Der Vorsitzende des Stiftungsvorstandes Arnold Czech
Foto: Rudolf Urban

In einer kleinen Runde konnten Erfahrungen ausgetauscht werden. V.l.: Ulrike Brüderle, die 1992 die Stiftung von deutscher Seite begleitet hat; Arnold Czech, Vorstandsvorsitzender der Stiftung; Ryszard Galla, Sejmabrgeodneter und Stiftungsratsvorsitzender; Helmut Pazdzior, ehemaliges Mitglied des Stiftungsrates; Andrzej Buła, Oppelner Marschall. Foto: Rudolf Urban

Am vergangenen Montag kamen Vertreter aus Politik, Wirtschaft, kommunaler Selbstverwaltung und der Deutschen Minderheit in Schlesien im Businesszentrum in Oppeln zusammen, um gemeinsam an 25 Jahre der Stiftung für die Entwicklung Schlesiens zu erinnern. Die Zukunft und die damit einhergehenden Herausforderungen waren ein Thema der Ansprachen, es ging aber auch um die schwierigen Anfängen.

Heute ist die Stiftung ein wichtiger Teil der Oppelner Wirtschaftslandschaft, meinte der Oppelner Marschall Andrzej Buła während seiner Grußworte beim Jubiläum. Die Stiftung werde seit langem nicht mehr nur als Institution der Deutschen Minderheit für die Minderheit angesehen, sondern durch ihre vielfältige Tätigkeit und die unterschiedlichen – deutschen, polnischen und europäischen – Finanztöpfe als wichtige Unterstützung bei der Entwicklung der Region angesehen. Dabei waren die Anfänge alles andere als leicht.

Schocksituation „Osten“

Davon berichtete z.B. Ulrike Brüderle, die zu Beginn der Tätigkeit der Stiftung bei der Mittlerorganisation Deutsche Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit tätig und für die Wirtschaftsprojekte in Osteuropa zuständig war. Damit betreute sie auch die Entstehung der Stiftung für die Entwicklung Schlesiens. „Mein erster Besuch in Oppeln war im November 1991 oder 1992 und nachdem wir einen abenteuerlichen Weg von Dresden hierher hatten, war mein erster Eindruck am nächsten Morgen, als ich aus dem Hotel Opole kam ein gewisser Schockmoment. Dazu gehörten nicht nur die schlechten Straßen, die ich am Tag zuvor erlebt habe, sondern vor allem die Luftverschmutzung, die so groß gewesen war, dass ich mir meinen Schal vor den Mund halten musste“, erinnerte sich Ulrike Brüderle beim Jubiläumsempfang. All das sei aber sofort wie weg gewischt gewesen, als sie im damaligen Sitz der Stiftung mit den Menschen zusammengekommen ist. „Da habe ich das Engagement und den Ehrgeiz etwas zu ändern gespürt“, sagte Brüderle. Es folgten zwar schwierige Monate des Aufbaus und die Herausforderung, die Unterstützungsidee mit dem damaligen polnischen Recht in Einklang zu bringen, doch durch die Mitarbeiter und Verantwortlichen in der Stiftung fühlte sich Ulrike Brüderle immer auf der sicheren Seite, wie sie sagt.

Menschen im Vordergrund

Generell standen bei diesem 25. Jubiläum die Menschen im Vordergrund. Zum einen sind es die heute knapp 30 Mitarbeiter der Stiftung, zum anderen aber die „guten Engel“ der Anfänge, womit nicht nur die Gründer selbst gemeint sind, also die Vertreter der einzelnen Organisationen der deutschen Minderheit wie etwa Henryk Kroll aus der Oppelner Region, Blasius Hanczuch aus der Ratiborer Gegend oder Friedrich Schikora aus Gleiwitz. Es sind auch die ersten Mitarbeiter, allen voran die erste Direktorin Anna Knosala.

Menschen stehen aber auch im Vordergrund, wenn man von den „Kunden“ der Stiftung spricht, zu denen neben den Organisationen der deutschen Minderheit eben vor allem Unternehmer zählen. Sie sind es, auf die man bauen solle, sagte in seiner Eröffnungsrede der heutige Vorstandsvorsitzende der Stiftung Arnold Czech. „Nicht die Höhe des Darlehens ist wichtig, wie es unsere Kunden in den letzten Jahren gezeigt haben, sondern die Idee, die diese Menschen verfolgen. Und der Entwicklung neuer Ideen dient auch dieses Haus (das Businesszentrum – Anm. d. Red.), das neuen und sich weiterentwickelnden Unternehmen zur Seite steht, meinte Arnold Czech.

Garage der Zukunft

Und auch wenn der Stiftungsvorsitzende einschränkend sagte, man habe nur auf wenig einen direkten Einfluss, weil vieles anderenorts und von anderen Menschen entschieden werde, zeigte er sich für die Zukunft sehr positiv eingestellt. „Niemand hat der Stiftung je etwas geschenkt und ich hoffe, dass es so bleibt. Denn was man umsonst bekommt, schätzt man wenig, weshalb ich die Förderer bitte: Setzt die Messlatte immer höher, dabei aber immer so hoch, damit wir den Sprung auch schaffen können. Und wir werden uns bemühen in unserer Entwicklung immer weiter voranzuschreiten.

Die deutsche Konsulin in Oppeln Sabine Haake unterstützte diesen Gedanken und prophezeite gar: „So, wie die Stiftung einst einer Firma ein kleines Darlehen gab, damit sich diese in den nächsten Jahren zu einem der Marktführer in ihrer Branche in diesem Teil Polens entwickeln konnte, so kann es auch sein, dass morgen, in einer Woche oder in einem Monat ein junger Unternehmer an ihre Tür klopft, dessen Idee die Welt verändern könnte. Die heute so weltbekannten Firmen wie Apple oder Tesla hatten ihren Anfang ja in einer Garage und vielleicht steht ja so eine Garage, in der eine weitere weltverändernde Idee entwickelt wird, gerade in Schlesien.“

Mit dem Jubiläumsempfang im Businesszentrum in Oppeln gingen die Feierlichkeiten zum 25-jährigen Bestehen der Stiftung für die Entwicklung Schlesiens nicht zu Ende, denn u.a. für den September ist ein Galakonzert in der Oppelner Philharmonie geplant.

Rudolf Urban