Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Die fast vergessene Tragödie

Foto 1: Die Namen am Hindenburger Denkmal der Opfer der Abwehrgrube sind kaum mehr zu erkennen Foto: Piotr Brzezina.
Foto 1: Die Namen am Hindenburger Denkmal der Opfer der Abwehrgrube sind kaum mehr zu erkennen Foto: Piotr Brzezina.

Es steht in einer Gegend, in der es eigentlich keiner erwarten würde. Eine kleine Grünfläche zwischen Autogaragen und Wohnblöcken, in der Mitte das Abbild Christi aus Stein, umgeben von zwei Symbolen der Bergmänner. Das Denkmal der Tragödie der Grube „Abwehr“ zählt zu den wohl unbekannten in Schlesien. Das und das Aussehen des Denkmals wollen jetzt Heimatfreunde aus Hindenburg ändern.

 

Mit gerade einmal neun Teilnehmern sieht das Interesse an der Erneuerung des Bergmannsdenkmals in Hindenburg etwas mäßig aus. Vor allem im Internet, insbesondere auf Facebook wird für die Initiative geworben, welche die eher weniger bekannte Geschichte Schlesiens zum Vorschein bringen soll. Schließlich haben viele von den Opfern von Lamsdorf oder Zgoda gehört, die Oberschlesische Tragödie des Winters 1945 ist bereits ein gängiger begriff. Doch auch in den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts hat Schlesien Tragödien erlebt, deren Spuren noch bis heute zu finden sind. Dazu zählt die Geschichte der „Abwehrgrube“ im Hindenburger Stadtteil Mikultschutz O/S, heute Mikulczyce. Bereits zu Zeiten der Weimarer Republik arbeiteten schlesische Bergmänner dort in einer der modernsten Kohlengruben im ganzen Reich.

 

Doch auch die modernste Technik konnte vor allen Fehlern nicht retten. Am 10. Januar 1923 kam es aufgrund der Explosion einer Benzollokomotive zu einem Feuer, welches das Leben von 43 Bergmännern kostete, die den Tod in den Flammen fanden. Das Leid ihrer Familien war umso größer, da man aufgrund der Vergiftung der Umgebung anfangs nur drei Leichen bergen konnte. Erst nach einem halben Jahr konnte man größere Fortschritte machen, doch schließlich wurde weniger als die Hälfte der Toten gefunden. Die Leichen die Gefunden worden sind, wurden mit den größten Ehren überschüttet. Die damalige Verwaltung der Grube hat ein imposantes Begräbnis veranstaltet, an dem Vertreter der Bergmannsgemeinschaft aus Gleiwitz und Breslau teilnahmen. Doch das Andenken an die Tragödie sollte für die Ewigkeit erhalten bleiben. In der Mitte des Mikultschützer Friedhofes hat man den Opfern ein Denkmal errichtet, in das man ihre Namen eingemeißelt hat.

 

Wie viele Denkmäler, hielt aber auch das in Hindenburg den polnischen Kommunisten nicht stand. Da man eine Legitimierung für die polnische Vergangenheit der „wiedergewonnen“ Gebiete brauchte, wurden oft sämtliche Anzeichen des Deutschtums aus der Öffentlichkeit in Schlesien verbannt. So wurden auch am Denkmal der Opfer der Abwehrgrube die deutsch klingenden Namen abgeschlagen. Geblieben sind einzig das Abbild Christi und vier gekreuzte Hämmer – die Symbole schlesischer Bergmänner.

 

Nun wollen aber selbst erklärte Freunde der schlesischen Tradition den Opfern der Abwehrkatastrophe ihre Würde wiedergeben. Die Gesellschaft „Wir retten Hindenburger Denkmäler“ startete auf Facebook eine Aktion, die das Ziel hat, die Umgebung des Denkmals zu säubern und die Namen der Bergmänner wieder sichtbar zu machen. Die offene Form der Gesellschaft trägt dazu bei, dass praktisch jeder, der mithelfen will, dazu eingeladen ist.

 

Doch das Bergmannsdenkmal ist nicht das einzige, dass die Gesellschaft zu retten versucht. Durch ihre Tätigkeit machten sie zum Beispiel auch auf eine nötiger Renovierung des Hindenburger Wasserturms aufmerksam. Besonders viele Denkmäler, für die sie sich einsetzt, sind ein Teil des deutschen Kulturerbes, doch nationale Ressentiments scheinen ihre Vertreter nicht zu pflegen, weil es doch die gemeinsame Vergangenheit ist.

 

Die Renovierungsarbeiten am Hindenburger Denkmal der Opfer der Abwehrgrube sollen vom 15. bis zum 17. April erfolgen.

 

Łukasz Biły

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