Dr. Hans-Gert Pöttering Foto: Rudolf Urban

Im Schloss Groß Stein versammelten sich anfang dieser Woche Vertreter deutscher Minderheiten aus Mittel- und Osteuropa sowie den GUS-Staaten und die dortigen Seelsorger der Minderheiten, um über den Glauben aus Stütze der Identität zu diskutieren. Zum Auftakt sprach der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments Dr. Hans-Gert Pöttering.

 

Seine Festrede zum Thema „Politik aus christlicher Verantwortung – Die Bedeutung nationaler und religiöser Minderheiten für den europäischen Einigungsprozess“ widmete Dr. Pöttering zwar der Geschichte und der heutigen Situation der Mindereiten in der Europöischen Union, es war aber auch ein flammendes Plädoyer für die Einhaltung des Rechts in der EU. Die Grundrechte müssten heute um so mehr verteidigt werden, da in manch einem Land eine deutliche Trendwende gegen den europäischen Geist zu spüren sei. „Wenn eine Regierung z.B. die Gewaltenteilung zu beseitigen beginnt und die gegenwärtige Mehrehit meint, sie allein könne Recht setzen und die Gewaltenteilung beeinträchtigen, dann ist Gefahr im verzuge und es ist berechtigtrecht, wenn die Menschen sich für die Gewaltenteilung einsetzen“, sagte Hans-Gert Pöttering.

 

Menschenwürde

Was allerdings nach Pötterings Meinung die Sitaution der Minderheiten in der Europäischen Union ausmache, sei die Menschenwürde, die das Fundament nicht nur der einzelnen Gesellschaften bilde sondern auch der europäischen Staatengemeinschaft. „Für mich persönlich liegt in der Würde jedes Menschen der Kern unseres politischen Wertesystems. Wir gestalten Politik, die den Menschen dient. Alles andere würde keinen Bestand haben, nicht vor den Menschen und nicht vor der Geschichte“, un

terstrich Dr. Pöttering.

Daher gelte es auch die Minderheiten zu respektieren, denn der Umgang mit ihnen zeugt von der Größe eines Landes, einer Nation und einer Staatengemeinschaft wie der EU. „Eine Gesellschaft kann und muss sich daran messen lassen, wie sie mit Minderheiten umgeht. Sie muss deren Positionen nicht teilen, aber sie muss sie respektieren, weil es sich um Menschen handelt und es gilt die Würde eines jeden Menschen“, sagte Hans-Gert Pöttering.

 

Minderheitenpolitik

In seiner Festrede sprach der ehemalige EU-Parlamentspräsident alleridings nicht nur von den Aufgaben der Staaten, die sie gegenüber den Minderhieten im eigenen Land hätten. Eine wichtige Rolle komme den Ländern auch für ihre Landsleute im Ausland bei und hierbei spielt nach Meinung Pötterings die EU eine maßgebliche Rolle: „Der einfachste Weg für einen Nationalstaat sich um seine Minderheiten zu sorgen ist zweifelsohne die europäische Einigung, denn Minderheitenfragen lassen sich in Europa am einfachsten regeln. Und es sind die Extremisten, die Sündenböcke suchen, um sich selbst hochzusielen. Seien wir also wachsam gegen jede politische Bewegung, die andere zu Sündenböcken machen wollen, um sich slebst zu profilieren“.

Minderheitenpolitik sei Europapolitik, denn die Volksgruppen sind Teil des europäischen Erbes und geben dieses an die nächsten Generationen weiter. „Das Schicksal jeder Minderheit ist Teil der Schicksalsgemeinschafts Europas und unsere Aufage ist es diese Gemeinschaft in eine gute Zukuft zu führen und es ist mein christlicher Glaube, der mir Gewissheit gibt, dass wir es schaffen“, sagte zum Abschluss Hans-Gert Pöttering.

Nach seiner Festrede stellte Hans-Gert Pöttering (li.) den Fragen von Waldemar Gielzok, dem Vorsitzenden der Deutschen Bildungsgesellschaft. Foto: Rudolf Urban

Tagung

Heute sprechen die Teilnehmer der Tagung zunächst über den Glauben und die Identität, danach geht es um die Deutschen Minderheiten und die Ökumene. Um 16.30 Uhr gibt es dann in der Oppelner Kathedrale einen ökumenischen Gottesdienst samt Orgelkonzert.

Am Mittwoch stellen Vertreter einiger deutscher Minderheiten und die dortigen Seelsorger ihre Minderheitenpastoral vor, bevor es dann auf den St. Annaberg zu einer Andacht in der Basilika geht und zum Abschluss der Tagung.

Die Tagung „Glaube – Stütze der Identität” wird organisiert vom Bundesbauftragten für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten Hartmut Koschyk, dem Verband deutscher Gesellschaften in Polen, der Konrad-Adenauer-Stiftung und dem Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit.

 

Rudolf Urban