Die beliebte Veranstaltung des Kulturreferats für Schlesien am Schlesischen Museum zu Görlitz feiert mit der 10. Ausgabe ein kleines Jubiläum. In bewährter Weise führt die Route des diesjährigen Schlesischen Nachtlesens am 6. April an Orte in Görlitz, die diese deutsch-polnische Europastadt besonders prägen, bereichern und lebenswert machen.

Persönlichkeiten der Stadt und Region, wie Bischof Wolfgang Ipolt (links) und Dekan Maciej Wesołowski lesen aus Werken schlesischer Autoren.
Foto: Klaudia Kandzia

 

An jedem Ort in der Neißestadt werden von 17 bis 22 Uhr zur jeweils vollen und halben Stunde Texte schlesischer Autoren oder über Schlesien, die Niederschlesische Oberlausitz und die Europastadt zu Gehör gebracht. Als Vorlesende erleben die Zuhörer Menschen, die sich mit ihrem kulturellen und gesellschaftlichen Engagement auf ganz unterschiedliche Weise für die Stadt und Region einsetzen. Wie jedes Mal so ist auch dieses Jahr Marianne Scholz-Paul, bekannt auch als das „schlesische Tippelweib“, dabei. Außerdem sind der Magier Ralph Kunze, der Bildhauer, Designer, Grafiker und Schauspieler Bernhard Kremser, die Pressesprecherin des polnischen Stadtteils Renata Burdosz, Autor und Musiker Grzegorz Żak und viele andere mit von der Partie.

 

Etabliert und bekannt

Neben Texten zeitgenössischer Autoren wie Wioletta Grzegorzewska, Szczepan Twardoch, Ziemowit Szczerek oder Udo Tiffert werden ältere Stoffe präsentiert, Texte des Theaterkritikers Alfred Kerr, des in Görlitz geborenen Schriftstellers und Kabarettisten Werner Finck, des in Schlesien aufgewachsenen Arno Schmidt oder des bekannten schlesischen Schriftstellers Paul Keller. Marcin Wawrzyńczak präsentiert sein Ende 2018 veröffentlichtes Buch über die „Michelsbaude“, die Anfang des 20. Jahrhunderts verschwundene Försterei im Isergebirge, verewigt in vielen Reiseberichten und Werken Gerhart Hauptmanns.

Manche Leseorte sind etabliert und bekannt wie das Jacob-Böhme-Haus, das Gerhart-Hauptmann-Theater, manche neu im Stadtbild wie das Nikolai Café, die Bierblume, der Kultursalon Ars Augusta, einige erst im Entstehen wie das Atelier Kränzel von Olga Yakovenko oder das „Jakobs Enkel“. Traditionell stellen alle Gastgeber ihre Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung.
Die Kombination von Ort, Text und Persönlichkeit bietet dabei Gelegenheit, vergnüglich einzutauchen in einen inspirierenden Kosmos literarischer Verbindungen zwischen gestern, heute und morgen.

 

Rübezahl im Kinderprogramm

Das Schlesische Nachtlesen hat in seiner Jubiläumsausgabe auch für kleine und angehende Bücherwürmer einen Programmpunkt vorbereitet. Die Stadtbibliothek Görlitz und die Stadtbibliothek auf polnischer Seite laden vom 16 bis 17 Uhr zum Vorlesen für Familien mit Kindern an zwei Orten ein: In „Jakobs Enkel“ (Jakobsstr. 5) und im Jacob-Böhme-Haus (ul. Daszyńskiego 12) werden Sagen über den Berggeist Rübezahl und andere Geschichten als Bilderbuchkino und Kamishibai-Erzähltheater dargeboten. Der Eintritt ist an beiden Orten frei.

Ab 22 Uhr lässt das Schlesische Museum zu Görlitz sein kleines Jubiläum des 10. Schlesischen Nachtlesens mit Live-Musik und Leseperformance im Generalkonsulat der Serenissima Repubblica di San Marco (Atelier Kremser, Hartmannstr.4) ausklingen.

Agnieszka Bormann/kan