Ohne Zweifel: Die Advents- und Weihnachtszeit ist eine ganz besondere Zeit, eine Zeit voller Magie. Der Duft von Tannen und Gebäck, ein festliches Lichtermeer auf den Straßen eines jeden Ortes und die alten Lieder, die wir aus unserer Kindheit kennen. Einen Hauch dieser Magie konnte man 10. Dezember auch in der Philharmonie in Oppeln erleben. Die Deutsche Minderheit hat hier mit ihrem alljährlichen Adventskonzert das Jahr festlich ausklingen lassen.

 

Fotos: Marie Baumgarten

 

 

Deutsche Lieder und ein Abend voll guter Laune – damit verzaubert Schlagersternchen Andrea Rischka ihre schlesischen Fans seit Jahren. Sie durfte deshalb auch nicht bei dem diesjährigen Adventskonzert fehlen, zu dem die Deutsche Minderheit in Oppeln (SKGD) am 10. Dezember geladen hat. Neben jungen Talenten aus der deutschen Minderheit, die die schönsten deutschen Weihnachtslieder und Gedichte auf die Bühne brachten, hat die 27-jährige Andrea Rischka unter anderem Joseph von Eichendorffs wohl bekanntestes Weihnachtsgedicht „Markt und Straßen stehn verlassen“ musikalisch interpretiert. Darin bezeichnet der in Lubowitz geborene Dichter Weihnachten als eine „gnadenreiche Zeit“.

 

 

Kein Weihnachtsfest ohne Musik

Vor allem an die gnadenreiche Zeit aus Kindheitstagen erinnert sich Andrea Rischka besonders gern. „Als Kind habe ich bei meinen Großeltern auf dem Dorf gelebt. Für uns war der Heiligabend der wichtigste Tag. Wir haben immer durch das Schlüsselloch geguckt, ob das Christkind schon die Geschenke gebracht hat. Nach dem Geschenkeauspacken haben wir immer Weihnachtslieder gesungen. Und mit meinem Onkel habe ich vor der Haustür auf der Trompete „Stille Nacht, heilige Nacht“ gespielt, so dass das ganze Dorf es hören konnte.“ Auch heute noch kann sich Andrea Rischka ein Weihnachtsfest ohne Musik nicht vorstellen. „Das macht die besondere Atmospäre aus“, sagt die Sängerin, die gemeinsam mit ihrem Mann, den beiden Kindern und dem Großvater das Fest verbringen wird.

 

„Ich kann mich an die Weihnachtsfeste meiner Kindheit sehr sehr genau erinnern. Das war ein Highlight des Jahres“, sagt Bernd Fabritius, der während seiner Schlesienreise in seiner Funktion als Bundesbeauftragter für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten auch dem Adventskonzert der Deutschen Minderheit beiwohnte.

 

„Ich habe mich bei dem heutigen Konzert an die Weihnacht meiner Kindheit erinnert gefühlt“, sagt Fabirtius. „Bei uns gehörten auch immer Weihnachtslieder und Weihnachtsgedichte zum Fest dazu. Ohne Gedichte gab es keine Geschenke.“ Auch den Weihnachtsbaum habe die Familie immer selbst geschmückt. „Wir haben aus Stroh Sterne gebastelt und Nüsse mit Goldblatt verziert, wir haben Kekse gebacken und mit Zuckerguss bestrichen – alles, um den Weihnachtsbaum so zu schmücken, dass das Christkind kommt. Der Weihnachtsabend war ein sehr großes Familienfest, bei dem sich alle Generationen getroffen haben.“

 

 

Eine besondere Tradition

Der Siebenbürgersachse ist 1984 mit den Eltern und Geschwistern nach Deutschland ausgewandert. Aus Siebenbürgen hat die Familie eine ganz besondere Tradition mitgebracht:

„Bei uns in Siebenbürgen hat zum Weihnachtsfest immer auch ein Schlachtfest dazu gehört. Man hat Anfang Dezember ein Schwein geschlachtet und als Wurst zubereitet. Es ist nicht so, dass meine Eltern heute noch Schweine schlachten. Aber mein Vater kauft beim Metzger eine große Menge Fleisch und macht noch die eigene Wurst nach Familienrezept. Ein Rezept, das er von seinem Vater geerbt hat und das gibt es dann mit geriebenem Meerettich und Apfel, was wir traditionell nur an Weihnachten essen.“

 

Übrigens hat Bernd Fabritius zum Auftakt des Oppelner Adventskonzertes in seiner Rede die herzlichsten Grüße von Bundeskanzlerin Angela Merkel übermittelt und den Besuchern versichert, dass die Bundesregierung die Deutsche Minderheit auch weiterhin unterstützen werde.

 

Das diesjährige Adventskonzert stand unter dem Leitmotiv „magische Weihnachten“. Wer es verpasst hat, für den gibt es ein Trostpflaster: Die Musikstars der Deutschen Minderheit haben die schönsten deutschen Weihnachtslieder auf einer CD aufgenommen. Sie ist kostenfrei im Sitz der Sozialkulturellen Gesellschaft der Deutschen im Oppelner Schlesien in der ul. Marii Konopnickiej 6 Oppeln erhältlich.

 

Marie Baumgarten