Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Friday, December 3, 2021

Minderheitenrechte mit Leben füllen

Unter dem Titel „Fokus: Minderheit – Rechte. Gefahren. Möglichkeiten.“ fand vom 15. bis 17. Oktober in Posen (Poznań) der dritte Teil der diesjährigen Jugendkonferenz (Konferencja Młodzieżowa) des Bundes der Jugend der Deutschen Minderheit (BJDM) statt. Im Zentrum der Zusammenkunft standen verschiedene Workshops zu den Themen Identität und Minderheitenrechte. Im Verlauf der Konferenz entwickelten die 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auch eigene Projektideen.

Die Jugendkonferenz ist eines der wichtigsten Formate des BJDM und wird bereits seit 2000 regelmäßig meist einmal im Jahr veranstaltet. Die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die als Mitglieder in den Jugendorganisationen der Deutschen Minderheit aktiv sind, treffen sich dabei in wechselnden Städten in Polen zum dreitägigen Austausch, nehmen an Workshops teil und eignen sich so fachliche und praktische Fertigkeiten für ihr weiteres Engagement in der Minderheit an. Darüber hinaus inspiriert die Konferenz immer auch zu neuen Ideen, Projekten und Kooperationen zwischen den verschiedenen Ortsgruppen des BJDM.

In diesem Jahr wurde die Jugendkonferenz erstmals in drei Blöcken durchgeführt. Nach den ersten zwei Teilen – einem Onlineworkshop zu den Gefahren von Rechtspopulismus und Rechtsextremismus im April sowie einer Bildungsfahrt nach Bielitz-Biala (Bielsko-Biała) und zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau im September – fand der dritte Teil nun in einem Hotel am Posener Maltasee (Jezioro Maltańskie) statt. Im Mittelpunkt standen dabei drei Workshops zu den Themen Identität und Minderheitenrechte. „Mit der Konferenz wollten wir erreichen, dass die jungen Leute ein Bewusstsein dafür bekommen, was es heißt, Teil einer Minderheit zu sein, welche Rechte Minderheiten haben und wie sie diese Minderheitenrechte in ihrem Alltag leben können“, sagt Dominik Duda, Kulturmanager des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa) beim BJDM und einer der Organisatoren des Projekts.

Die Teilnehmer, Referenten und Organisatoren der diesjährigen Jugendkonferenz in Posen (Foto: Dominik Duda/BJDM)

Eisbrecher, Stadtrundgang und Workshops
Pünktlich zum Beginn des Wochenendes reisten die 20 jungen Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Alter von 14 bis 26 Jahren am Freitagnachmittag aus zahlreichen Regionen Polens zu der Jugendkonferenz an. Nach einer Kennenlernrunde und einigen Integrationsspielen, die „das Eis brechen“ sollten, unternahm die Gruppe noch einen gemeinsamen Abendspaziergang durch das malerische Posen, um die deutsch-polnische Geschichte der Stadt zu erkunden – und tankte so Energie für die anstehende inhaltliche Arbeit, die in den nächsten knapp anderthalb Tagen folgen sollte.

Am Samstagmorgen begannen dann sogleich die interaktiven Workshops zu den Themen Identität und Minderheitenrechte. Geleitet wurden diese zum einen von Pia Šlogar, Externe Vertreterin des Netzwerks „Jugend Europäischer Volksgruppen“ (JEV), und zum anderen von Ewelina Stefańska, JEV-Kommissarin für Minderheitenrechte und Politik sowie Vertreterin des Kaschubisch-Pommerschen Vereins in Danzig (Gdańsk). Die jungen Leute beschäftigten sich während der Workshops unter anderem mit den Fragen „Was ist Identität?“, „Was ist eine Minderheit?“, „Welche Rechte haben Minderheiten?“ und „Wie füllt man die Minderheitenrechte konstruktiv mit Leben?“. In der Folge entwickelten sie in Gruppenarbeiten eigene Ideen für Projekte, die auch bei anderen Jugendlichen das Interesse an Minderheitenthemen wecken sollen. Dabei entstanden zum Beispiel Projektentwürfe für einen Fotoworkshop zu den deutschen Spuren in Kattowitz oder für eine generationenübergreifende Karnevalsfeier.

Auch gruppendynamische Aktivitäten kamen während der Konferenz nicht zu kurz. (Foto: Dominik Duda/BJDM)

Bei dem dritten Workshop – der teils digital durchgeführt wurde – war Maximilian Rößler, ifa-Kulturmanager beim Karpartendeutschen Verein in der Slowakei (KDV), aus Pressburg (Bratislava) zugeschaltet und befasste sich mit der Gruppe mit den Fragen, wie Minderheiten diskriminiert werden und wie man Stereotypen und Vorurteilen gegenüber Minderheiten begegnen kann. „In all diesen Einheiten brachten die Jugendlichen sich und ihre Erfahrungen ein. Sie haben auch einen Perspektivenwechsel vorgenommen, was bedeutet, dass sie nicht nur ihre eigene Rolle als Minderheitenjugend gesehen haben, sondern immer auch die Wirkung ihrer Aktivitäten auf andere“, so Dominik Duda.

Deutsche Gemeinschaften in Südamerika
In den Abendstunden wartete dann noch ein ganz besonderes „Schmankerl“ auf die jungen Leute: Im Rahmen einer Informationsveranstaltung unter dem Titel „Deutsche Minderheiten. Deutsche Gemeinschaften. Gemeinsamkeiten und Chancen“ wurde gezeigt, dass es neben den weitestgehend bekannten deutschen Minderheiten in Europa auch in Südamerika deutsche Gemeinschaften und Gruppen gibt – die ebenfalls Jugendarbeit betreiben. Dazu waren Dr. Marco Just Quiles, Projektleiter bei der Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland, sowie zwei Vertreter der Jugendorganisationen der deutschen Gemeinschaft in Argentinien, Maia Avruj und Gabriel Podevils, zu Gast bei der Jugendkonferenz. Sie stellten die Aktivitäten und Strukturen der deutschen Vereinigungen in Südamerika sowie die Initiative „#JungesNetzwerk“, die den kulturellen Dialog zwischen Deutschland und Lateinamerika fördern möchte, vor. Dabei präsentierten sie auch die Projektarbeit vor Ort und sprachen mit der Gruppe über die Gemeinsamkeiten zwischen den deutschsprachigen Gemeinschaften in Südamerika und der deutschen Minderheit in Polen.

Konzentriertes Zuhören während eines Workshops zu den Themen Identität und Minderheitenrechte (Foto: Dominik Duda/BJDM)

Am Sonntagvormittag ging die Jugendkonferenz, die über den Verband der deutschen sozial-kulturellen Gesellschaften in Polen (VdG) vom Bundesministerium des Inneren, für Bau und Heimat sowie vom Institut für Auslandsbeziehungen (ifa) finanziert wurde, dann auch schon zu Ende. Die Teilnehmenden präsentierten noch ihre Projektideen und ließen das Wochenende in einer kurzen Evaluationsrunde Revue passieren. Der Organisator Dominik Duda ist mit dem Verlauf des Treffens sehr zufrieden: „Für mich war die Jugendkonferenz ein voller Erfolg, denn neben den inhaltlichen Eindrücken, die alle Jugendlichen mitnehmen konnten, waren sie auch selbst sehr aktiv bei der Sache und haben ein großes Engagement gezeigt – und das alles in deutscher Sprache.“

Lucas Netter

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