In diesen Tagen präsentiert sich die Stadt Oppeln (Opole) als ein Mekka der Musikliebhaber. Der Schlesische Musiksommer ist da und in vielen Städten Schlesiens können Besucher Konzerte von Musikern aus aller Welt erleben. Außerdem sind Nachwuchsmusiker von überall her nach Oppeln gepilgert, um an den internationalen Musikkursen teilzunehmen.

 

Konzertmeister Tomasz Tomaszewski bei den internationalen Musikkursen in Oppeln mit Schülerin Maria Taihel aus Belarus und Pianistin Elzbieta Neumann aus Warschau. Foto: Marie Baumgarten

 

 

 

Stellen sich eine Welt ohne Musik vor. Wäre unser Leben dann nicht um einiges trostloser? Ja, würden wohl die meisten sagen. Diejenigen, die sie machen, genauso wie diejenigen, die sie hören. Nicht anders geht es Geigerin Maria Taihel, die extra aus Belarus nach Oppeln gekommen ist, um bei einem der ganz großen Meister der Geige Unterricht zu nehmen. Tomasz Tomaszewski, erster Konzertmeister bei der Deutschen Oper Berlin und Dozent der Berliner Universität der Künste, hat die internationalen Musikkurse ins Leben gerufen.

 

Dass die beiden sich für den gemeinsamen Unterricht in einem anderen Land treffen, mag im ersten Moment paradox klingen. Doch genau darum geht es, meint Tomaszewski. Reisen, um von einander zu lernen, sei in der Musikgeschichte schon immer von großer Bedeutung gewesen. „Schon im Barock, als die Geige entstanden ist, sind die Menschen gereist, um sich inspirieren zu lassen. Im Grunde genommen ist Kunst immer Austausch“, so Tomaszewski

 

 

Tomasz Tomaszewski bei den internationalen Musikkursen, hier 2016. Foto: www.kurs.opole.pl

 

 

Junge Musiker von überall her zusammenbringen, den Austausch fördern – das schaffen die internationalen Musikkurse seit nunmehr 28 Jahren. Darauf ist Tomaszewski besonders stolz. „Es ist eine Berufung, eine Art Lebensmission, die jungen Leute weiterzubringen.“

 

Tomaszewskis Schülerin Maria Taihel ist zum ersten Mal bei den internationalen Musikkursen dabei und ist eine von rund 130 Teilnehmern aus zehn Ländern der Welt, darunter Japan, Kanada und Frankreich. Sie alle verbindet die Musik. „Ich erhoffe mir von den Kursen, dass ich mich entwickle und mehr Selbstvertrauen bekommen“, sagt die 22-Jährige.

 

Wenn die Musikkurse am Abend zu Ende gehen, geben einige der jungen Musiker, die sich einen Auftritt zutrauen, Konzerte in unterschiedlichen Städten Schlesiens. Seit dem letzten Jahr plant Tomaszewski auch Konzerte in Deutschland und Tschechien statt. „Ein kleiner Teil von Schlesien liegt immerhin auch dort“, sagt er und nennt den Konzertzyklus deshalb „Schlesien ohne Grenzen“. Musiker aus Polen, Tschechien und Deutschland spielen gemeinsam Werke von Komponisten aus den drei Ländern, so der Plan. „Wir wollen die Grenzen vergessen“, sagt Tomaszewski. In diesem Jahr klappt das nur fast. Zwar wird ein Konzert in Görlitz stattfinden, wenn auch erst im November, doch Tschechien ist diesmal nicht dabei. Immerhin gibt es Hoffnung für das kommende Jahr: Derzeit laufen Gespräche für Konzerte in der Grenzstadt Troppau (Opava).

 

Das Abschlusskonzert des schlesischen Musiksommers findet am 23. August um 15.30 Uhr im Hotel „Salve“ in Oberglogau statt. Mehr Informationen dazu finden Sie im Internet unter http://www.kurs.opole.pl.

 

Das Konzert in Görlitz wird gemeinsam mit der Stiftung für die Görlitzer Stadthalle organisiert. Mehr Informationen werden demnächst auf der Internetseite www.stadthallenstiftung-goerlitz.de zu finden sein.

 

Marie Baumgarten