Die polnische Regierung sieht Änderungen im Wahlgesetz vor. Für die Selbstverwaltungswahlen 2018 steht die Deutsche Minderheit deshalb vor neuen Herausforderungen.

 

 

Ein Workshop in Gogolin für Politiker der Selbstverwaltungen: Hubert Ibrom bereitet sich auf eine mögliche nächste Amtszeit vor. Denn im kommenden Jahr finden die Wahlen in den Selbstverwaltungen statt. „Ich bin jetzt in meiner ersten Amtszeit“, sagt das jüngste Mitglied des Kreistages von Groß Strehlitz, der vor Amtsantritt vor drei Jahren keinerlei Erfahrungen mitbrachte. „Ich hatte mich immer gesellschaftlich engagiert, aber nie politisch,“ gibt der 26-Jährige  zu. „Von meinen älteren Kollegen kann ich bestimmt einiges lernen.“

 

 

Abgucken wie es geht von denen, die es können. So wie Monika Wąsik-Kudla. Die 68-Jährige ist im politischen Geschäft ein alter Hase. Nach 20 Jahren im Stadtrat von Deschowitz ist sie jetzt Kreisrätin im Landkreis Krappitz. Kein leichtes Geschäft. „Ein Politiker ist wie ein Ritter in der Rüstung. Er gibt nicht auf.“ Es drehe sich alles um Erwartungen, sagt sie. „Wir müssen den Wählern verdeutlichen, dass die einen Vorhaben realistisch sind, die anderen nicht. Aber wir dürfen uns nicht über sie erheben.“

 

 

Ob man diplomatisches Geschick erlernen kann? Mit Sicherheit. Trotzdem findet  Wąsik-Kudla: „Ein Stadt- oder Kreisrat sollte das gewisse Etwas mitbringen.“

 

 

Bei dem Rest kann man gegebenenfalls nachhelfen, zum Beispiel durch Workshops wie dem am vergangenen Wochenende in Gogolin, organisiert vom Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit. Für die Politiker und Politikerinnen der Selbstverwaltungen aus den Reihen der Deutschen Minderheit gab es unter anderem Tipps und Tricks, wie man sein Verhandlungsgeschick verbessern kann, es ging aber auch um anstehende Änderungen im Wahlgesetz: „Die Regierung spricht viel darüber, dass sie die Wahlen neu gestalten möchte.

 

 

Demnach sollen diejenigen, die zwei Amtszeiten lang ein politisches Amt in den Selbstverwaltungen bekleidet haben, nicht mehr antreten können. Wir brauchen also schneller neue Kandidaten,“ sagt Rafał Bartek. Der SKGD-Chef weiß, dass die Deutsche Minderheit damit vor einer großen Herausforderung steht. „Es gibt Gemeinden, denen der Nachwuchs fehlt, weil sie sich beispielsweise nicht um kompetente Stellvertreter gekümmert haben. Andere wollen nicht einsehen, dass nach zwei Amtszeiten Schluss sein soll.“

 

 

Bis zu den nächsten Wahlen ist nur ein Jahr Zeit, woher also den Nachwuchs nehmen? Rafał Bartek ist überzeugt, dass es in jeder Gemeinde Menschen mit Potenzial gibt. „Wir müssen die Augen offen halten und mit ihnen ins Gespräch kommen.“

 

 

Der Landkreis Groß Strehlitz kann sich freuen. Mit Hubert Ibrom ist vorerst für Nachwuchs gesorgt. Doch die Beine hochlegen wäre jetzt der falsche Schritt. Schließlich: Nach der Wahl ist vor der Wahl.

 

 

Marie Baumgarten