Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, December 6, 2021

Nicht nur Eichendorff

Foto: Die ul. Josepha von Eichendorffa ist die einzige Straße in der Stadt, die an einen deutschen
Foto: Die ul. Josepha von Eichendorffa ist die einzige Straße in der Stadt, die an einen deutschen

Ab dem 1. Januar 2017 werden mehrere Dörfer rund um Oppeln zu einem Teil der Woiwodschaftshauptstadt. In diesem Zusammenhang müssen die Bewohner mit vielen Veränderungen rechnen, u.a. bei Straßenbezeichnungen, die heute in diesen Dörfern und in der Stadt selbst insgesamt doppelt oder mehrfach vorkommen. Dies ist einerseits ein Problem und andererseits eine Chance darauf, kulturelle Vielfalt in der Stadt zu fördern.

 

Angesichts der Erweiterung der Stadtgrenzen Oppelns besteht ein wesentliches Problem der Stadtverwaltung und der Einwohner darin, dass einige Straßennahmen sowohl in der Stadt, als auch in anzugliedernden Dörfern vorkommen. Während es zunächst hieß, dass nur in den Dörfern Straßennahmen geändert werden sollen, hat das Rathaus es sich nun offenbar anders überlegt. „Wir haben mittlerweile eine Analyse der Straßennamen und laufenden Nummern in Oppeln und benachbarten Dörfern abgeschlossen. Jetzt sind Beratungen im Gange und wir warten auf Vorschläge vonseiten der Vertretung der lokalen Gemeinschaft. Ob ein Straßenname geändert wird, hängt u.a. von der Anzahl der daran liegenden Adresspunkte und der geschichtlichen Gegebenheiten ab. Somit schließen wir auch Umbenennungen in Oppeln nicht aus“, sagte Piotr Letachowicz vom Pressebüro des Oppelner Rathauses.

 

Deutsche Oppelner

 

Diese möglichen Straßenumbenennungen in Oppeln selbst bieten den Stadtvätern etwa die Möglichkeit, die von Stadtpräsident Arkadiusz Wiśniewski vielfach beschworene kulturelle Vielfalt Oppelns stärker zu zeigen, auch im Hinblick auf die bevorstehende 800-Jahrfeier der Stadt. Denn anstatt sich neue Straßennamen einfallen zu lassen, weil einige davon geändert werden müssen, könnte man in der Geschichte der Stadt eine Reihe von Menschen finden, die zu ihrer Entwicklung beigetragen bzw. Oppeln in der Welt berühmt gemacht haben. Zu diesen Menschen gehört nicht zuletzt Friedrich Wilhelm Grundmann, der Begründer des ersten Zementwerkes in Oppeln, oder etwa auch Arkadiusz Wiśniewskis Vorkriegs-Vorgänger Wilhelm Augustini, Franz Goretzki und August Neugebauer. Aber auch der unlängst neu entdeckte Oppelner Fotograf Max Glauer. Und das sind nur einige wenige Beispiele.

 

Gute Idee

 

In Oppeln ist heute nur eine kurze Seitenstraße in Königlich Neudorf nach dem schlesischen Dichter Joseph von Eichendorff benannt. Und in Grudschütz hat ein Platz, der seinerseits nach der Schriftstellerin Renata Schumann benannt werden sollte, die Bevölkerung des Stadtteils gespalten. Und obwohl 2013 eine entsprechende Namenstafel an dem Platz enthüllt wurde, gelangte der diesbezügliche Stadtratsbeschluss bis vor das Oberste Verwaltungsgericht. Letzten Endes darf der Platz doch den Namen von Renata Schumann tragen.

 

Dass es im Hinblick auf Straßenbenennungen sinnvoll wäre, Namenspaten in Betracht zu ziehen, die eindeutig mit dem „deutschen Oppeln” in Verbindung gebracht werden, davon ist der Stadtrat Marcin Gambiec von der deutschen Minderheit überzeugt: „Es geht hier nicht lediglich um diejenigen Straßennamen, die auch in umliegenden Dörfern vorkommen. Das Problem ist größer“, unterstreicht Gambiec und führt einige Straßennamen an, über welche die jeweiligen Anwohner nicht glücklich sind. „Da sind etwa die Straßen Piaskowa oder Kamienna, deren Namen mit Oppeln und den Oppelnern, auch den Vorkriegsbewohnern, nichts gemein haben“, so Gambiec. Seiner Ansicht nach sollte man in diesen Fällen und auch bei neu gebauten Straßen über konkrete Namenspaten nachdenken.

 

Was sagt das Rathaus dazu?

 

Wir haben im Oppelner Rathaus nachgefragt, wie die Stadtverwaltung dazu stehe, Straßen nach Vorkriegs-Oppelnern zu benennen, doch das Pressebüro des Stadtpräsidenten äußerte keine Stellungnahme zu dieser Frage. Ob dies heißt, dass man dem Thema abgeneigt gegenübersteht? Dabei würde es sich gut in die bevorstehende 800-Jahrfeier Oppelns hineinkomponieren, auch herausragende Vorkriegsbewohner dieser schlesischen Stadt im Sinne ihrer multikulturellen Prägung zu ehren.

 

Rudolf Urban

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