Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, December 6, 2022

Mainz: „Nachbarschaft und Freundschaft leben durch Begegnung“

Am Freitag, dem 17.06.16 fanden in Mainz Feierlichkeiten anlässlich des 25-jährigen Jubiläums des Deutsch-Polnischen Freundschaftsvertrages statt.

Zur Eröffnungsveranstaltung in der Staatskanzlei in Mainz reiste eine Delegation aus Oppeln an, die sich mit Vertretern der Landesregierung von Rheinland-Pfalz traf – die Partnerschaft besteht seit 20 Jahren.

 

25 Jahre Freundschaftsvertrag zwischen Deutschland und Polen, das ist nicht das einzige Jubiläum zwischen beiden Nachbarn in diesem Jahr – Rheinland-Pfalz und die Woiwodschaft Oppeln feiern 20 Jahre Partnerschaft. „Der Partnerschaftsvertrag war und ist unser Weg die deutsch-polnische Freundschaft auszugestalten und zu leben. Nachbarschaft und Freundschaft leben vor allem durch die Begegnung, dadurch dass Bevölkerungen, das sich Bürgerinnen und Bürger aus Polen und Deutschland untereinander verstehen, miteinander Kontakt haben und in Kontakt treten, dass sie gemeinsame Aktivitäten und Partnerschaften haben und pflegen. Wie wir alle hier in diesem Raum wissen, erstrecken sich diese Aktivitäten auf ganz unterschiedliche Bereiche,“ sagt die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer.

 

Unter den Gästen aus Oppeln war  Marschall Andrzej Buła – er schätze sehr, was zwischen Deutschland und Polen sowie den beiden Partnerregionen geschehe. „Wir sind sehr positiv auf die Zukunft eingestellt und möchten auf all das nicht mehr verzichten und es pflegen.”

 

Die Zusammenarbeit zwischen Oppeln und Rheinland-Pfalz wurde aber erst durch den vorangegangenen deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrag ermöglicht. Ein entscheidender Akteur, der den deutsch-polnischen Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit seinerzeit aushandelte war Horst Teltschik, enger Vertrauter des Altkanzlers Kohl. „Unter Helmut Kohl war für uns nun die Frage, welche Warschauer-Pakt-Staaten hervorstechen”, berichtet Teltisch. “Da war Polen mit Solidarność Nummer eins. Unsere Strategie war es nun,  diese positiven Veränderungen in den Warschauer Pakt-Staaten zu nutzen. Offiziell, aber auch vertraulich. Interessanterweise kam dann aber auf unsere Regierung der kommunistische Regierungschef zu. 1988 wurde der Vorschlag gebracht, dass die Außenministerien eine gemeinsame Erklärung abgeben, um die deutsch-polnischen Beziehungen auf eine neue Grundlage zu stellen.“

 

In diesen Gesprächen kam auch zum ersten Mal die Frage nach der deutschen Minderheit in Polen auf, die es bis zu diesem Zeitpunkt offiziell gar nicht gegeben hatte. “Damals gab es keine Akzeptanz dafür, dass es in Polen eine deutsche Minderheit gebe. Es gab nur Polen.  Zum Zeitpunkt der Gespräche hatte Polen einen Jumbo-Kredit. Es kam die Frage auf, wie und ob dieser zurückzuzahlen sei. Wir hatten da eine gute Idee. Wir beschlossen, dass dieser Kredit in einen Fond zurückzuzahlen sei, welcher Maßnahmen und Einrichtungen finanzieren solle, die das deutsch-polnische Verhältnis förderten, wie zum Beispiel Jugendaustausche. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass solche Verträge nur dann ihren Zweck erfüllen, wenn die Regierungen immer wieder auch darüber reden. Auch mit Nachfolgeregierungen.“

 

Doch welche Bedeutung hat nun ein solcher Vertrag nach 25 Jahren?

 

„Aus historischer Sicht macht es bei der Betrachtung eines solchen Vertrages immer einen Unterschied, ob man all die Erklärungen, die darin stehen wörtlich versteht oder ob man den Vertrag als Ganzes symbolisch bewertet. So tut man als Deutscher gut daran, nicht alles stets durch die deutsche Brille, aus der deutschen Perspektive zu betrachten. Man sollte die kulturellen Unterschiede stets im Blick behalten und einer davon ist der geschichtliche Hintergrund der Polen, die auf eine symbolträchtige Tradition der Aufständigkeit blicken. Eben diese sehe ich auch in einem Vertrag wie diesem,“ sagt Professor Andreas Röder von der Johannes Gutenberg-Universität.

 

Der Deutsch-Polnische Freundschaftsvertrag knüpft an den im November 1990 unterzeichneten Vertrag an, welcher die gemeinsame Grenze zwischen Polen und Deutschland bestätigt. Ziel des Vertrags ist es, die Beziehungen zwischen den beiden Ländern zu intensivieren und einen Rahmen zu schaffen, um sie über den politischen Bereich hinaus zu fördern.

 

 

Frank Czerner

 

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