Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, July 5, 2022

Kulturpreis Schlesien vergeben

Der Niedersächsische Minister für Inneres und Sport, Boris Pistorius, hat am 29. September 2018 im niederschlesischen Liegnitz (Legnica) den 42. „Kulturpreis Schlesien“ des Landes Niedersachsen verliehen. Die Hauptpreise gingen an den Historiker Prof. Dr. Joachim Bahlcke von der Universität Stuttgart sowie an den Breslauer Künstler, Dirigenten und Pädagogen Andrzej Kosendiak. Der Sonderpreis wurde an die Stiftung der Schlösser und Gärten im Hirschberger Tal, vertreten durch die Direktorin Grażyna Kolarzyk, verliehen.

 

vl. erste Reihe: Minister Boris Pistorius, Prof. Joachim Bahlcke, Grażyna Kolarzyk, Andrzej Kosendiak, Dr. Tadeusz Samborski von der Woiwodschaft Niederschlesien. Hintere Reihe vr: Breslauer Museumsdirektor Dr. Maciej Lagiewski, der Bürgermeister der Stadt Liegnitz Tadeusz Krzakowski
Foto: Klaudia Kandzia

In seiner Rede beim Festakt in der Ritterakademie von Liegnitz hob Boris Pistorius die langjährige Verbundenheit zwischen Niedersachsen und Niederschlesien hervor. Der Kulturpreis Schlesien habe sich im Laufe der Jahre zu einem deutsch-polnischen Begegnungspreis entwickelt. „Die Menschen engagieren sich auf verschiedenste Weise für den Erhalt und den Ausbau der Kulturlandschaft in Schlesien. Das gilt für Deutsche, die aus diesem Gebiet stammen oder deren Eltern oder sogar Großeltern hier gelebt haben genauso wie für die polnische Bevölkerung, die heute hier zu Hause ist“, so Pistorius. Außerdem sei eine Zusammenarbeit über nationale Grenzen hinweg nicht selbstverständlich und müsse von allen Seiten intensiv gepflegt werden.

 

Nachwuchswissenschaftler für Schlesien begeistern

Für eine solche Pflege setzt sich der in Göttingen geborene Historiker Prof. Dr. Joachim Bahlcke ein. Er ist derzeit an der Universität Stuttgart in der Abteilung „Geschichte der Frühen Neuzeit“ tätig und hat zahlreiche Publikationen mit Bezug zu Schlesien verfasst und herausgegeben. Unter anderem ist er Mitherausgeber eines der größten deutsch-polnisch-tschechischen Kooperationswerke der Geisteswissenschaft in den vergangenen Jahren, dessen Initiator das Haus der Deutsch-Polnischen Zusammenarbeit ist: „Geschichte Oberschlesiens. Politik, Wirtschaft und Kultur von den Anfängen bis zur Gegenwart“.

„Nicht das vermeintliche Grenzland, sondern die über lange Jahrhunderte offene und eigenständige Brücken- und Begegnungslandschaft strahlte von Beginn an eine besondere Faszination aus“, sagte der Hauptpreisträger des 42. Kulturpreises Schlesien. Umso mehr bedauere er, dass es in Deutschland immer schwerer werde, diese Begeisterung weiterzugeben und Interesse für die Kultur und Geschichte Schlesiens bei jüngeren Nachwuchswissenschaftlern zu wecken. „Das hat gewiss viele Gründe, auch und vor allem außerwissenschaftliche“, so Bahlcke. Umso mehr seien alle Initiativen zu begrüßen, die darauf abzielen, dieses Wissen weiterzugeben, Begegnungen zu fördern und Kenntnis der Orte zu vermitteln, die im Mittelpunkt so unterschiedlicher Erinnerungen und Erzählungen stehen. „Der Kulturpreis Schlesien des Landes Niedersachsen ist eine solche Initiative, deren Bedeutung für diese Vermittlungsaufgabe nicht hoch genug einzuschätzen ist“, sagte er.

 

Unterschiedlichste Traditionen bekannter machen

Das sieht auch Andrzej Kosendiak so, der zweite Hauptpreisträger. Geboren in Breslau, ist er heute Direktor des Nationalen Forums für Musik in der niederschlesischen Hauptstadt. Kosendiak engagiert sich seit vielen Jahren in der Entwicklung des Bildungssystems und fördert das Musik- und Kulturleben in Niederschlesien durch zahlreiche Initiativen, die häufig eine internationale Wirkung entfalten. Seit Beginn seiner Arbeit am Konzept des Nationalen Musikforums sei es für ihn klar gewesen, dass diese Einrichtung, deren Name an die Idee des antiken Forums anknüpft, unbedingt zu einem Ort des Dialogs, der Zusammenarbeit und der kreativen Auseinandersetzung von Künstlern werden soll, die unterschiedliche Kunstrichtungen vertreten und aus verschiedenen Kulturkreisen kommen. „Es freut mich sehr, dass wir gemeinsam mit Künstlern des Nationalen Musikforums Musik, die eine Verbindung zu Schlesien hat, aufnehmen und darbieten können – Werke hiesiger Komponisten, Musikstücke aus erhaltenen Manuskripten und alten Druckschriften, Werke, die eine Verbindung zu Orten oder zu Menschen Niederschlesiens aufweisen. Es ist unsere Pflicht, die Tradition von verschiedenen in Niederschlesien lebenden Nationen, Konfessionen und ethnischen Gruppen zu vertiefen und zu popularisieren“, sagte Kosendiak.

 

Landschaftlichen und architektonischen Reichtum fördern

Die Stiftung „Schlösser und Gärten im Hirschberger Tal“ hat in diesem Jahr den Sonderpreis erhalten. Die Direktorin Grażyna Kolarzyk nahm den Preis stellvertretend entgegen. Die Stiftung hat zahlreiche Publikationen zur Geschichte und Gegenwart des Hirschberger Tals veröffentlicht, und sie konnte erreichen, dass ein Teil der vorhandenen Objekte in die Liste der Nationalen Geschichtsdenkmäler Polens aufgenommen wurde. Die Stiftung ist vor 13 Jahren ins Leben gerufen worden, um das einzigartige Kulturerbe dieser Region am Fuße des Riesengebirges zu schützen und zu fördern. Ziel der Stiftung ist es, dass das Tal der Schlösser und Gärten in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wird. „Die Verleihung dieses ehrenvollen Preises wird noch mehr zur Förderung des landschaftlichen und architektonischen Reichtums des Hirschberger Tals beitragen“, so die Direktorin.

Der Kulturpreis Schlesien wurde 1977 ins Leben und dient der Würdigung von Künstlern, Wissenschaftlern oder Persönlichkeiten, die hervorragende Arbeiten auf dem Gebiet der Literatur, der bildenden Kunst oder der Musik geleistet haben. Sie stammen entweder selbst aus Schlesien oder ihr Werk weist Bezüge zu Schlesien auf. Die beiden Hauptpreise sind mit je 4.000 Euro, der Sonderpreis ist mit 3.000 Euro dotiert.

 

 

Marie Baumgarten

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