Eine Kommune muss auf ihre Bürger hören, aber auch auf die dort tätigen Unternehmer. In Gogolin hat man für die letzteren ein spezielles Forum eingerichtet, bei dem sich die Firmenchefs einmal im Jahr zu einem Wirtschaftsfrühstück zusammenfinden. Diesmal fand es am Mittwoch vergangener Woche im Gogoliner Kulturzentrum statt.

 

 

Lokale Unternehmer und Vertreter der Politik tauschten sich beim Wirtschaftsfrühstück aus. Foto: UMiG Gogolin

 

 

“Dabei geht es uns als Gemeinde nicht darum, im aktuellen Haushalt geplante Vorhaben eventuell ganz zu verwerfen oder gravierend zu ändern, weil das vielleicht gerade von einer Gruppe postuliert wird. Es geht eher um einen allgemeinen Rückblick auf das erreichte. Natürlich wollen wir auch unsere Pläne vorstellen und diese mit den Unternehmen kritisch diskutieren”, sagt Gogolins Bürgermeister Joachim Wojtala. So sprachen die Teilnehmer nicht nur über die gerade gebaute Umgehungsstraße für die Ortschaften Chorula und Malnie sowie lokale Straßenbauinvestitionen in der Stadt, sondern auch über die Renovierung des Bahnhofs, der zukünftig nicht nur für Reisende da sein soll, sondern auch ein Gründerzentrum für kleine Firmen wird.

 

 

Wichtiger Austausch

 

Das Wirtschaftstreffen war auch eine gute Gelegenheit, die Arbeit des Entwicklungsrates der Gemeinde vorzustellen, dem seit 2016 der Vorstandsvorsitzende des Zementwerks Górażdże Andrzej Balcerek vorsteht. In seinem Referat antwortete er auf die Farge, wozu die Gemeinde Gogolin, die sich seit Jahren augenscheinlich gut entwickele, einen solchen Rat überhaupt brauche. “Wir sind eine Art Think Tank, der zunächst von keinen Regelungen beeinträchtigt wird. Wir sammeln Ideen und wollen auf die Probleme der Stadt und der Gemeinde zukunftsorientiert schauen”, sagte Balcerek und zählte auf, dass der Rat einen ebenso großen Stellenwert der Wirtschaft wie auch dem Schulwesen oder der Gesundheitsvorsorge beimisst.

Einen ganz praktischen Beitrag beim Wirtschaftstreffen leistete der Leiter des Oppelner Zentrums für Wirtschaftsentwicklung (OCRG) Roland Wrzeciono, der nicht nur die Kredit- und Darlehensmöglichkeiten vorstellte, die sein Zentrum und andere Partnerorganisationen aus EU-Mitteln für Unternehmen bereithalten, sondern auch darüber sprach, wie die Entwicklung der Mitarbeiter gefördert werden kann.

 

 

Grundsatzprobleme

 

Dagegen einen allgemeinen Ausblick auf die Wirtschaftsprognosen, die Konsequenzen der Migration und den Einfluss der Demografie auf die Entwicklung der Wirtschaft brachte Prof. Kazimierz Szczygielski von der Oppelner Technischen Hochschule näher. Mit Verweis auf die Oppelner Region stellte er dabei fest, dass gerade die Gemeinde Gogolin sich in einem sog. Gürtel des wirtschaftlichen Potenzials befinde, der sich von Oppeln bis nach Deschowitz und Kandrzin-Cosel erstrecke. Prof. Szczygielski stellte aber auch fest, dass die einstigen wirtschaftlich hochgestellten Gemeinden, bei denen es sich vornehmlich um diese mit einem hohen Anteil an Bewohnern von der deutschen Minderheit handele, nun ein wenig schwächer ausfallen. “Ich hoffe, dass es einfach nur in diesen Fällen eine Ruhephase ist, bevor es bald wirtschaftlich wieder schnell aufwärts geht”, sagte prof. Szczygielski.

 

 

Nicht nur Wirtschaft

 

Neben den lokalen Unternehmern und Verantwortlichen der Großunternehmen, die in der Gemeinde Gogolin angesiedelt sind, nahmen am Wirtschaftsfrühstück auch Vertreter von lokalen Gemeinschaften wie dem Seniorenrat teil, sowie Kommunal- und Regionalpolitiker wie der Oppelner Vizemarschall Dr. Roman Kolek, die Vizewoiwodin Violetta Porowska, Krapitz´ Bürgermeister Andrzej Kasiura oder der Groß Strehlitzer Landrat Jozef Swaczyna. Sie alle konnten sich nicht nur über die Wirtschaft und Politik austauschen, sondern auch Gogolin kulinarisch erleben. Zur Tradition der Wirtschaftsfrühstücke gehört nämlich auch, dass sich die Gogoliner Restaurants und Lebensmittelproduzenten präsentieren.

 

 

Rudolf Urban