Wochenblatt – Gazeta Niemców w Rzeczypospolitej Polskiej

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Tuesday, November 30, 2021

Poldi löst sein Versprechen ein

Lukas Podolski, Weltmeister von 2014 und 2-facher Vizeweltmeister (2006 und 2010), wird seine reiche Fußballkarriere im Alter von 36 Jahren bei Górnik Hindenburg beenden, wo er am 6. Juli einen Vertrag unterschrieben hat! Der 130-fache deutsche Nationalspieler und 49-fache Torschütze für Deutschland (der drittbeste in der Geschichte der deutschen Nationalmannschaft) spielte während seiner Laufbahn u.a. für Bayern München, FC Arsenal, Inter Mailand, 1.FC Köln, Galatasaray Istanbul, Antalyaspor Kulübü und den japanischen Vissel Kobe. 

 

Im Laufe seiner Karriere hat „Poldi“ immer wieder betont, dass er zwei Herzen hat: ein deutsches und ein polnisches. Und am meisten liebe er zwei Vereine auf der Welt: den 1.FC Köln, wo er seine ersten Schritte auf dem Weg zu einer großen Karriere machte, und Górnik Hindenburg. Letzterer Verein war und ist die große Liebe seines Vaters Waldemar Podolski, der in den Farben des 14-fachen polnischen Meisters, aber auch bei ROW Rybnik und Szombierki Beuthen spielte. Interessanterweise gewann Waldemar Podolski mit dem letztgenannten Klub 1980 die polnische Meisterschaft, die bisher einzige für „Szombry“. Fünf Jahre später, genau am 4. Juni 1985, wurde Lukas Podolski geboren. 1987 ging der damals 2-Jährige mit seinen Eltern nach Deutschland.

 

Lukas Podolski
Foto: © Raimond Spekking / CC BY-SA 4.0 (via Wikimedia Commons)

 

„Er ist ein prima Kerl“

Trotzdem besuchte der kleine „Poldi“ regelmäßig seine Heimatstadt und ging oft mit seinem Vater zu den Spielen von Górnik. Damals verliebte er sich in den Hindenburger Verein und fasste später, als erwachsener Fußballspieler, den Entschluss, am Ende seines Abenteuers mit dem Fußball in dessen Farben zu spielen. Seine Liebe zu dem Klub brachte er sogar durch Kauf von dessen Aktien zum Ausdruck. Dennoch glaubten nur wenige, dass Poldi sich jemals entscheiden würde, ein „Górnik“ zu werden und in der polnischen Ekstraklasa zu spielen, nachdem er in Deutschland, England und Italien als Fußballstar gefeiert wurde. Und doch: Lukas Podolski hat nun Wort gehalten und einen Einjahresvertrag unterschrieben, obwohl er auch bei einem der großen Vereine in England oder Deutschland einen gut bezahlten Job hätte finden können. Im Übrigen lagen ihm auch Angebote von mexikanischen und brasilianischen Klubs vor. Hat er also das Richtige getan? Die Begrüßung Poldis in der „Arena Zabrze“ war jedenfalls ein großes Fest. Tausende von örtlichen Fans skandierten seinen Namen und auf Transparenten stand „Poldi, willkommen zuhause“. In privaten Gesprächen wiederum machten die Fans klar: „Lukas Podolski ist ein prima Kerl!“

Letzter Klub in der Karriere

Der Betreffende selbst erklärte:

 

„Wie ich gesagt habe, so habe ich es getan, obwohl nicht jeder es geglaubt hat.  Es steht auch fest, dass Górnik Hindenburg der letzte Klub in meiner Karriere ist und werden mein letztes offizielle Spiel in seinen Farben bestreiten! Mein Plan ist es, ein Jahr hier zu spielen, aber vielleicht bleibe ich auch zwei oder drei Saisons hier, wir werden sehen, wie es läuft. Ich liebe Fußball und möchte ihn so lange wie möglich spielen“.

 

Wann Lukas Podolski sein erstes offizielles Spiel in den Farben des Hindenburger Vereins absolviert, ist allerdings noch nicht bekannt. Alles hängt von seiner körperlichen Verfassung ab. Wie der Hindenburger Vereinsvorstand Dariusz Czernik betonte, habe „Poldi“ mittlerweile seinen Medizincheck gemacht und der Arzt sei hinterher nicht aus dem Staunen gekommen über seine „angeborene körperliche Kraft“, die er sonst bei keinem Fußballspieler über 32 Jahre gesehen habe. Auch der gesamte Medizinerstab sei beeindruckt gewesen von den körperlichen Fähigkeiten des 36-Jährigen. Wie es aber in der Praxis aussehen wird, ist heute trotzdem schwer zu beurteilen, selbst wenn man bedenkt, dass das Niveau der polnischen Liga weit von denen entfernt ist, in denen Poldi in der Blütezeit seiner Karriere gespielt hat – gemeint sind vor allem die Ligen in Deutschland, England und Italien.

 

Lukas Podolski
Foto: Sven Mandel/wikimedia commons

 

„Für mich ist Hindenburg Heimat“

Die Antwort auf die Frage, ob es richtig war, dass Poldi sich Górnik angeschlossen hat, wird die kommende Saison liefern, die am 25. Juli in Stettin mit einem Spiel gegen Pogoń beginnt. Fünf Tage später folgt dann das erste Heimspiel gegen Lech Posen. Ob Lukas Podolski bereits in diesen Partien sein Debüt in der polnischen Ekstraklasa geben wird? Der Betreffende selbst sagt, es komme ganz darauf an, wie er sich dann fühlt. „Vielleicht bin ich schon im ersten Spiel dabei, vielleicht aber auch erst im zweiten oder dritten. Vieles hängt dann auch vom Gespräch mit dem Trainer ab. Wenn ich zu 100 Prozent bereit bin, werde ich spielen, wenn nicht, werde ich trainieren, um so schnell wie möglich spielen zu können“, sagte Lukas Podolski. Übrigens, Poldis Vertrag bei Górnik hat nicht nur in den polnischen Medien für Interesse gesorgt. Auch deutsche Journalisten haben aufmerksam zugeschaut. So fragte der WDR Lukas Podolski danach, ob er in Polen etwas von Deutschland vermissen werde. Worauf er antwortete:

 

„Nein. Es sind ja nur 1,5 Stunden mit dem Flugzeug von Polen nach Köln, es ist also kein Problem. Zumal ich ja hier zuhause bin. Für mich ist Hindenburg eben Heimat“.

 

Möge die Liebe währen

Fans nicht nur aus Hindenburg, sondern auch aus Krakau, Posen und Warschau haben Poldis Vertragsabschluss bei Górnik in verschiedenen Foren mit großer Anerkennung und Respekt kommentiert. Man freute sich sichtlich, dass der Weltmeister in der ersten polnischen Liga spielen wird, für die es zweifellos eine große Ehre ist, die es so noch nie gegeben hat. Dieses Verhalten der Fans ist sehr erfreulich. Zumal man ja auch mit viel Hate rechnen musste, wie ihn der fantastische Ex-Boxweltmeister aus Danzig Dariusz Michalczewski seinerzeit zu hören bekam. Der „Tiger“ begann seine Karriere in Deutschland in Leverkusen beim dortigen Bayer 04, also in einer Stadt 10 km entfernt von Köln, wo Poldi aufgewachsen ist. Nachdem Dariusz Michalczewski nach Polen, genauer gesagt in seine Heimatstadt Danzig, zurückgekehrt war, gab es nicht wenige, die nicht vergessen konnten, dass vor seinen Kämpfen die deutsche Hymne gespielt wurde und die deutsche Flagge über seinem Kopf wehte, genau wie bei Poldis Einsätzen in der deutschen Nationalmannschaft. Deshalb war Tiger vielen Beleidigungen ausgesetzt, nicht nur von den Fans. Er wurde oft als Verräter bezeichnet.

 

Herrengunst

Dariusz Michalczewski meinte zu diesen Angriffe, er sei Deutschland gegenüber dankbar, dass man dort seine Karriere gefördert hat. Wäre er nicht nach Deutschland gekommen, hätte er nicht erreicht, was er erreicht hat, und wäre jetzt nicht der wohlhabende Mann, der er ist. „Ich habe einfach die Möglichkeiten genutzt, die mir Deutschland geboten hat, wofür ich sehr dankbar bin“, so Dariusz Michalczewski. Auch Lukas Podolski ist dank seiner Karriere in Deutschland ein sehr wohlhabender Mann. Er spielte für die deutsche Nationalmannschaft und später in anderen europäischen Ligen sowie in Japan. Es ist ihm zu wünschen, dass ihm die Erfahrungen „Tigers“, der aufgrund der Angriffe auf seine Person eine Zeitlang erwog, nach Deutschland zurückzukehren, erspart bleiben werden. Bekanntlich aber „ist Herrengunst launenhaft“, also kann nichts ausgeschlossen werden. Die Zeiten ändern sich jedoch, die Mentalität der Menschen ebenfalls, da lohnt es sich, guten Mutes zu sein. Und was ist, wenn ich falsch liege? Dann würde Lukas Podolski womöglich schon nach einer Saison genug davon haben, in Polen zu spielen. An seiner Liebe zu Górnik würde das aber nicht unbedingt etwas ändern. Ganz nach dem Motto: jung gewohnt, alt getan…

Krzysztof Świerc

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