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So mancher Pole wird am 1. Mai wohl mit Verwunderung auf seinen deutschen Nachbar geschaut haben. An diesem Tag wurde nämlich der Maibaum aufgestellt. Damit geht die deutsche Minderheit einer jahrhundertealten Tradition nach, die in Polen nur noch die DFKs am Leben erhalten.

 

Das in Polen nur wenige Menschen die Tradition des Maibaumes kennen, muss einen nicht wundern, schließlich ist der Maibaum vor allem für die südlichen und westlichen Bundesländer Deutschlands charakteristisch. Darüber, wo der Brauch, einen bunten Baumstamm im Zentrum des Dorfes aufzustellen kommt, streiten Wissenschaftler bis heute.

 

Ebenso gut könnte der Maibaum auch aus Schlesien kommen, denn dort pflegt die deutsche Minderheit diese Tradition in Erinnerung an die Bräuche ihres ehemaligen Vaterlandes. Im Volksmund heißt es, dass der Pfahl vor allem groß sein muss. Dafür steht beispielsweise der DFK Tworkau, wo der wohl größte Maibaum immer am ersten Wochenende dieses Monats aufgestellt wird: „Zum gemeinsamen Aufstellen des Maibaumes treffen wir uns schon zum neunten Mal, das heißt, dass wir im nächsten Jahr das zehnte Jubiläum dieser Tradition feiern werden“, sagt einer der Chefs des DFK Bruno Chrzibek. Den Tworkauern ist die deutsche Tradition wichtig. Wie sich noch einige Mitglieder erinnern, war die Aufstellung des Maibaumes vor dem Zweiten Weltkrieg in der Ortschaft noch Pflicht. Keinen Platz für deutsche Traditionen gab es hingegen im Kommunismus als Schlesien an Polen fiel. Als sich nach der Wende der DFK Tworkau begann sich zu organisieren, hatte man sich die Wiederbelebung deutscher Traditionen auf die Aufgabenliste gesetzt: „Wir wurden uns als Vorstand einig, dass besonders zwei Sachen uns am Herzen liegen, der Martinstag und der Maibaum. Diesen Beschluss haben wir konsequent umgesetzt“, so Bruno Chrzibek. Als wir den Aktivisten fragen, was am Tag der Maibaumaufstellung am wichtigsten ist, antwortet er, der Baum müsse schön geschmückt sein und vor allem „per Muskelkraft“ und ohne künstliche Hilfe aufgestellt werden.

 

Das der Maibaum nicht nur in Tworkau sondern auch zum Beispiel in Kadłub oder Klein Strehlitz aufgestellt wird, zeigt die Wichtigkeit und Beliebtheit der Tradition. Doch wozu wird der geschmückte Baumstamm eigentlich aufgestellt? Nach einigen Überlieferungen soll der Baum vor Unglück schützen und einen gesegneten Frühling bringen. Für viele aber hat er eine viel mehr persönliche Bedeutung. Ein Maibaum ist das Symbol von Liebe und Freundlichkeit, die mit dem Frühling kommen. Dank dieser Symbolik und der starken Bindung an die deutsche Kultur, stellen einige Mitglieder sogar in ihren Gärten ihre eignen kleinen Maibäume auf. So war es zum Beispiel im Falle vom Vorsitzenden des DFK Ruda O/S Marcin Buballa, der zeigte, dass es beim Maibaum nicht auf die Größe ankommt, sondern auf die Tatsache, die Tradition am Leben zu erhalten, die sonst in Vergessenheit geraten wäre.

 

Während der vom DFK veranstalteten Maibaumaufstellung, können alle Anwesenden auch ein deutsches Kulturprogramm und eine Bewirtung beim gemeinsamen Beisammensein genießen. Gefeiert wird dabei bis in die Abendstunden.

 

Łukasz Biły