Renate Zajączkowska (li.) und ihre Nachfolgerin Krystyna Kadlewicz
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Am Samstag (06.04.2019) kamen 59 der 140 stimmberechtigten Mitglieder der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Breslau zusammen, um einen neuen Vorstand zu wählen. Die bisherige Vorsitzende Renate Zajączkowska stellte sich nicht mehr zur Wiederwahl.

 

Nach elf Jahren sollte nun Schluss sein. So hat es Renate Zajączkowska für sich entschieden und es den Mitgliedern der Breslauer DSKG gleich zu Beginn der Wahlversammlung unmissverständlich klar gemacht. Ein Grund für ihren Rückzug sei das Alter, wie Zajączkowska unterstrich, und keinesfalls vermutete Einflüsse von Außen. „Ich bleibe ja auch weiterhin Mitglied der Gesellschaft, in der ich mich engagieren werde, soweit die Kräfte reichen“, sagt die nun ehemalige Vorsitzende.

 

Renate Zajączkowska nahm am viele Dankeswort entgegen. Hier von Reiner Jarzombek und Izabella Kałamarz.
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Für ihre 11jährige Amtszeit dankten der 88jährigen Freunde und Wegbegleiter. „Sie waren das Herz unserer Gesellschaft und haben die DSKG entscheidend mitgeprägt“, sagte u.a. Reiner Jarzombek, eines der Vorstandsmitglieder der Breslauer Deutschen Minderheit. Zajączkowskas Nachfolgerin Krystyna Kadlewicz dagegen, bat sie um weitere Unterstützung und Hilfestellung.

 

Die Neue

Ab jetzt leitet sie die DSKG Breslau – Krystyna Kadlewicz.
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Krystyna Kadlewicz ist seit 30 Jahren Mitglied der Deutschen Sozial-Kulturellen Gesellschaft in Breslau und arbeitet als Reiseführerin in der niederschlesischen Metropole. „Als ich noch neben dieser Tätigkeit einen weiteren Beruf hatte, konnte ich mich natürlich nicht so stark in der DSKG engagieren. Nun habe ich aber mehr Zeit und viele Ideen, die ich mit der Unterstützung des neugewählten Vorstandes und der Mitgleider unserer Gesellschaft in die Tat umsetzen möchte“, sagt Krystyna Kadlewicz und verweist in erster Linie auf die heutigen, zugegeben vor allem älteren Mitglieder. Diese sollen weiterhin in der DSKG und dem Sitz einen Ort finden, an dem sie die deutschen Sitten und Bräuche, die Kultur und Sprache pflegen können.

 

Jugend

Doch auch die junge Generation soll nicht zu kurz kommen. Dafür will neben Kadlewicz Reiner Jarzombek als Vorstandsmitglied sorgen. „Breslau ist eine große Stadt, in der viele junge Menschen mit deutschen Wurzeln leben. Sie müssen wir erreichen, sie müssen wir ansprechen, damit unsere Gesellschaft auch eine Zukunft hat“, meint Jarzombek. Das werde zwar, wie im Jahresbericht vorgelegt wurde, bereits getan mit Deutschkursen, Ferienfahrten und Treffen für Kinder, sowie durch die Tätigkeit der Jugendgruppe. Reiner Jarzombek zielt aber auch auf diejenigen ab, die keine gebürtigen Breslauer sind, sondern wie er vor mehreren Jahrezehnten während ihres Studiums in Breslau leben und hier später bleiben.

Ob nun allerdings ein Ansturm auf das Büro der Deutschen Minderheit in Breslau, in der ul. Saperów kommt, zeigt die Zeit. Zunächst wird sich der neue Vorstand unter der Leitung von Krystyna Kadlewicz, zu dem neben Reiner Jarzombek Izabella Kałamarz und Jadwiga Zawada gehören, in ihrer teilweise neuen Rolle zurechtfinden und wohl auch die eine oder andere juristische Hürde überwinden müssen.

 

Ausländer

Zur Wahlversammlung kamen insgesamt 59 Mitglieder.
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Denn bevor Krystyna Kadlewicz sich über ihren Wahlsieg freuen konnte, mussten sich die Mitglieder der DSKG mit einer Frage auseinandersetzen: Wer kann Vorstandmitglied oder gar Vorsitzender werden. Ursprünglich standen nämlich neben der schließlich neugewählten Vorsitzenden noch zwei weitere Kandidaten im Raum: Jörg Giessler und Andreas Grapatin. Beide sind Mitglieder der Breslauer Deutschen Minderheit, beide sind aber zugleich keine polnischen Staatsbürger. Und genau dieser Umstand verbietet es ihnen, laut der aktuellen Satzung, zum Vorstand zu kandidieren. „Das bedeutet, dass es zwei Klassen von Mitgliedern in der DSKG gibt, was z.B. in der Glatzer Deutschen Minderheit nicht der Fall ist“, empörte sich Andreas Grapatin und stellte den Antrag die Satzung überprüfen zu lassen. Eine solche Diskriminierung sei seiner Meinung nach mit dem EU-Recht nicht vereinbar.

Bis zur nächsten Jahresversammlung hat nun der neugewählte Vorstand Zeit eine Antwort zu finden. Sollte die Satzung wirklich rechtswidrig sein, will Andreas Grapatin die diesjährigen Wahlen für nichtig erklären lassen.

Ob also auf die Breslauer DSKG im kommenden Jahr wieder Neuwahlen zukommen?

Rudolf Urban

 

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