Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Friday, October 22, 2021

Nachkriegslager kaum wahrgenommen

 

In Zusammenarbeit mit dem Verband der Deutschen Gesellschaften organisierte das Museum in Myslowitz die Vorführung des Films „Auf den Spuren der Vergangenheit. Arbeitslager in Oberschlesien nach dem II. Weltkrieg“. Das war das erste „Donnerstags-Treffen“ nach langer Pause.

„Wir organisieren Treffen zu unterschiedlichen Themen, und die sind immer am Donnerstag. Die Themen sind verschieden, es geht um Geschichte, Kunst und Kultur. Auch Menschen, die sich privat für Geschichte interessieren und z. B. Artefakten sammeln, waren bei uns schon zu Gast. Ich freue mich sehr, dass wir uns endlich wieder mit unseren Besuchern live sehen können und deren Emotionen und Meinungen während der Diskussion mitbekommen“, so Adam Plackowski, Direktor des Museums, über die Donnerstags-Treffen im Museum. Das gewählte Thema nach der langen Pause waren die Nachkriegslager für Deutsche in Schlesien. Die Nachkriegszeit und die Nachkriegslager in Oberschlesien beschäftigen die Mitarbeiter des Museums schon lange. Vorbereitet wurde u. a. eine Dauerausstellung zum Thema des lokalen Lagers „Rosengarten“, u. a. ist eine Tür, durch die die Menschen vom Verhör ins Lager geführt wurden, hier zu sehen. „Schlesien hat eine spezifische Situation. Schlesier müssen sich immer gegenüber dem Rest von Polen rechtfertigen, dass viele von uns eigentlich keine Deutschen sind, aber für deren Kriegsfehler de facto verantwortlich gemacht wurden. Die Zugehörigkeit zur Volksliste wurde teilweise erzwungen. Die Nachkriegslager waren die Konsequenz des Krieges“ so der Direktor des Museums. Das Lager Rosengarten in Myslowitz wurde auch als „Vorraum der Hölle“ bezeichnet.

 

Nach dem Film eröffneten die Protagonisten des Films, Regionalforscher Dawid Smolorz und Marek Dworaczyk, die Diskussion über die Nachkriegslager in Schlesien.
Foto: Manuela Leibig

Nach der Ausstrahlung des Films kamen die Hauptprotagonisten zu Wort: Regionalforscher Dawid Smolorz und, als Vertreter der jungen Generation, Marek Dworaczyk. „Ich hoffe, dass wir mit dem Film das Thema der Nachkriegslager ins Bewusstsein der Menschen rufen können, zumal das Thema nicht oder fast gar nicht in den Geschichts-Schulbüchern vorkommt. Da die Ereignisse von damals auf die Mentalität der Insassen und deren Angehörigen einen großen Einfluss hatten, finde ich, sollten alle Bewohner Oberschlesiens die Nachkriegslagerwahrnehmen“, so Dawid Smolorz. „Es war für mich ein großes Erlebnis, die Orte aufsuchen zu können, an denen früher die Lager waren. Ich kann bezeugen, dass wir im Geschichtsunterricht über die großen Kriegslager wie Auschwitz gelernt haben, doch die Nachkriegslager wurden nicht erwähnt, es war ein Tabuthema, von dem ich damals im Lyzeum noch nicht viel wusste“, so Marek Dworaczyk. Zu dem Film gibt es im VdG auch zugängliche Materialien für Lehrer, um das Thema mit Schülern aufarbeiten zu können.

 

Eine weitere Filmvorführung mit anschließender Diskussion mit den Protagonisten wird es am 21. Oktober um 17 Uhr in der Grundschule Nr. 43 in Stollarzowitz geben. Der Film ist ebenfalls auf dem YouTube Canal Wochenblatt.pl zu sehen.

 

Manuela Leibig

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