Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Thursday, May 26, 2022

Noch kein Lockdown – Polen mit landesweiten Beschränkungen

Symbolfoto Foto: Juraj Varga/Pixabay

 

Die polnische Regierung hat heute (23.10.) im Zuge der rasant steigenden Zahl an Covid-19-Infizierten neue Beschränkungen eingeführt, die ab dem 24. Oktober im ganzen Land gelten. Damit will man einen Lockdown, wie wir ihn im Frühling dieses Jahres erlebt haben, verhindern.

 

Die eingeführten Beschränkungen in Polen gelten vor allem für das Bildungswesen, soziale Kontakte und einige Zweige der Wirtschaft, wobei hier vor allem die Gastronomie sowie Sporteinrichtungen und Sanatorien betroffen sind.

 

Fitnessclubs und Schwimmbäder wurden ja bereits vor einigen Tagen geschlossen, was für Kritik sorgte, zumal die Betreiber unterstrichen haben, es gäbe bislang keinen Anhaltspunkt, dass diese Einrichtungen Hotspots für die Verbreitung des Coronavirus gewesen wären. Nun werden auch Sanatorien geschlossen, wobei Menschen, die ihren Kuraufenthalt bereits begonnen haben, diesen auch zu Ende bringen können. Danach ist aber vorerst Schluss.

 

Hart trifft es die Gastronomie, denn die Bars und Restaurants müssen geschlossen bleiben. Ein Ausweg für die Gastronomen ist die Einrichtung eines Lieferservices, was aber für viele keine Existenzsicherung bedeutet, vor allem nach dem landesweiten Lockdown im Frühjahr, von dem sich die Branche bis heute nicht erholt hat.

 

 

Bildung

Nachdem Studenten weitestgehend schon seit Anfang Oktober Vorlesungen online absolvieren und nur an praktischen Einheiten an den Hochschulen direkt teilnehmen, gilt nun auch für alle Schüler ab der 4. Grundschulklasse Online-Unterricht. Zudem dürfen Kinder und Jugendliche zwischen 8.00 und 16.00 Uhr das Haus nur unter Aufsicht eines Erwachsenen verlassen.

 

Bei Schulkindern von der 1. bis 3. Grundschulklasse sowie im Kindergarten ist ein normaler Unterricht in der Schule vorerst möglich, soweit kein Infizierungsverdacht in der jeweiligen Klasse oder Gruppe vorliegt.

 

 

Soziale Kontakte

Sportevents, darunter auch Fußballspiele finden ohne Zuschauer statt, an Kulturevents können dagegen so viele Menschen teilnehmen, die nicht mehr als 25% der Vollauslastung der jeweiligen Räumlichkeit ausmachen.

 

Die Zahl der Kunden in den Geschäften wird begrenzt und anhand der Fläche berechnet. So gilt für Geschäfte bis zu 100m2 Fläche, dass sich 5 Kunden pro Kasse gleichzeitig im Geschäft befinden dürfen. Für Geschäfte über 100m2 Fläche fallen 15 Quadratmeter pro Kunden an.

 

Die Sitzplätze in den öffentlichen Verkehrsmitteln dürfen nur bis zu 50% besetzt sein.

 

Partys, Veranstaltungen, Treffen und Demos werden auf max. 5 Personen beschränkt, es sei denn es kommen Personen zusammen, die in einem gemeinsamen Haushalt leben, oder es handelt sich um dienstliche Treffen (Besprechungen, Sitzungen usw.).

 

Senioren ab dem 70. Lebensjahr, die keiner Arbeit mehr nachgehen, wurden von Premierminister Morawiceki gebeten das Haus nicht zu verlassen. Die Regierung bat während der Pressekonferenz vor allem auf die älteren Mitmenschen zu achten und ihnen bei Bedarf zu helfen. Es soll auch für die Senioren ein gesonderter Unterstützungsdienst aufgebaut werden, der sie im Alltag, z.B. beim Einkaufen unterstützt.

 

Aktualisierung: Die später veröffentlichte Verordnung der Regeierung spricht aber schon einem einem Ausgangsverbot für Senioren über dem 70. Lebensjahr. Ausnahmen sind nur erlaubt, wenn eine Person sich zur Arbeit, zum Einkaufen oder zum Gottesdeinst begibt. In anderen Fällen müssen Senioren mit hohen Geldbußen rechnen!

 

 

Kirche

In ganz Polen gelten die bereits früher eingeführten Einschränkungen bezüglich der Gottesdienste in Kirche. Bei Messen, Andachten und anderen religiösen Begegnungen in den Kirchen müssen für jeden Gläubigen mindestens 7m2 zur Verfügung stehen. Anhand dieser Regelung legen die Priester die maximale Teilnehmerzahl in jedem Gotteshaus fest.

 

Die neuen verschärften Regeln in Polen sollen zunächst bis zum 8. November gelten. Sollte die Infiziertenzahl in diesem Zeitraum deutlich nach Unten gehen, können einige Beschränkungen aufgehoben werden. Bei der heutigen Pressekonferenz sagte Premierminister Morawiecki aber auch, im schlimmsten Fall stehe auch ein genereller Lockdown als Maßnahme weiterhin im Raum.

 

ru

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