Im Oberglogauer Kulturhaus wurde das Theaterstück „Mianujom Mie Hanka“ aufgeführt. Dieses Einpersonenstück wurde im Oktober 2016 vom Kattowitzer Theater Korez uraufgeführt. Auf der Bühne sitzt Hanka und erzählt in schlesischer Sprache, wie ihr Leben von klein auf in Schlesien ausgesehen hat.

 

Auf der Bühne erzählt Hanka was ihr im Leben in Schlesien widerfahren ist.
Foto: Manuela Leibig

 

Die ältere Dame Hanka näht und erzählt dabei welches Schicksal sie traf: Ihr Ehemann ist im Ersten Weltkrieg gefallen, ihr zweiter Ehemann wird in den Osten deportiert. Zwei ihrer fünf Söhne waren bei den polnischen Pfadfindern, und wurden in die polnische Armee einberufen, der älteste Sohn wurde in die Wehrmacht einberufen, ihre beiden jüngsten Söhne waren bei der Hitlerjugend. Hanka selbst entkommt nur knapp den russischen Soldaten 1945…

 

 

So viele Emotionen

 

Den Text dazu schrieb Alojzy Lysko, die Regie übernahm der Direktor des Korez Theaters Mirosław Neinert. In die Rolle von Hanka schlüpfte Grażyna Bułka, die u.a. schon Frau Schwientek bei dem Stück Cholonek gespielt hat. In der Aufführung in Oberglogau spielte sie das Stück bereits zum 80. Mal. Jedes Mal erlebt sie das Stück neu, und weint echte Tränen auf der Bühne. „Ich wollte kein Monodrama machen, das war nie mein Traum. Aber als mir der Regisseur den Text in die Hand zum Lesen gegeben hat, da wusste ich, dass ich bei diesem Stück nicht nein sagen kann, dass es wichtig in meinem Leben ist, nicht in der beruflichen Laufbahn, sondern privat”, sagt Grażyna Bułka, und fügt hinzu: „Denn manche Schicksale, die im Stück vorkommen, sind auch mit meiner Familie verbunden, meine Oma mütterlicherseits war eine Deutsche und ihr Ehemann ein Pole“, sagt Grażyna die in Schwientochlowitz (Świętochłowice) geboren ist, und neben dem ehemaligen Lager Zgoda ins Lyzeum ging. Im Stück kommt auch das Lager Zgoda zur Sprache, wo die Hauptdarstellerin mit ihren jüngsten Söhnen eingesperrt wird, jedoch erzählt Hanka nicht was ihr dort widerfährt: „Das Stück wurde so geschrieben, und das ist gut so, und ich glaube dass das Leben von Hanka sowieso schon so viele Emotionen bei den Zuschauern hervorruft, dass es wohl möglich zu viel gewesen wäre“ so die Akteurin.

 

 

 

 

Wie ein Bumerang

 

Die schlesische Mundart kennt Grażyna von zu Hause aus, es war ihr wichtig, die alten schlesischen Worte zu benutzen, die in Schlesien schon lange nicht mehr benutzt werden „Es sind Wörter die ich als Kind von 80-90 jährigen Nachbarinnen gehört habe wie wdycki, zawdy, und es kam wie ein Bumerang mit dem Text zurück zu mir.“ Auf der Bühne tritt Grażyna in einem Kleid von ihrer Mutter auf, auf der Nase trägt sie eine besondere Brille: „Das ist eine unglaubliche Geschichte, vor der Premiere besuchte ich meine Mutter und fand in einer Schublade mit alten Fotos die Brille von meinem Vater, der vor 30 Jahren gestorben ist. Ich dachte mir, dass diese Brille 30 Jahre auf mich gewartet hat, und dass ich sie auf der Bühne tragen muss. Das ist eine Art Verehrung für meine Eltern“ gibt die Akteurin zu. Für die Rolle von Hanka bekam Grażyna Bułka 2016 den Preis die „Goldene Maske“ der Woiwodschaft Schlesien in der Kategorie Frauenrolle. Das Stück wird im Korez-Theater in Kattowitz gespielt.

 

Manuela Leibig