Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Monday, August 8, 2022

Wort zu Weihnachten

Wort zu Weihnachten von Bischofsvikar Dr. Peter Tarlinski

 

(Unser) Leben zwischen Verheißung und Erfüllung

Die Zeit im Advent und Weihnachten sind zwei Realitäten, die sich gegenseitig ergänzen. Der Advent kündigt an, was sich an Weihnachten erfüllt. Gott verheißt den Menschen, was er für sie tun wird und Gott lässt die Ankündigungen wahr werden. Als Christen sind wir Erben dieser Handlungen Gottes. Wir erinnern an die Verheißungen Gottes und erleben ihre Erfüllung in der Gegenwart. Gott hat sich selbst angekündigt und ist tatsächlich gekommen. Er hat sich entschieden, unter den Menschen zu wohnen und in Christus ist er tatsächlich da. Die Menschen haben auf den Messias gewartet, sie haben gehofft, dass er kommt. Er wurde in Bethlehem geboren, nahm seinen Platz unter den Menschen an und ist bei uns geblieben. Jesus ist nicht nur heute unter uns. Er wird es auch bleiben bis an das Ende der Zeiten.

 

Ankündigung des Messias
Führen wir uns nun die Verheißungen Gottes vor Augen. Am vierten Adventsonntag wird in der katholischen Eucharistiefeier ein Abschnitt aus dem Buch Micha gelesen (5,1-4a). Diese Schrift gehört zu einer Sammlung, die 12 Prophetenbücher enthält. Sie werden auch „Zwölf kleine Propheten“ genannt. Der von Micha verfasste Text bezieht sich auf die sozialen Verhältnisse in der Zeit zwischen 757 und 679 vor Christus. In dieser Zeit waren auch die Propheten Jesaja, Amos und Hosea tätig. Im Buch Micha werden die sozialen Probleme seiner Zeit angesprochen. In den Vordergrund stellte er die Habgier und Korruption der Herrschenden. Sie haben sich auf Kosten der Ärmeren bereichert, indem sie den Kleinbauern ihre Felder abgenommen hatten. Ohne Ackerflächen und Weiden konnten sie nur als Arbeiter auf den Feldern ihrer Herren überleben. Hinzu ist auch der Zusammenbruch des religiösen Lebens gekommen. Als Folgen des Zerfalls der Gerechtigkeit und der Abkehr von Gott sah der Prophet den Untergang des Nordreiches Israels. Das ist auch eingetreten mit der Eroberung der Hauptstadt Samaria und dem Vormarsch der Assyrer auf Jerusalem im Jahre 701.

 

Wenn das Recht nicht getan, Güte gegenüber dem anderen nicht gelebt wird und die Wege Gottes nicht befolgt werden – wenn also Menschen- und Gottesliebe fehlen (Micha 6,8) – dann bricht alle öffentliche und soziale Ordnung zusammen. Ein Neuanfang im Heil ist somit nur möglich, wenn das Unheil Israels dem Volk zur Lehre geworden ist (Till Magnus Steiner).

 

Dennoch richtet der Prophet Micha an sein Volk auch tröstende Worte. Diese weisen auf die Ankunft des Messias hin. Da heißt es: „So spricht der Herr: Du, Bétlehem-Éfrata, bist zwar klein unter den Sippen Judas, aus dir wird mir einer hervorgehen, der über Israel herrschen soll. Seine Ursprünge liegen in ferner Vorzeit, in längst vergangenen Tagen. (…) Er wird auftreten und ihr Hirt sein in der Kraft des Herrn, in der Hoheit des Namens des Herrn, seines Gottes. Sie werden in Sicherheit wohnen; denn nun wird er groß sein bis an die Grenzen der Erde. Und er wird der Friede sein.“

 

Quelle: Rafael Santi/Wikipedia

 

Das Erscheinen Jesu Christi
Der verheißene Messias ist mit der Geburt Jesu unter den Menschen erschienen. Dies geschah in Bethlehem, wo sich während der Volkszählung Josef mit Maria, die ein Kind erwartete, aufhielt. „Da erfüllten sich die Tage, dass sie gebären sollte, und sie gebar ihren Sohn, den Erstgeborenen. Sie wickelte ihn in Windeln und legte ihn in eine Krippe, weil in der Herberge kein Platz für sie war. In dieser Gegend lagerten Hirten auf freiem Feld und hielten Nachtwache bei ihrer Herde. Da trat ein Engel des Herrn zu ihnen und die Herrlichkeit des Herrn umstrahlte sie und sie fürchteten sich sehr. Der Engel sagte zu ihnen: Fürchtet euch nicht, denn siehe, ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteilwerden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren; er ist der Christus, der Herr. Und das soll euch als Zeichen dienen: Ihr werdet ein Kind finden, das, in Windeln gewickelt, in einer Krippe liegt. Und plötzlich war bei dem Engel ein großes himmlisches Heer, das Gott lobte und sprach: Ehre sei Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen seines Wohlgefallens.“

 

 

Weihnachten feiern
Die Geburt Jesu Christi wird in den Gottesdiensten gefeiert. Besonders die Christmette (auch Hirtenmesse genannt), die als Heilige Messe in der Nacht vom 24. auf den 25. Dezember gefeiert wird. Die „Mette“ bezeichnet ein nächtliches Gebet, welches zwischen Mitternacht und der Morgenröte angesetzt werden kann. Die „Christmesse“ ist eine Eucharistiefeier (bei den evangelischen Christen ein Gottesdienst mit Abendmahl), in der die damaligen nächtlichen Ereignisse in Betlehem gegenwärtig nochmals erlebt werden.

Anton Rotzetter (1939-2016), ein Schweizer Kapuziner-Mönch und Buchautor, verfasste seine Gedanken zu der Geburt Jesu im Gedicht „Du Gott“: „Ein Kind! Ein Kind in der Krippe! Du bist auf der Seite der Kleinen / Du ergreifst Partei für alle, die nicht angenommen werden / So lass mich Dich nicht in Glanz und Herrlichkeit suchen sondern dort, wo die Kinder schreien / wo Mensch und Tier beisammen wohnen / in den Höhlen und am Straßenrand / Gib mir die Einfachheit der Hirten / und die Demut der Weisen / damit ich dich erkenne / als Kind in der Krippe / heute.“

 

Erfüllte Verheißung annehmen
Zu Weihnachten kommt es nicht auf die Geschenke, auf das Festessen und die Freizeit an. Weihnachten ist Begegnung mit Gott. Der Neugeborene ist Wort, welches Fleisch geworden ist, hat unter uns sein Zelt (seine Wohnung) aufgeschlagen, um bei uns zu bleiben. „Allen, die ihn aufnahmen, gab er Macht, Kinder Gottes zu werden, allen, die an seinen Namen glauben (J 1,12).“

Wie zu Zeiten des Propheten Micha, ist auch unsere Zeit nicht frei von Problemen, die uns bedrücken und Sorgen bereiten. Dennoch ist der Friede die Gabe des Christkinds für die Welt. Es sei dabei zu hoffen, dass die weihnachtliche Botschaft der Liebe, der Gerechtigkeit und Zuversicht wie des Friedens alle Menschen erreicht. Erst wenn der Messias angenommen wird, kann er wirksam den Menschen unterstützten. So sah das auch vor Jahrhunderten der Breslauer Dichter Angelus Silesius (1624-1677), indem er schrieb: „Morgenstern der finsteren Nacht, / der die Welt voll Freude macht, /
Jesus mein, komm herein, / leucht’ in meines Herzens Schrein.“

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