Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, July 5, 2022

Das Schloss und seine Herren

Blottnitz (Błotnica Strzelecka, 1936–1945 Quellengrund) liegt an der Straße Nr. 94 von Groß Strehlitz (Strzelce Opolskie) nach Tost (Toszek), die weiter nach Beuthen führt. Die kleine Ortschaft besitzt eine außerordentlich interessante Geschichte.

 

Blottnitz: Die Geschichte des Blottnitzer Schlosses
Foto: Mateusz Koszyk

 

 

Auf ihrem Gebiet befinden sich insgesamt zehn archäologische Schutzgebiete. Die reiche Geschichte von Blottnitz gründet auf der günstigen Lage der Ortschaft, einst am Bernsteinweg, später an dem wichtigen Handelsweg von Groß Strehlitz nach Gleiwitz.

 

 

Die von Blotnicz

Die Johanniter, die das Dorf im Mai 1241 von Mieszko II. von Oppeln-Ratibor erhalten haben sollen, werden als die ersten Eigentümer von Blottnitz angesehen. Der Johanniterorden schlug hier allerdings keine Wurzeln und Blottnitz kam unter ungeklärten Umständen wieder in den Besitz der Herzöge von Oppeln zurück. Einer von ihnen, Boleslaus I., übergab das Dorf und seine Einkünfte am 17. November 1295 an die Heilig-Kreuz-Kirche zu Oppeln. Die ersten weltlichen Eigentümer von Blottnitz tauchen in Dokumenten auf, die auf die erste Hälfte des 15. Jahrhunderts datiert sind. Bei ihnen handelte es sich um die Brüder Nicolay Ritter und Schambor Marschalkh Gebrüder von der Blotnicz (1438) sowie Niklas von der Blotnicz (1442). Tschamber (Schambor) von Blotnicz wird ebenfalls auf einem Dokument aus dem Jahr 1445 erwähnt. In einem etwa 30 Jahre später angefertigten Schriftstück taucht dann ein gewisser Jan von Blotnicz auf. In Quellen aus späteren Zeiten fehlen leider Informationen zu den Eigentümern des Dorfes. Möglicherweise wiesen sie, wie auch ihre Vorgänger, Verbindungen zum Familienstamm der Centawskis auf.

 

Die von Posadowski-Wehner

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts machte sich der frisch geadelte Breslauer Kaufmann und Bankier Andreas von Wehner (1663–1741) auf, Landgüter in Nieder- und Oberschlesien zu erwerben. Innerhalb kürzester Zeit gelang es ihm, eine Reihe von Landgütern zu kaufen, unter anderem Centawa, Blottnitz, Groß Pluschnitz (Plużnica Wielka), Nieder Dammer (Dąbrowa Dolna) und Mittel Dammer (Dąbrowa Środkowa), Dammitsch (Dębiec), Petersdorf (Pieszków) und Warmuntowitz (Warmątowice). Nach seinem Tod gingen sie in den Besitz seines Sohnes, Carl Friedrich von Wehner (1706–1784), über, der zunächst eine Ordination schuf, aus der die Fideikommiss Centawa-Blottnitz hervorging, um eine Zersplitterung der Güter zu verhindern. Im Jahr 1754 wandelte er sie in ein erbliches Majorat um, das vom ältesten Sohn oder vom nächsten Verwandten geerbt wurde. Leider war ihm im Privatleben kein Glück beschert. Zwei seiner Kinder verstarben früh und es blieb nur die jüngste Tochter Amalia. Interesse an dem blutjungen und vermögenden Fräulein meldete der ehemalige preußische Hofmarschall Graf Friedrich Wilhelm von Posadowski aus dem nahegelegenen Tost an, der sich einige Jahre zuvor von seiner ersten Ehefrau, der Gräfin Wilhelmine Louise von Posadowski (Marquise de Varenne) – ehemalige Dame am Hofe der preußischen Königin – hatte scheiden lassen. Die prächtige Hochzeit fand am 2. Februar 1761 statt. Trotz des großen Altersunterschiedes verlief die Ehe glücklich und überaus harmonisch. Amalia gebar sieben Kinder – vier Söhne und drei Töchter. Im September 1776 verstarb sie leider im Alter von nur 35 Jahren. Seitdem bemühte sich der betagte Carl Friedrich von Wehner um die Zusammenlegung der Namen beider Familien. Schließlich willigte der preußische König ein. Der erstgeborene Sohn Amalias, Karl Friedrich Emil nahm den Namen Posadowski-Wehner (1761–1840) an und übernahm das Majorat Centawa-Blottnitz. Er begründete den Stamm der Familie, der bis 1945 über Blottnitz herrschte. Ihr letzter Vertreter, Graf Sylwiusz von Posadowski-Wehner, war noch vor einigen Jahren in Schlesien zu Besuch. Erwähnenswert ist, dass die Adelsfamilie etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts die polnische Version des Familiennamens verwendete, der zwischenzeitlich in „Posadowsky“ umgewandelt worden war.

 

Geheimnisvolle Geschichte

Das bis heute erhaltene klassizistische Schloss wurde Mitte des 19. Jahrhunderts erbaut. Es handelt sich dabei um einen recht bescheidenen, aber interessanten Ziegelbau auf rechteckigem Grundriss mit einer Fläche von 1.667 m². Der Hauptteil mit dem zentral angeordneten Belvedere ist zweistöckig und mit einem Walmdach gedeckt. Daran grenzen zwei einstöckige Anbauten mit Flachdächern an, auf denen sich Terrassen mit Balustraden befinden. (…)

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren zunächst Soldaten der Roten Armee für eine gewisse Zeit im Schloss stationiert, danach kamen polnische Soldaten. Letztgenannte fanden im Schloss versteckte Korrespondenzen und Dokumente, die von der Zusammenarbeit des Grafen Posadowski mit den Aufständischen zeugten. In einem Bericht des Landrates von Groß Strehlitz vom 27. August 1945, der unter dem Titel „Rok pierwszy w powiecie strzeleckim“ (Das erste Jahr im Landkreis Groß Strehlitz) Eingang in die Quellensammlung fand, wird über die Such- und Sicherstellungsaktion von Kunstwerken durch Beamte des Referats Kultur und Kunst folgendes berichtet: „(…) Und so konnten im Blottnitzer Schloss unter Müll- und Schuttbergen etwa 80 alte deutsche, lateinische, englische und französische Bücher aufgefunden werden, die aus dem 17., 18. und 19. Jahrhundert stammten. Überdies wurden große allegorische Bilder (Impressionismus) sowie einige zerstörte Porträts aufgefunden“.

 

 

 

 

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