Das Hochtiefhaus

Der bekannte deutsche Baukonzern Hochtief zieht ernsthaft in Erwägung, sich um den Auftrag zur Errichtung einer Grenzmauer zwischen den USA und Mexiko zu bewerben. Es ist eine der meistdiskutierten Ideen des neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Donald Trump.

 

Welche konkreten Pläne die US-Regierung unter dem neuen Präsidenten hat, sei noch nicht ganz klar, sagte der Hochtief-Chef Marcelino Fernández Verdes. Seine Firma sei schon immer offen für Aufträge in den Vereinigten Staaten von Amerika gewesen. Ob dieser Auftrag allerdings zu einem erfolgreichen Abschluss kommt, stehe noch gänzlich in den Sternen.

 

Taktischer Schachzug

 

Donald Trump hat bereits im Wahlkampf mehrfach angekündigt, eine Mauer an der US-Grenze zu Mexiko errichten zu wollen. Das sagt er, obwohl die Meinungen zu dem Thema sehr unterschiedlich sind, von extremen Gegnern der Idee über passive Beobachter bis hin zu glühenden Verfechtern. Hochtief zeigt sich nun ungeachtet aller Spekulationen und Meinungsverschiedenheiten dennoch bereit, sich um den Auftrag zu bewerben. Das mag aber auch taktische Gründe haben. Dem deutschen Konzern ist klar, dass die Konkurrenz bei der Ausschreibung für diesen Auftrag enorm sein wird. Wer es also schon am Start versucht, gewinnt womöglich das Wohlwollen des US-Präsidenten. Hochtief ist in den USA übrigens alles andere als eine anonyme Firma. Ganz im Gegenteil: Man ist dort stark verwurzelt, bekannt und geschätzt in Gestalt der Tochtergesellschaft Flatrion und Turner.

 

USA: Ein lukrativer Markt

 

Das Unternehmen hat daher begründete Hoffnungen auf Milliardenaufträge im Rahmen des neuen Programms zur Belebung der Konjunktur in den USA, wie es Präsident Donald Trump fest versprochen hat. Für Hochtief handelt es sich laut offiziellen Erklärungen um einen hochinteressanten und gar lukrativen Markt, daher wolle man ohne Rücksicht auf Probleme bei Ausschreibungen mitmachen. Dabei liegt für Hochtief der Schwerpunkt vor allem auf Infrastrukturprojekten wie z.B. dem Bau von Verkehrswegen, was zu seinen Spezialgebieten gehört. Der 1874 in Frankfurt am Main (Hessen) gegründete Konzern mit heutigem Hauptsitz in Essen (Nordrhein-Westfalen) hat im vorigen Jahr einen Umsatz von fast 20 Milliarden Euro erreicht. Und davon entfielen gleich elf Milliarden auf Vorhaben in Nordamerika, vorwiegend in den USA und in geringerem Maße in Kanada.

 

Johann Engel