Das Hannsdorfer Bergland ist eine der weniger bekannten Bergketten in den Sudeten. Völlig zu Unrecht, denn diese um Hannsdorf (Hanusovice) gelegene Landschaft ist ein sehr interessantes Reiseziel. Es ist leicht hier Ausflüge zu planen, die zugleich lange Wanderungen erlauben und historisches Kulturgut näherbringen.

Auf dem Weg zum Gipfel des Ebereschberges: Weiden, der Muttergottesberg mit Kloster und das Adlergebirge.
Foto: Łukasz Malkusz

 

 

Unsere Wanderung beginnen wir ausnahmsweise nicht im Tal, sondern auf einem Gipfel. Der Muttergottesberg befindet sich über dem Städtchen Grulich (Kraliky) und ist aus dem Ort mit zwei Straßen problemlos zu erreichen. Einen großen Parkplatz gibt es direkt am auf 769 Metern gelegenen Kloster.

Ein Ziel für Pilger…

Der Berg war bereits seit dem Dreißigjährigen Krieg Ziel von Pilgern, unter denen auch Tobias Johannes Becker aus Grulich war. Schon als junger Mann äußerte er oft das Ziel, den Hügel zum bekannten Wallfahrtsort zu machen. Er wurde zu einem der bekanntesten Söhne der Stadt, indem er eine Karriere im Prager Klerus machte, bis ihn schließlich Papst Klemens XI. zum Bischof von Königgrätz (Hradec Kralove) ernannte. Das ermöglichte Becker in den Jahren 1696-1700 hier eine Kirche mit Kloster zu bauen. Schnell wurde der Ort populär, allein 1728 kamen hier 152.000 Wallfahrer. Bis heute ist es ein beliebtes Reiseziel.
Die Spitze ist auch ein sehr guter Ausblickspunkt. Das Panorama umfasst vor allem Grulich, das Hannsdorfer Bergland, das Adlergebirge und den Glatzer Schneeberg, in dessen Schatten unsere ganze Wanderung stattfinden wird.

 

 

…und für Wanderer

An der Klosteranlage halten wir nach den gelben Zeichen Ausschau, die uns an unser Ziel führen werden. Zunächst spazieren wir am ehemaligen Gasthaus „Zum Grünen Baum“ vorbei, das 1925 von der Familie Niessner gebaut wurde. Hinter dem Restaurant befindet sich eine Erhebung, auf der ein Aussichtsturm aus Stahl steht. Dieser erlaubt uns noch genauere Einblicke in die Bergketten der Umgebung. Grulich ist nicht mehr so gut sichtbar, dafür kann man sich das Kloster von oben anschauen. Etwa 40 Minuten lang spazieren wir zwischen Weiden und erfreuen uns an der wunderschönen Landschaft. Um unsere Route herum grasen nicht nur Kühe, sondern oft auch Pferde, die sich ihren Besuch ganz genau anschauen.
Weiter führt uns der gelbe Wanderweg kurz zusammen mit den blauen, wir folgen aber weiter den gelben Zeichen. Wir betreten einen Wald und es beginnt ein langsamer und angenehmer Anstieg – in der nächsten Stunde sollten wir etwa 200 Meter hinauf klettern. Dieses Teilstück bietet gute Ausblicke auf den Glatzer Schneeberg, der mehrmals links sichtbar ist. Nach einer 40 – 60 Minuten langen Wanderung zwischen den Bäumen, kommen wir wieder an einer Kreuzung an.

Wir können nun den blauen Wanderweg nehmen, und rechts oder links abbiegen. Wer eine Pause machen möchte, kann nach links gehen – in etwa 30 Minuten wird er an der Berghütte „Westmährische Baude“ ankommen. Wir empfehlen diese jedoch bei einer anderen Gelegenheit zu besuchen und gleich den Gipfel anzugreifen. Es ist kein besonders schwerer Anstieg, und in 20-35 Minuten sind wir auf der Spitze des Ebereschberges. Mit 1003 Metern ist dieser die höchste Erhebung des Hannsdorfer Berglandes. Die Ausblicke von hier sind sehr eingeschränkt, aber schon der Weg hier hin hat uns ja verwöhnt.

Der kürzeste Weg zurück ans Kloster führt weiter den blauen Wanderweg entlang. In den ersten 15 Minuten steigen wir steil runter, dabei sehen wir die Quelle der Stillen Adler. Danach erwartet uns noch ein 60 Minuten langer gemütlicher Spaziergang, bis wir zurück auf dem Parkplatz sind.

 

Łukasz Malkusz