeesäure und Ferulsäure. Wasserauszüge aus dieser Pflanze wirken schweißtreibend, harntreibend und schleimlösend deshalb wird der Holundertee bei Erkältungen, Fieber und Verschleimungen der Atemwege verwendet. Heilmittel aus diesen Blüten stärken auch die Blutgefäße, erweitern die Herzkranzgefäße und verbessern die Blutzirkulation im Herzen. Auch mit Viren in unserem Körper kämpft diese Blüte hervorragend.

 

Was würden Sie den Skeptikern raten?
Wir müssen immer daran denken, dass die Anfänge der Pharmazie Pflanzen waren. Aus ihnen wurden verschiedene Substanzen geschaffen und zum Heilen angewandt. Man muss länger auf den Effekt warten, aber dass sollte uns nicht davon abhalten es mal auszuprobieren.

 

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